Immobilien: Ostdeutschland wird unterschätzt

Immobilien
Ostdeutschland wird unterschätzt

Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung spielen die neuen Bundesländer auf dem deutschen Immobilien-Investmentmarkt eine untergeordnete Rolle. Die Städte leiden vor allem an einem Imageproblem. Viele Investoren meiden daher den Osten - und verpassen damit die Aussicht auf gute Renditen.
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BERLIN. Einer Hochrechnung des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) zufolge entfielen im ersten Halbjahr 2010 gerade mal 8,6 Prozent des gesamten deutschen Investitionsvolumens auf Ostdeutschland (ohne Berlin) - und das, obwohl eigentlich manches für die neuen Bundesländer spricht. "In einem sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld hat sich der ostdeutsche Immobilienmarkt insgesamt robust gezeigt", sagt Jochen-Konrad Fromme, der im Juni zusammen mit Niclas Karoff die Geschäftsführung der bundeseigenen TLG Immobilien übernommen hat. Für Frommes These spricht, dass das ausschließlich in Ostdeutschland tätige Unternehmen im Krisenjahr 2009 einen Gewinn von 26 Mio. Euro erzielte.

Dass der gewerbliche Mietmarkt zwischen Rostock und Plauen vergleichsweise unbeschadet durch die Wirtschaftskrise gekommen ist, bestätigen die Zahlen eines noch unveröffentlichten Marktberichts der TLG Immobilien, der dem Handelsblatt vorliegt. Demnach verzeichnete 2009 nur eine einzige von 22 kreisfreien Städten in Ostdeutschland, nämlich Weimar, sinkende Einzelhandelsmieten. Bei den Büroflächen blieben in 19 der 22 Städte die Mieten stabil oder stiegen sogar - wobei die absolute Spitzenmiete von 12,50 Euro in Erfurt im bundesweiten Vergleich noch immer recht bescheiden anmutet.

Die Kaufkraft steigt

Die Fachleute führen das allgemein niedrige Niveau als einen der Gründe für die Stabilität des ostdeutschen Gewerbeimmobilienmarkts an. "Wir haben hier keine Headquarters, die man hätte abbauen können", sagt Stefan Sachse, Leiter der Leipziger Niederlassung des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate. Zudem, sagt TLG-Geschäftsführer Fromme, sei die Wirtschaft in den neuen Bundesländern weniger exportabhängig und dadurch weniger krisenanfällig. Für den Osten spreche aber auch, dass die Arbeitslosigkeit sinke und die Kaufkraft steige, wovon vor allem der Einzelhandel profitiere.

Doch wird das nicht durch den Bevölkerungsrückgang konterkariert? Thomas Beyerle, bis vor kurzem Research-Leiter von Aberdeen Asset Management: "Eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung ist aus Investorensicht kein k.o.-Kriterium." Wer den Einwohnerrückgang in seine Renditeberechnung einbeziehe und einen angemessenen Risikozuschlag einkalkuliere, könne auch in schrumpfenden Regionen erfolgreich investieren.

Bedeutende Transaktionen in den neuen Bundesländern sind bisher Mangelware. "Für institutionelle Investoren", sagt Hartmut Bulwien, Aufsichtsratsvorsitzender des Marktforschungsinstituts BulwienGesa, "kommen nur Leipzig und Dresden in Frage." Die ostdeutschen Großstädte litten - ähnlich wie westdeutsche B-Standorte - an einem Imageproblem. "Ich habe wenig Hoffnung, dass sich das kurzfristig ändert", sagt Bulwien. "Dabei haben manche ostdeutschen Standorte das gleiche Potenzial wie westdeutsche Städte."

Kommentare zu " Immobilien: Ostdeutschland wird unterschätzt"

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  • Es werden nicht nur Ostdeutsche Städte wie Dresden, Leipzig, Potsdam und Chemnitz unterschätzt, andere Regionen auf der Welt sind auch preiswert u. wachstumsstark.

    ich meine Anlagen in:

    a) Afrika,
    b) Südamerika und
    c) Osteuropa.

    Daneben wird in nächster Zeit die Wertanlage:

    - Gold und
    - ein Haus in guter Lage 1a-Lage

    sehr an Wert gewinnen.

    Wer Geld hat, sollte in diesen Anlagekategorien investieren.

    Was dagegen meiner Meinung nach zukunftssicher ist, ist:

    a) investitionen in den USA - hier ist der Aufschwung zu schwach und

    b) investitionen in China, der Zenit dieses Aufschwungs ist überschritten, die Wirtschaft ist teilweise überhitzt.

    Aber insgesamt sollte die Anlage (egal welche) dem Anleger bekannt und der Anlagehorizont (wann brauche ich das Geld) vorher klar definiert sein. Erst wenn dies feststeht, sollte man sich gut überlegen, wo diese Anlagesumme sicher u. renditestark, aber auch rechtzeitig wiede liquide ist. Nur auf Anlagetricks oder berater der banken zu hören, ist ein irrglaube!

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