Immobilien Niedrige Zinsen, hohe Preise

Erst Bundesbankchef Weidmann, dann Bundesfinanzminister Schäuble, nun die EZB: Die Warner vor einer Immobilienblase werden mehr. Vier Profis beantworten Fragen zu den Auswirkungen des Zinstiefs auf den Immobilienmarkt.
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Fujitsu Building in München: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen.“ Quelle: dpa/picture-alliance

Fujitsu Building in München: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen.“

(Foto: dpa/picture-alliance)

Beim Blick auf die Immobilienpreise in den Metropolen wird mittlerweile nicht nur Kleinfamilien auf der Suche nach dem Eigenheim allmählich schwindlig. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bemerkt bei den Preisen von Immobilien Anzeichen „die gefährlich sind“. „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig“, so Schäuble.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt: „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase“. Weidmann sieht den Grund ebenfalls in den niedrigen Zinsen, laut Bundesbank sollen Immobilien in den Ballungsräumen inzwischen um bis zu 25 Prozent überbewertet sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) legt nach. „Unsere Analysen und die des Internationalen Währungsfonds deuten darauf hin, dass es in einigen speziellen Immobilienmärkten Anzeichen für eine Überhitzung geben könnte“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Montag in Frankfurt.

Die Notenbanker schreiben in ihrem Monatsbericht Juni: „Die gegenwärtige Situation auf den Immobilienmärkten ist durch eine hohe, weiter steigende Nachfrage nach Wohnraum gekennzeichnet, die sich auf nachhaltig verbesserte Aussichten für Beschäftigung und Einkommen und die damit einhergehende hohe Zuwanderung gründet und durch die äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen zusätzlich gestützt wird.“ Auch wenn inzwischen mehr Neubauten entstünden, könne die steigende Nachfrage gerade in den Ballungszentren nicht befriedigt werden. Die Folge: Die Immobilienpreise ziehen weiter kräftig an.

Wie die Preise seit der Finanzkrise gestiegen sind, zeigt eine Auswertung des Verbandes der Pfandbriefbanken für Handelsblatt Online: In München, Hamburg, Berlin und Frankfurt legten die Preise für eine Eigentumswohnung seit 2007 zwischen 24 und 38 Prozent zu. Der Zins für Baugeld sank im gleichen Zeitraum rasant – von fünf auf 2,8 Prozent. Und Mario Draghi hat durchblicken lassen, dass die Zinsen der Europäischen Zentralbank wohl noch für mindestens weitere zweieinhalb Jahre niedrig bleiben werden.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnt: „Hohe Immobilienpreise sind derzeit erklärbar, weil andere Anlageformen kaum Rendite bringen. Das gilt aber nur, so lange das Zinsniveau so unnatürlich niedrig ist.“ Früher oder später rechnet Kater daher mit einer Korrektur an den Immobilienmärkten.

Auch wenn zahlreiche Marktkenner für Deutschland in puncto Immobilienblase Entwarnung geben – das Institut der Deutschen Wirtschaft wies kürzlich darauf hin, das die Preise nicht flächendeckend sondern nur in den Ballungszentren steigen, die Preissteigerungen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern moderat seien und von einer Kreditblase wegen der hohen Eigenkapitalanteile keine Rede sein könne –, sollten Immobilienbesitzer, Kaufinteressenten und Mieter die Lage im Auge behalten. Für Handelsblatt Online beantworten vier Immobilienprofis die wichtigsten Fragen zum Zinstief und Immobilienmarkt.

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8 Kommentare zu "Immobilien: Niedrige Zinsen, hohe Preise"

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  • Jüngst vernahmen wir das Notenbanken neben Renten auch Aktien kaufen. Dann wird es auch nicht mehr überraschen, wenn die demnächst auch noch Immobilien mit selbst gedrucktem Geld kaufen.

  • Die gehirngewaschenen Menschen lassen sich von den Bankstern und korrupten Polit - Marionetten vorführen....
    Armselig geht alles den Bach runter.....

  • niedrige zinsen oder subventionen bei dingen von realem wert sind diese instrumente bei der preisfindung einbezogen/enthalten.

