Immobilien
Spaniens Häusermarkt bleibt im Tief

Die Wohnungsverkäufe auf dem spanischen Wohnungsmarkt sind um knapp fünf Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Trotzdem bleibt die Lage auf dem iberischen Immobilienmarkt kritisch. Eine Bericht warnt: Erst in sechs oder sieben Jahren wird das gigantische Angebot an unverkauften Wohnungen abgebaut sein.
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MADRID. Die spanische Immobilienkrise ist noch lange nicht vorüber. Das zumindest ist die Quintessenz des Jahresberichtes zum spanischen Immobilienmarkt, den der Finanzberater Acuña & Asociados alljährlich herausgibt. Erst in sechs oder sieben Jahren werde das gigantische Angebot an unverkauften Wohnungen abgebaut sein, so dass sich der Markt wieder normalisieren könne, heißt es in dem Bericht. Acuña & Asociados beziffern das Angebot an unverkauften Wohnungen auf 1,7 Mio. Einheiten, dem gegenüber stünde dieses Jahr eine magere Nachfrage nach gerade einmal 218 428 Wohnungen. Diese werde sich auch in den kommenden Jahren nur geringfügig erhöhen.

Die Veröffentlichung des Jahresberichts traf diese Woche zusammen mit den Juli-Zahlen zum Wohnungsmarkt des Nationalen Statistikinstitutes INE. Diese zeigten erstmals wieder einen leichten Anstieg der Wohnungsverkäufe um knapp fünf Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch im Jahresvergleich fiel der Rückgang der Verkäufe mit minus 20 Prozent milder aus als zuvor. „Mit großer Vorsicht“ könne man sagen, dass einige Indikatoren „eine Tendenz zur Stabilisierung des Immobilienmarktes zeigen“, freute sich sogleich die spanische Wohnungsbauministerin Beatriz Corredor. Der Fall des europäischen Leitzinses Euribor von 5,38 Prozent auf 1,25 Prozent innerhalb eines Jahres hätte, gemeinsam mit dem Fall der Wohnungspreise, die finanzielle Belastung der Familien durch den Wohnungskauf von durchschnittlich 40 Prozent des Gehalts auf 31 Prozent gesenkt – das Niveau von 2006, so die Ministerin.

Die Experten von Acuña & Asociados sehen das anders. „Von ersten Erholungszeichen kann keine Rede sein“, erklärt Firmenchef Fernando Rodríguez y Rodríguez de Acuña. Zwar seien die Zinsen gesunken, die Immobilienpreise um etwa zehn Prozent gesunken. Doch „die Wohnungsnachfrage hängt insgesamt vom Arbeitsmarkt, dem Lohnniveau, den Verkaufspreisen, den Zinsen und den Finanzbedingungen ab.“ Wie die meisten Ökonomen und internationalen Organisationen erwarten Acuña & Asociados eine weitere Verschlechterung der ohnehin schon rasant gestiegenen Arbeitslosigkeit und eine Stagnation, wenn nicht Reduktion, der Löhne. Gleichzeitig würden die Wohnungspreise mindestens bis 2011 sinken und der Hypothekenzinssatz in eine ähnliche Richtung gehen. „All dies deutet darauf hin, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren zwar steigen wird, aber schwach bleibt.“

Noch bis 2011 werde der Immobiliensektor die spanische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt negativ belasten, folgert der Bericht von Acuña & Asociados. Die Experten hatten schon in Vorjahren durch ihre pessimistischen Vorhersagen für Aufruhr gesorgt. Bisher wurde diese von der Realität bestätigt, manches Mal gar übertroffen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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