Immobilien

Warum die Makler streiken möchten

Die Immobilienmakler laufen Sturm gegen das Gesetz zur Mietpreisbremse. Ein Verband ruft die Wohnungsvermittler jetzt zum Streik. Dafür ernten die Makler Hohn und Spott.
10 Kommentare
Illustration zur Urabstimmung: Der Maklervarband BVFI ruft zum Streik.

Illustration zur Urabstimmung: Der Maklervarband BVFI ruft zum Streik.

Makler gelten gemeinhin als smarte Dienstleister. Ihren Job, die Vermittlung von Wohnraum, erfolgt meist freundlich und diskret. Kaum ein Mieter oder Vermieter dürfte seinen Makler jemals lautstark oder gar vor Wut schnaubend erlebt haben. Dieses Bild des Berufsstandes ändert sich gerade.

Vor blutrotem Hintergrund recken Demonstranten die Fäuste in die Luft. „Genug!“, „Es reicht!“ und „Mit uns nicht!“ steht auf ihren Bannern. So illustriert der Maklerverband BVFI seinen Aufruf zur Urabstimmung für einen bundesweiten Maklerstreik. „Mit der Einführung des Bestellerprinzips würde die Bundesregierung den Berufsstand des Wohnungsvermittlers vernichten!“ heißt es dort. Makler können ihr Votum per Klick im Internet abgeben.

Im Zuge der Mietpreisbremse soll bald derjenige für den Makler zahlen, der ihn bestellt hat. Der Bundesrat prüft derzeit den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Wenn das Gesetz beschlossen wird, dürften in den meisten Fällen nicht mehr der Mieter die Kosten übernehmen. Der streitbare Verband hat deshalb mehr als 300 Unionsabgeordnete angeschrieben.
Viele Makler fürchten jetzt um ihr lukratives Geschäftsmodell. „Laut Bundesregierung sollen Provisionen von 583 Millionen Euro bei den Provisionen eingespart werden“, sagt BVFI-Vorstand Helge Ziegler. Seine Rechnung: Pi mal Daumen würden deshalb 10.000 Makler ihre Geschäftsgrundlage verlieren. das wären ein Drittel aller Wohnungsvermittler.

Deshalb sollen alle Makler Deutschlands am 7. November ihre Büros zusperren und in den Streik treten. Ziegler ist zuversichtlich, dass die gewünschte Mehrheit von zwei Drittel seiner Mitglieder bei der Urabstimmung für den Streik stimmt. Dann dürfte die eine oder andere Wohnungsbesichtigung ausfallen.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Immobilien - Warum die Makler streiken möchten

10 Kommentare zu "Immobilien: Warum die Makler streiken möchten"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "...schaut der Makler in die Kartei und zeigt dem Interessenten das Expose. Fertig!"

    Realistischer ist pro Vermietung ein Aufwand von etwa 8 Stunden: Anrufe entgegennehmen, Besichtigungen durchführen mit Anfahrt, Mieter checken, etc... .

  • Sie meinen die 80-jährige Oma übernimmt dann dessen Tätigkeiten und führt abends die Besichtigung durch? Vermutlich überlegt sie sich eher ob sich Vermietung noch lohnt wenn man neben der Hausverwaltung auch noch einen Makler bezahlen muss.

    Zumindest wird sie als Auftraggeberin dem Makler knallharte Vorgaben machen was sie will. Eventuell 5000€ Ablöse für die Wohnungseinrichtung. Gerade ältere Menschen haben ja viel was mal auf den Sperrmüll muss.

    Wer glaubt dass staatliche Eingriffe die Wohnungssituation verbessern hat aus der DDR nichts gelernt. Dort ist der Neubau Anfang der 80er kollabiert. Jahrelange Wartelisten für kleine und alte Wohnungen waren die Regel.

    Dahin führt der zunehmende staatliche Einfluss die 50% Mieter in D die ihre Wohnung wechseln müssen.

  • Wo das Problem ist?

    Vermutlich dass zu viele zu faul sind die Ergebnisse des 2011-Zensus zu lesen!

    Der Wohnungsmarkt in D ist überwiegend in privater Hand. Allein um bei 40 Millionen Wohnungen und 100 Jahren Nutzungsdauer den Bestand zu erneuern müssten jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Es sind aber trotz Niedrigstzinsen und guter Wirtschaftslage weniger als 300.000.

    Wohnungen werden seit 2000 überwiegend von Selbstnutzern erschaffen weil sich Vermietung immer weniger lohnt.

    Mit Gesetzen die den Vermietern neue Kosten aufbürden verschärft man die Umwandlung von Mietwohnungen zu selbst genutztem Eigentum in Zeiten wo das Wohnungsangebot sinkt.

    In den nächsten 10 Jahren werden sich Mieter wünschen Zustände wie 2014 zu haben.

  • Nicht ist so überflüssig wie der abzockende Makler, der sich ohne wirkliche eigene Leistung bereichert, indem er sich einfach dazwischen drängt.

    Sollen die Makler doch bis zum Sanktnimmerleinstag streiken. Damit wäre uns allen geholfen...

