Immobilien
Londoner Mieter sind die Gewinner

Die Häuserpreise in Londons Nobelvierteln sind weiter auf dem Vormarsch. Anders verhält es sich mit den Mietpreisen: Diese sinken schon seit Jahren. Student und Milliardär werden so neuerdings zu Nachbarn.
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Student Phil Morris und seine drei Mitbewohner teilen sich die Monatsmiete von 2600 Pfund (3280 Euro) für ein Reihenhaus mit vier Schlafzimmern in Fulham, einem der reichsten Stadtteile Londons. Wer ein vergleichbares Haus in der Gegend kaufen will, muss pro Monat das Dreifache auf den Tisch legen. „Wir waren überrascht, dass wir in Fulham leben können, in so einem wohlhabenden Viertel”, sagt der 21-jährige Morris, der am Imperial College London Chemie studiert. „Es ist eine schöne Immobilie mit Platz für eine Familie in einer teuren Gegend.”

Die Immobilienpreise in den besten Wohnlagen Londons sind in den vergangenen fünf Jahren dreimal so stark gestiegen wie die Mieten. Das belegen die neusten Zahlen des Immobilienbrokers Knight Frank. Dadurch ist es deutlich günstiger, in Stadtteilen wie Knightsbridge, Mayfair und Kensington - in denen Milliardäre wie Lakshmi Mittal und Len Blavatnik residieren - ein Eigenheim zu mieten als es zu kaufen.

Zwar ist es in Großbritannien generell günstiger, eine Immobilie zu kaufen als sie zu mieten, doch in den besten Lagen Londons ist das Gegenteil der Fall, bestätigt Lloyds Banking Group. In den besten Wohngegenden in der Mitte Londons sind die Mieten in den drei Jahren bis Ende Juni sogar um 3,4 Prozent gefallen, wie aus einem Bericht von Knight Frank hervorgeht. Gleichzeitig stiegen die Immobilienpreise in diesen Stadtteilen deutlich stärker als im Rest des Landes. Ausländische Investoren strömten auf den Markt und die rekordniedrigen Zinsen der Bank of England verführten viele Käufer ein Vielfaches ihres verfügbaren Einkommens als Kredit für Hauskäufe aufzunehmen.

Wer in London eine Immobilie kauft, nimmt dafür im Schnitt einen Kredit in Höhe des 3,1fachen des Jahreseinkommens auf. Dieser Anteil entspricht dem Stand vor der Finanzkrise und ist höher als in jeder anderen Region Großbritanniens, wie aus einer Studie von EY Item Club hervorgeht. Seit Juni 2009 sind die Immobilienpreise in Spitzen-Regionen Knight Frank zufolge um 65 Prozent hochgeschnellt.

„Die Faktoren, die das Kapitalwachstum angetrieben haben, sind nicht in gleicher Weise auf Mietsteigerungen anwendbar”, sagt Liam Bailey, Chef für Wohnimmobilien-Analyse bei Knight Frank. Er geht davon aus, dass sich die Preissteigerungen in London 2015 “deutlich” verlangsamen und - bei robustem Wirtschaftswachstum - langfristig bei vier bis fünf Prozent einpendeln werden. Die Mieten hingegen werden Bailey zufolge in diesem Jahr drei bis vier Prozent anziehen und langfristig 4,5 Prozent. Die Differenz zu den Kaufpreisen wird also “nicht signifikant abnehmen”, sagt er.


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Monatliche Ersparnis von 4500 Pfund

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  • Da sieht man, wie pervers die Generierung von künstlichem Spekulationsgeld durch die Zentralbanken ist. Mieten werden hingegen in der Regel aus erarbeitetem Realgeld bezahlt

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