  • Volle Zustimmung.Da liegt aber an den vielen nicht tarifgebundenen Betrieben in Deutschland.Leih-und Zeitarbeit schließe ich da mit ein.Inclusive Lohnzusatzleistungen,wie Urlaubs-und Weihnachtsgeld,sowie Mitarbeiterbeteiligungen,liegt der Abschlag sicher bei 30-50% je nach Branche.

  • Also bei uns in London sind die Preise explodiert.Die Preise der Agenturen hängen ja aus,ich würde mal sagen,ob Kensington,Notting Hill,Bayswater oder Chelsea,die Preise kennen nur eine Richtung,steil nach oben(Wertsteigerung zwischen 30-50% per anno,je nach Lage).
    Wie man da laut "Bank of England",keine Blase erkennen kann,wird wohl für immer deren Geheimnis bleiben.
    Neuester Trend:Aus eins mach zwei.Eine Vier Raum Wohnung,wird mal schnell zum 2 Zimmer Apartment umgebaut,eine Vier Zimmer Wohnung kann sich eh kaum noch einer leisten.

  • @tolbiac

    "Schäuble ist in großem Maß mitverantwortlich für diese unsägliche Zinspolitik, er opfert die hart erarbeiteten Vermögenswerte der Deutschen ( Altersvorsorge auf Sparbuch oder Immobilie) kalt lächelnd auf dem Altar einer total verfehlten Zinspolitik."

    Ich persönlich mag Herr Schäuble nicht, doch was Sie da schreiben ist nicht wahr. Nicht wahr, wie in... es ist falsch! Den Vermögenswerten geht es gar nicht schlecht. Deutsche werden Jahr um Jahr reicher. Und besonders Immobilien gewinnen an Wert, wenn Sie die Überschrift überhaupt gelesen hätten.


    @Beebo12

    "DE geht es im Wettbewerb nur so gut, weil hier die Unternehmen am brutalsten nach Osteuropa und Asien ausgelagert haben, und dabei noch von niedrigeren Zinsen als unsere Nachbarn profitiert haben."

    Das ist auch nicht wahr. Die Inflation und die Zinsen sind in Osteuropa und Asien viel höher als in Deutschland.

  • Selbst in Deutschland nimmt die Produktivität eher ab als zu. Die ganzen Minderleister werden zu Dumpingbedingung in den Arbeitsmarkt gepresst. Da geht halt die Produktivität flöten. DE geht es im Wettbewerb nur so gut, weil hier die Unternehmen am brutalsten nach Osteuropa und Asien ausgelagert haben, und dabei noch von niedrigeren Zinsen als unsere Nachbarn profitiert haben. In der Südschiene haben das die Gewerkschaften verhindert. Als Nebeneffekt hat man aber den Konsum kaputt gemacht. Bricht noch einmal der Export wie nach der Lehmann Pleite ein, wird das Deutschland am härtesten Treffen. Die DE Politische und Wirtschaftliche Elite feiert sich nur 24h lang selber. Daher sehen die auch nicht die unschönen Realitäten.

  • Schäuble, leider der unfähigste Finanzminister, den Deutschland je hatte (er schafft trotz massiv sprudelnder Steuereinnahmen und Null-Zins am Markt nicht einmal einen ausgeglichenen Haushalt)braucht nicht so scheinheilig vor der sich bildenden Blase am Immobilienmarkt zu warnen; so ein Philister!!

    Schäuble ist in großem Maß mitverantwortlich für diese unsägliche Zinspolitik, er opfert die hart erarbeiteten Vermögenswerte der Deutschen ( Altersvorsorge auf Sparbuch oder Immobilie) kalt lächelnd auf dem Altar einer total verfehlten Zinspolitik.

    Deutsche zahlen mit ihrer Altersvorsorge für reformunwillige sowie reformunfähige "Südstaaten".

    Südliche lethargische Entwicklungsländer und hoch produktive Industriestaaten im Norden können nun einmal nicht in eine Währung gepresst werden, das ist eine Binsenweisheit, aber Schäuble opfert lieber das Vermögen der Deutschen (unsere Volksvertreter sollen doch die Interessen der Bürger vertreten und sie nicht verraten !!).

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