Immobilien-Lagen: Das große Immobilien-Monopoly

Immobilien-Lagen
Das große Immobilien-Monopoly

Monopoly kennt jedes Kind. Auch für Immobilienkäufer kann das Spiel interessant sein, die Regional-Editionen zeigen die besten und die schlechtesten Lagen der Stadt. Was Immobilienkäufer von Monopoly lernen können.
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DüsseldorfManchmal lohnt ein spielerischer Blick zurück, um aktuelle Marktentwicklungen besser beurteilen zu können. Begeistert von den sozialreformerischen Ideen ihrer Zeit entwickelte die Stenotypistin Elizabeth Magie das Brettspiel „Landlord's Game“, für das sie im Jahr 1904 das Patent erhielt. Die Erfinderin des Vorläufers des aktuellen Monopoly-Spiels hatte vor allem eine Intention: Die Spieler sollten bei ihrem kurzweiligem Zeitvertreib die negativen Seiten eines ungebändigten Kapitalismus erfahren.

Unabhängig von der eigenen Arbeitsleistung wachsen ohne staatliche Regularien die privaten Vermögen der Reichen ins unermessliche, während Menschen ohne solchen Besitz die Armut und Verelendung droht. Im aktuellen Monopoly-Spiel bedeutet das: Derjenige, der die meisten Grundstücke und Immobilien besitzt, beendet als reicher Gewinner das Spiel, während ein Mitspieler nach dem anderen verarmt und ausscheidet.

Diese Parallelen zur ökonomischen Realität machen das Spiel heute so aktuell wie lange nicht. Zwar kann in Deutschland von einem zügellosen Kapitalismus wie zur Jahrhundertwende keine Rede sein. Trotzdem sorgt die Geldflut der Europäischen Zentralbank hierzulande für ein reales Immobilien-Monopoly. Die niedrigen Zinsen machen Baugeld günstig. Mangels anderer sicherer und rentabler Anlagemöglichkeiten investieren Anleger in Immobilien.

Die Folge ist ein Boom am Immobilienmarkt. Preise und Mieten steigen seit Jahren. Wer wenig Geld hat, kann sich die Mieten in begehrten Innenstadtlagen nicht mehr leisten. In den begehrtesten Lagen der Metropolen, die im Monopoly-Spiel der Parkstraße oder Schlossallee entsprechen würden, werden Preise aufgerufen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. In den Top-Adressen von Berlin, München oder Hamburg zahlen Käufer von Luxusobjekten fünfstellige Eurobeträge für den Quadratmeter. Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellt sich die Frage: Können Immobilienkäufer und Mieter von den Strategien der Monopoly-Spieler lernen?

In Deutschland gibt es mittlerweile 180 regionale Ausgaben des Spiels. In jeder Städte-Ausgabe werden die bekannten Monopoly-Straßen durch die regionalen Lagen ersetzt. „Die besten und schlechtesten Lagen ermitteln wir durch Umfragen über unsere lokalen Medienpartner, über eigens geschaltete Facebook-Seiten und durch das eigene Besichtigen der Städte“, erklärt eine Sprecherin des Verlags Winning Moves, der die Regionalausgaben vertreibt. In diesem Jahr soll das Millionste Spiel verkauft werden.

Man könnte also sagen: Die Monopoly-Lagen entsprechen der subjektiven Wahrnehmung der Bürger. In der Regionalausgabe in Berlin ist der Pariser Platz die Schlossallee. In der Tat ist dieses Gebiet eine absolute Top-Lage in der Hauptstadt. Direkt am Brandenburger Tor gelegen, residieren hier die amerikanische Botschaft und das Adlon. Laut Internetportal Immobilienscout 24, das für Handelsblatt Online Durchschnittspreise- und mieten und Kaufpreise für die Monopoly-Ausgaben der sieben größten Städte analysierte, zahlen Käufer hier mehr als 6500 Euro pro Quadratmeter, wenn überhaupt eine Wohnung frei wird.

Kommentare zu " Immobilien-Lagen: Das große Immobilien-Monopoly"

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  • Hallo, vielen Dank für den interessanten Artikel, allerdings erachte ich die Einführung mit dem Monopoli Spiel im ökonomischen Kontext für ein wenig zu gewagt.

    1.) Der Markt verteilt Leistungsäquivalent; d. h. ohne Regulierung würde es keine Aufkonzentrierung von "Gütern/ Nutzen" über das Leistungsvolumen, welches ein individum im Stande zu erbringen ist, geben. (Theoretische Annahme, dass es in der Realität den "perfekten Markt" nicht gibt ist klar; Auch gehe ich davon aus, dass der Gesamtnutzen vollständig ohne Regelungen nicht maximiert wird.)

    2.) Monopoly ist ein Paradebeispiel für einen fast vollständig regulierten Markt. Preise für Grundstücke und Hotelaufenthalte sind wesentlich durch die Spielregeln reguliert, lediglich der An- und Verkauf von Grundstücken zwischen Spielern unterliegt noch freien Verhandlungen.
    Bei "betreten" einer Straße ist man verpflichtet einzukehren und zu konsumieren. Beispielsweise bei Betreten der Schloßstraße muss ein Spieler die sehr teure Leistung inanspruchnehmen, unabhängig davon, ob er sich den Aufenthalt leisten kann.

    Zusammen gefasst: Monopoly zeigt uns sehr gut, dass gerade das fehlen wirtschaftlicher Freiheit und die extreme Regulierung zur Aufkonzentration von Reichtum führt.

  • Sorry, da hatte ich wohl glatt etwas verschluckt. Der Satz muss natürlich richtig heißen:

    Nur eine Möglichkeit seine überschüssige zu investieren, und das Immobilien-Portfolio (neben dem Aktien-Portfolio das 2. Standbein der Altersvorsorge) sinnvoll zu diversifizieren ......


    Kind regards,


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading, Frankfurt-Downtown

  • Das verwendete Foto bereits weist auf einige Unterschiede zum Immo-Monopoly: in welche Richtung wird mit welchen Ertragserwartungen investiert?

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