Immobilien
Wohnungsgesellschaften schimpfen über Analysten-Studie

Die Manager börsennotierter Wohnimmobiliengesellschaften sind sauer auf Merrill Lynch - auch wenn sie gar nicht direkt Opfer jener Studie geworden sind, mit der die Analysten der Investmentbank vergangene Woche vor allem die Aktien von Deutsche Wohnen und Gagfah in den Keller geschickt haben. Kritiker bemängeln die angeblich ungerechtfertigten Vergleiche.

DÜSSELDORF. Seit Veröffentlichung der Studie büßte Gagfah rund zehn Prozent und Deutsche Wohnen (Deuwo) 36 Prozent ein. Die Analysten hatten die Bewertung des Wohnungsbestandes beider Unternehmen heruntergeschraubt.

"Wir leiden unter Merrill Lynch", sagt Johann Kowar, Vorstandschef des österreichischen Wohnungsvermieters Conwert. Dabei hat es den Conwert-Kurs kaum getroffen. Die Wiener haben in Deutschland große Bestände in Berlin und Sachsen. Sie kaufen Einzelobjekte und kleine Portfolios bis etwa zehn Mill. Euro, allesamt im höherwertigen Segment. Kowar muss nun wie andere erklären, dass seine Bestände nicht mit denen der LEG vergleichbar sind. Wie Conwert kamen auch andere, deren Wohnungen eher im Hochpreissegment zu finden sind, besser als Deuwo und Gagfah davon, etwa Franconofurt, deren Wohnblocks im Rhein-Main-Gebiet stehen.

Merrill Lynch (ML) hatte auf Basis des Verkaufspreises für die nordrhein-westfälische Wohnungsgesellschaft LEG von 3,4 Mrd. Euro geschlossen, dass Deuwo - und Gagfah-Wohnungen weniger wert seien als die Gesellschaften angeben. Und folgerichtig setzten die Experten das Kursziel für Deuwo von sieben auf drei Euro, für Gagfah von zehn auf sechs Euro herab. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte die LEG vor kurzem an die Goldman-Sachs-Fondstochter Whitehall verkauft.

Auch das Deuwo-Management sieht die eigenen Bestände in anderen Preisregionen als die der LEG. Nach dem ML-Kursziel wären Deuwo-Wohnungen im Schnitt nur noch 700 Euro je Quadratmeter (qm) wert, sagt Deuwo-Investor-Relations-Frau Stefanie Hartung. Die Bewerter von Catella seien aber auf einen Durchschnittspreis von 980 Euro/qm gekommen.

Zu Wort meldete sich auch Estavis-Chef Rainer Schorr nach dem Verkauf zweier Portfolios zu Quadratmeterpreisen um 800 Euro. "Wenn der Käufer keine Verkaufsund Mietrestriktionen sowie Instandsetzungsauflagen wie beim LEG-Verkauf erhält, sind Quadratmeterpreise in der Gegend von 800 Euro und darüber völlig normal", sagte er der Presse. In einer Pflichtmitteilung stellte er aber klar, dass Umsatz und Ergebnis im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 - anders als noch im Mai suggeriert - unter das Vorjahresniveau fallen werden. Dem Kurs schadete dies nicht mehr. Er stieg nach der ML-Studie sogar ein wenig. rrl

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