Immobilien und Folgekosten
Wenn Ihr Traumhaus zur Bruchbude wird

Die Kosten für Pannen beim Bau steigen rasant an, oft droht den Eigentümern der Ruin. Eine Studie zeigt jetzt, wo die meisten Fehler passieren und was sie kosten. Wie Immobilienbesitzer einen Totalschaden vermeiden.
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DüsseldorfARD-Moderatoren blieben in Aufzügen stecken, das Wasser aus den Hähnen war braun und ein amerikanischer Bobpilot konnte seine Badezimmertür nicht mehr öffnen. Neben einem Medaillenfestival war die Winterolympiade 2014 im russischen Sotchi vor allem ein Baupfuschfestival. „Ich halte das Risiko, das die Bauwerke darstellen, für größer als die terroristische Bedrohung“, sagte der kürzlich ermordete Oppositionspolitiker Boris Nemzow dazu.

Gravierende Baufehler gibt es aber nicht nur in Russland. Auch hierzulande pfuschen Architekten, Ingenieure und Bauarbeiter. Eine aktuelle Studie des Bauherrenschutzbundes (BSB) zeigt, dass die Schäden durch Baumängel über die Jahre beinahe russische Ausmaße angenommen haben.

Nach der Auswertung von fast 5.000 Versicherungsschäden stieg die Zahl der Baumängel im Zeitraum 2002 bis 2013 um 451 Prozent an. „Allein im Zeitraum von 2009 bis 2013 haben sich die Versicherungsschäden für Baumängel verdoppelt“, erklärt Peter Mauel, Vorsitzender des BSB. Die Höhe des Gesamtschadens für 2013 beziffern die Bauherrenschützer auf 215 Millionen Euro. Mit durchschnittlich 67.000 Euro erreichte die durchschnittliche Schadensumme einen neuen Höhepunkt.

Mauel sieht einige Gründe für die rasante Zunahme der Bauschäden in den vergangenen Jahren. „Die Komplexität des Bauprozesses und damit die Anforderungen an Planung, Bauleitung und das Zusammenwirken der einzelnen Gewerke sind weiter gewachsen“, sagt er. Die Studie legt nah, dass sich die meisten Schäden während der Ausführung einschleichen. Die machen 45 Prozent der Gesamtschäden aus. Danach folgen Patzer der Bauleitung mit 25 Prozent.

Die Baubranche boomt in den vergangenen Jahren. Allein 2013 lagen die Umsätze bei 95,5 Milliarden Euro. Das historische Zinstief, die steigenden Immobilienpreise und die massiven Zuzüge in die Metropolen sorgen derzeit für einen Boom im Neubau. Das deutsche Handwerk konnte sich im vorigen Jahr das größte Umsatzplus seit 2011 freuen. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Erlöse um 2,4 Prozent. „Beflügelt werden die Geschäfte vor allem von anhaltend hoher Investitionen in Immobilien, dank anhaltend niedriger Zinsen“, sagte der Generalsekretär des Handwerksverbands ZDH, Holger Schwannecke.

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