Immobilien: Wenn der Fiskus zuschlägt

Immobilien
Wenn der Fiskus zuschlägt

Der Immobilienboom sorgt bei klammen Ländern und Kommunen für Begehrlichkeiten. Die Steuern und Abgaben steigen rasant, in Einzelfällen um mehr als 70 Prozent. Womit Mieter und Immobilienbesitzer rechnen müssen.
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DüsseldorfDas sich abgezockte Immobilieninvestoren als Schutzengel für die deutsche Steuergerechtigkeit einsetzen, ist wohl eher selten. Einar Skjerven, Immobilienunternehmer aus Berlin, macht eine Ausnahme und zeigt jetzt sein großes Herz für die Steuerzahler.

„Die deutsche Politik legt derzeit eine Doppelmoral an den Tag“, sagt Skjerven. „Einerseits möchte Vater Staat die Mieter mit Regulierungen wie der Mietpreisbremse vor Immobilieninvestoren beschützen, andererseits verdient sich die öffentliche Hand über die Grunderwerbsteuer eine goldene Nase am Wohnimmobilienboom.“

Um seine Aussagen zu untermauern, lässt es der gebürtige Skandinavier auf seiner Internetseite kräftig rollen. Im höchsten Tempo laufen dort Zähler für die Einnahmen der Grunderwerbssteuer von acht Städten, ganz nach dem Vorbild der Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. In Hamburg lagen die Einnahmen seit dem Jahreswechsel bei mehr als elf Millionen Euro.

In München zahlten die Immobilienkäufer bereits knapp 20 Millionen Euro. Spitzenreiter aber ist Berlin, die Stadt in der auch Skjerven investiert. Dort zahlten Häuslekäufer bereits mehr als 35 Millionen Euro.

Die interaktiven Uhren zeigen: Der Fiskus hat den Immobilienboom für sich entdeckt. Aber anstatt sich nur über die gestiegenen Einnahmen wegen höherer Preise und steigender Verkaufszahlen zu erfreuen, erhöhen Länder wie Nordrhein-Westfalen oder das Saarland massiv ihre Grunderwerbsteuern. „Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen“, sagt Norbert Römer, SPD-Fraktionsvorsitzender im nordrhein-westfälischen Landtag. „Die Mehreinnahmen aus der erhöhten Grunderwerbsteuer sind für die Reduzierung der Neuverschuldung vorgesehen.“

Bis zu 6,5 Prozent müssen Käufer in den teuersten Ländern NRW und Schleswig-Holstein jetzt abführen. Brandenburg hat die Erhöhung auf 6,5 Prozent bereits angekündigt. Seit dem jahr 2006 können die Bundesländer den Steuersatz bei der Grunderwerbsteuer in Eigenregie festlegen. Seitdem ist der Steuersatz in fünf Ländern von 3,5 Prozent auf 6,0 bis 6,5 Prozent angehoben worden. Nur Bayern und Sachsen wiedersteht dem allgemeinen Trend, Immobilienkäufer zu belasten..

„Die Politik fordert stetig, privat für das Alter vorzusorgen etwa mit einer Wohnimmobilie", sagt Reiner Holznagel, Präsident beim Bund der Steuerzahler. „Für Normalverdiener wird es aber immer schwieriger eine Wohnimmobilie zu bezahlen. Dies liegt auch an den hohen Grunderwerbsteuern, die heute bei fast jeder Immobilienfinanzierung eine Rolle spielen.“ Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler haben die Länder seit 2006 die Grunderwerbsteuer mehr als 20 Mal erhöht. Das Aufkommen ist von 4,8 Milliarden Euro im Jahre 2009 auf voraussichtlich 9,2 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen.

Vor dem Jahr 1983 war selbst genutztes Wohneigentum weitgehend von der ungeliebten Steuer befreit. Bei Einfamilienhäusern und Wohnungen galten Freibeträge von 250.000 Mark, bei Zweifamilienhäusern lag der Freibetrag bei 300.000 Euro. Der Bund der Steuerzahlerzahler fordert, wieder Freibeträge einzuführen.

„Grunderwerbsteuer zahlen vor allem die privaten Käufer, die sich eine Wohnung zur Altersvorsorge kaufen oder um sich mit deren Erwerb vor weiter steigenden Mieten zu schützen“, sagt Skjerven. Großinvestoren können die Zahlung von Grunderwerbsteuer vermeiden, wenn sie mit sogenannten Share Deals nicht die Immobilien direkt sondern nur Anteile an einer Objektgesellschaft erwerben. „Die Länder sollten die Steuern wieder senken und ihren Bürgern beim Vermögensaufbau keine Steine in den Weg legen“, sagt Skjerven.

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  • Der Staat und die Kommunen sind die größten Preistreiber am Wohnungsmarkt. Die Mietpreisbremse bedient den Neidfaktor des Volkes und lenkt davon ab, daß sich der Staat, die Kommunen aus dem sozialen Wohnungsbau verabschiedeten, dank Zuwanderung aber für massiven Druck auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Neben der Miete steigen auch die Nebenkosten, dank der Preissteigerungen der klammen Kommunen bei den Gebühren und Abgaben wie z.B. Grundsteuer. Die Kommunen werden immer klammer, da sie die Kosten für die ideologisch verklärten Projekte, wie z.B. einer kunterbunten Gesellschaft, finanzieren müssen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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