  • Wo ist das Problem? Die gängige Praxis ist doch sowieso "Immobesitzer geben Maklern Ihre Immobilien im Alleinauftrag". Nach dem Willien des Volkes soll nun dieser Immobesitzer, weil er dem Makler den Auftrag erteilt hat, bezahlen. Kommt nun ein Interessent und sagt "Hallo lieber Makler hast Du eine 2-Zimmer Wohnung für mich" schaut der Makler in die Kartei und zeigt dem Interessenten das Expose. Fertig!

    Warum versucht Ihr Makler eigentlich was in den Gesetzentwurf hinein zu interpretieren was da nicht steht?? Ihr dürft sehr wohl für Suchenden euren Bestand zeigen - ist ja nichts anderes wie wenn der Interessent bei Immoscout, Immowelt und Co oder auf eurer Homepage schaut.

  • Ein Mietinteressent beauftragt einen Makler eine Wohnung zu finden. Der Makler macht sich auf die Suche und findet ein passendes Objekt.

    Lehnt der Mietinteressent dieses Objekt nun ab darf der Makler nach Willen des SPD-Justizministers dieses Objekt nun keinem anderen Mietinteressenten mehr gegen Bezahlung vermitteln.

    Das bedeutet de facto einen gesetzlichen Zwang für Makler nur noch für Vermieter zu arbeiten.

    Ein Vermieter dessen Rendite zwischen Maklergebühr und Mietpreisbremse zerquetscht wird steigt aus dem deutschen Immobilienmarkt aus und verkauft sein Objekt an Selbstnutzer.

    Wir werden in den nächsten Jahren besonders in den Großstädten ein stark rückläufiges Angebot von privaten Vermietern erleben.

    Ich wünsche den Suchenden viel Spaß. Bei festgesetzter Obergrenze wird der Vermieter immer die solventen älteren Doppelverdiener bevorzugen.

  • Warum gibt es überhaupt Makler für die Vermietung? Doch wohl deshalb, weil jede neue Vermietung einen gewissen Aufwand darstellt. Diesen Aufwand darf ein Vermieter, der es selbst in die Hand nimmt, aber nicht berechnen (aktuelle Rechtslage) - der teurere Makler aber schon. Das ist auch der Grund, warum viele den Makler nahmen: Weil sie keine Lust auf unbezahlte Mehrarbeit haben. Dieses erste dumme Gesetz hat es daher für den Mieter schonmal teurer gemacht.

    Jetzt folgt das zweite dumme Gesetz, das "Bestellprinzip". Durch dieses Gesetz wird der Aufwand ja nicht weniger, die Kosten entstehen trotzdem. Und wo landen Kosten, die im Umfeld der Vermietung anfallen? Natürlich beim Mieter, wie bei jedem anderen Produkt auch, wo sämtliche Kosten die in der Herstellungs- und Vertriebskette anfallen im Produktpreis enthalten sind.
    Weil der Vermieter aber nicht weiß, wie häuft es zu Mieterwechseln kommt, muss er das pauschal schätzen, was es für den Mieter wiederum teurer macht.

    Dieser ganze sozialistische Murks bewirkt das Gegenteil von dem, was er bezweckt. Und unsere populistischen Politiker verkaufen es dem Volk als große soziale Errungenschaft.

  • Ja bitte streiken, mindestens 12 Wochen lang. Dann schafft sich die Branche (endlich) selbst ab. Weil Verkäufer/Vermieter und Käufer/Mieter festellen, es geht auch ohne Makler... und Immoscout & Co. wird es auch freuen.

  • Mit der Aussage "der Berufsstand des Immobilienmaklers wird vernichtet", stellen die Makler ihrem Gewerbe und ihrem Geschäftsmodell selbst das größte denkbaure Armutszeugnis aus. Denn im Klartext heißt das: Sobald derjenige, der einen Makler beauftragt auch die Kosten dafür übernehmen muß, wird lt. Maklerverband anscheinend niemand mehr an dieser "unverzichtbaren Dienstleistung" Interesse haben - und das sagt alles aus über den Wert und die Qualität einer Dienstleistung. War ja auch bisher wie im Schlaraffenland: Wie wenn man eine Dorf-Kneipe aufmacht und die Gäste Bier ohne Ende bestellen, weil sie es nicht selbst zahlen müssen, sondern einfach auf die Rechnung eines anderen Dorfbewohners setzen können. Da ist jede Kneipe immer brechend voll und eine Goldgrube für den Wirt. :-)

  • Grundsätzlich ist das erst einmal eine tolle Geschäftsidee; man arbeitet mit Gegenständen die einem meist nicht gehören und kassiert bei einem Hausverkauf meistens 5stellig. Verwaltung von Whg. sind nicht so lukrativ; viel Arbeit, wenig Geld und wenn man damit Geld verdienen will muss man richtig Bestand in den Büchern haben.

    Nun kann es natürlich so sein das ein Immobesitzer keine Lust hat selbst einen Käufer für sein Haus oder Whg.
    zu suchen. Also bestellt er einen Dienstleister; und bezahlt ihn natürlich auch. Ist in anderen Ländern NORMAL.

    Also sperrt Eure Büros zu; am besten dauerhaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%