Immobilien und Baufinanzierung
Null vor dem Komma

Die Notenbank flutet die Märkte mit Geld. Eine Studie zeigt: Mehr als 20 Anbieter verlangen für Baugeld weniger als ein Prozent Zinsen. Wo es diese Kampfkonditionen gibt und wann die Zinsen steigen. Das Tool der Woche.
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Anfang des Monats war es soweit. Die Zinsen für Baugeld fielen bei den ersten Banken und Vermittlern unter die Marke von einem Prozent. Was vor einigen Jahren noch als undenkbar galt, ist aktuell bei vielen Banken Realität: Mindestens 20 Banken und Vermittler bieten Darlehen zu einem Zinssatz von weniger als einem Prozent, wie die FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online ermittelte.

Vor allem bei Darlehen mit kurzen Laufzeiten oder niedriger Beleihung gibt es häufig eine Null vor dem Komma (siehe Tabelle auf der letzten Seite des Artikels). Erstaunlich günstig ist etwa ein regionales Darlehen der PSD Bank Nürnberg.

Bei einer Beleihung von 50 Prozent und einem festen Zinssatz über fünf Jahre berechnet die Regionalbank für einen Kredit über 100.000 Euro nur einen Effektivzins von 0,55 Prozent. „Es kann durchaus sein, dass in diesem Jahr die erste Bank für Kredite mit fünf Jahren Zinsbindung weniger als 0,5 Prozent verlangt“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Immobilienbesitzer sollten die Minizinsen zur Tilgung nutzen. Besonders günstig ist das bei niedrigen Beleihungen. Wer etwa für die Anschlussfinanzierung ein Volltilger-Darlehen von 100.000 Euro bei einer Zinsbindung von zehn Jahren vereinbart, findet mindestens sechs Banken oder Vermittler, die dafür weniger als ein Prozent effektiv Verlangen. „Die Rate für dieses Volltilger-Darlehen wäre mit 875 Euro wahrscheinlich für viele Kreditnehmer tragbar“, sagt Herbst.


Bei Zinsbindungen von fünf Jahren sind Finanzierungen zu Sätzen mit einer Null vor dem Komma auch bei Beleihungen von 75 Prozent möglich. „Angesichts der niedrigen Zinsen sollten Häuslebauer, die auf Nummer sicher gehen möchten, die Zinsen aber lieber langfristige festschreiben“, sagt Herbst. Mit dem Baugeld-Vergleich von Handelsblatt Online lassen sich die individuell günstigsten Darlehen für alle Laufzeiten und Beleihungen ermitteln.

Und Immobilienbesitzer und Häuslebauer dürfen sich freuen: Das Zinstief bleibt ihnen erst einmal erhalten. „Baugeld dürfte auch 2015 außerordentlich günstig bleiben“, erklären die Analysten von Deutsche Bank Research. Der Anleihekauf der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Sorgen um Griechenland lassen die Zinsen weiter sinken. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen liegt mit 0,22 Prozent weit unter den bisher vorstellbaren Dimensionen. Anleihen mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren rentieren im negativen Bereich.

Kommentare zu " Immobilien und Baufinanzierung: Null vor dem Komma"

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  • @Peter Noack

    Nein, die dänische Bauindustrie dümpelt weiter lustlos vor sich hin.

    Die Finanzkrise hat eine Hauspreisblase zum platzen gebracht, und der Häusermarkt ist jetzt zweigeteilt: In den wenigen grossen Städten haben vor allem die Wohnungspreise wieder gut angezogen, Stichwort Landflucht und Anlagenotstand. In den Landbezirken sind Arbeitsplätze verschwunden, zusammen mit zahlreichen Bankfilialen und Grundschulen, nebst Busverbindungen und Einkaufsmöglichkeiten. Dazu eine Landwirtschaftskrise (geplatzte Preisblase, Russland) In etlichen Gegenden sind Hauskredite daher seit Jahren schwer zu bekommen, falls jemand überhaupt noch den Mut aufbringt, aufs Land zu ziehen.

    Warum sollen die Hypotekenbanken denn auch Kredite vergeben an Orten, wo das Rendite-/Risikoverhältnis unter den aktuellen Verhältnissen überhaupt nicht mehr stimmt. Vielerorts herrschen deshalb langsam Zustände, die an die neuen Bundesländer nach der Wende erinnern: Wegziehen darf man gerne, vorher Verkaufen geht aber nicht.

    Entsprechend hat die Bauindustrie wenig zu tun: Der Gebrauchtmarkt verhindert Neubauten, und Renovieren wird auf die lange Bank geschoben, so lange noch an der Überschuldung der Privathaushalte rumgeknabbert wird.

    So ist das mit dem billigen Geld: Wenn die Überschuldung erst mal perfekt ist, helfen gratis Kredite zunächst auch nicht mehr weiter. Logisch also, dass man die Leute nun dafür bezahlen muss, ihnen jetzt noch weitere Kredite unterjubeln zu dürfen.

    In den Genuss dieser Freuden kommt wie so oft vor allem der gutbetuchte Teil der Bevölkerung. Die Premiumkunden, an denen die Kreditgeber zwar nichts verdienen, aber auch kein ernstes Risiko laufen. Alternative der Banken wäre Geld bei der Nationalbank zu parken, zum Zinssats Minus 0,75%. Dann doch lieber das Geld für Minus 0,25% zur höheren Bürgerschicht tragen.

    Aber das hat die EZB bestimmt alles gut im Griff. Ist ja Nachfolgerin der Bundesbank, nur eben besser - "Whatever it takes"

    ;-)

  • Herr Herzberger!

    Wird nun wenigstens in Dänemark viel mehr in Bauten investiert, wenn man zur Finanzierung auch noch Geld zurück erhält? Baut nun jeder Däne zu seinem Wohneigentum und Ferieneigentum noch ein drittes Haus? Vermieten kann es das dann wohl kaum an die Dänen. An wen sonst?

  • Bauzinsen mit Null vor dem Komma?

    Viel zu teuer!!

    In Dänemark sind Baukredite mit nur 1-jähriger Zinsbindung sehr verbreitet. Und da sind die Minusrenditen bereits bei den privaten Kreditnehmern angekommen. Das Angebot an die Kreditnehmer lautet: Leih Dir Geld gratis für ein Jahr, und bezahle nur 99,5% des Kredits zurück.

    Wie, klingt zu schön um wahr zu sein?

    Mindestens ein grosser Hypotekenfinanzierer hat bereits mitgeteilt, dass man darauf vorbereitet ist, den Geldstrom umzudrehen, also laufende Zahlungen vom Kreditgeber an den Kreditnehmer zu schicken. Auch das dänische Finanzministerium hat geklärt, wie die neue Einnahmequelle "Kreditaufnahme" steuerlich behandelt wird.

    Noch ist das Zinsminus nicht grösser, als dass Zinseinnahmen mit den laufenden Kreditgebühren verrechnet werden, aber je nach Fortgang von Draghis Bazooka und dem Kronenkrieg gibt es vielleicht bald eine neue Berufsgruppegruppe im glücklichsten Land der Welt: Professionelle Schuldenmacher.

    Der Herr Draghi - Der weiss doch sicher, was er tut, nicht wahr?

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