Immobilien
Wenn die Hypothek zur Last wird

Subprime auf Spanisch: Auch auf der iberischen Halbinsel haben Niedrigzins und attraktive Hypotheken zu einer stetigen Überschuldung der Haushalte geführt. Der – für Spanien durchaus übliche – Traum vom Eigenheim entwickelt sich in Zeiten der Krise allmählich zum Horrorszenario.

MADRID. Wenn der junge Familienvater, Rettungswagenfahrer und Maler Fernando dazu kommt, die Zeitung aufzuschlagen, dann weiß er, dass er bald noch weniger Freizeit haben wird. „Neuer Höchststand des Euribor, wieder steigen die Hypotheken“ – solche Überschriften finden sich fast täglich auf den Titelseiten spanischer Zeitungen. Für Fernando und für einen Großteil der spanischen Mittelschicht, die sich seit der Einführung des Euros von niedrigen Zinsen und immer großzügigeren Hypothekenangeboten der Banken haben einwickeln lassen, ist der Euribor mittlerweile wichtiger als die Fußballergebnisse. Der stetige Anstieg des europäischen Referenzzinses im Zuge der globalen Finanzkrise könnte für sie zur Katastrophe werden.

Der 33-jährige Fernando lebt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in dem pittoresken Dorf Herrera del Duque in Extremadura, etwa 250 Kilometer von der Hauptstadt Madrid entfernt. Extremadura ist eine der Regionen in Spanien, die nach dem Beitritt zur Europäischen Union den größten Entwicklungssprung getan hat. Allein von 2000 bis 2004, also in den ersten vier Jahren nach Einführung des Euros, ist die Wirtschaftsleistung in Extremadura um knapp 14 Prozent gestiegen, deutlich mehr als die nationale Volkswirtschaft.

Einer der Hauptmotoren des Wachstums war hier wie im restlichen Spanien der Immobilienboom. Plötzlich schossen überall neue Häuser hoch; in den Bankfilialen wurden Schilder ausgehängt: „Verwirkliche Deinen Traum, wir finanzieren Dein Eigenheim zu hundert Prozent!“ Nicht nur die Zinsen, auch das Bauland und die Baukosten waren billig.

Vor drei Jahren beschloss Fernando, die Chance wahrzunehmen. Er nahm eine Hypothek über 120 000 Euro auf und baute sein eigenes kleines Haus. Der Kredit hat eine Laufzeit von 25 Jahren. Fernando wird also 55 Jahre alt sein, wenn er den Kredit endlich abbezahlt hat – vorausgesetzt er schafft es bis dahin, die monatlichen Raten zu bezahlen. Der Zinssatz für seinen Kredit beträgt Euribor plus 0,8 Prozent.

Das hörte sich gut an, als er den Kredit aufnahm. Denn damals lag der Euribor bei 2,3 Prozent. Doch bis Ende August hat sich dieser Satz verdoppelt, und Pessimisten sehen ihn Ende des Jahres schon bei fünf Prozent. Vor vier Monaten hat Fernandos Bank die letzte Zinsanpassung vorgenommen, seine monatliche Rate stieg auf 510 Euro, mehr als ein Drittel des Gehalts. Fernando ist als Rettungswagenfahrer bei einer privaten Firma angestellt. Er verdient monatlich 1 300 Euro. Seine Frau ist Lehrerin, hat aber keine feste Stelle. Sie arbeitet nur etwa acht Monate im Jahr und verdient etwa 400 Euro monatlich.

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