Immobilienanlage
Die Hauptstadt gilt als Schnäppchen-Markt

Bei internationalen Immobilieninvestoren gilt die bundesdeutsche Hauptstadt als Standort mit Potenzial. Die Anziehungskraft werde sich mittelfristig noch erhöhen und die Wertentwicklung von Immobilien aller Art positiv beeinflussen, so das Kalkül.

HB BERLIN. Nachdem einzelne Investoren wie die US-Gesellschaft Cerberus den Anfang machten, ist der Markt dieses Jahr richtig ins Rollen gekommen. Manche Wohnimmobilien-Pakete haben schon zwei- bis drei Mal den Eigentümer gewechselt. Zu den Käufern gehörten in diesem Jahr Akelius, GE Real Estate, Puma Brandenburg und Colonia Real Estate. Auf dem Markt der Wohn-Geschäftshäuser haben internationale Investoren knapp 60 Prozent der Transaktionen bestritten, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). Die Engagements aus Dänemark, Österreich, Irland, Spanien und der arabischen Welt nähmen stark zu.

Deutsche Investoren wundern sich, denn wirtschaftlich steht es um Berlin nicht zum Besten. Das Wachstum stagniert, die Arbeitslosenquote ist mit 17 Prozent sehr hoch, das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen unterdurchschnittlich und trotz günstiger Wirtschaftsprognosen wird es keine signifikanten Beschäftigungszuwächse geben. Überdies ist infolge hoher Leerstandsquoten so bald nicht mit steigenden Mieten zu rechnen, hohe Projektentwicklungsreserven, das heißt zahlreiche Frei- und Sanierungsflächen, dämpfen den Markt zusätzlich.

Ausländische Investoren hingegen sehen ein anderes Berlin: Die wirtschaftliche Talsohle ist durchschritten, Ökonomen wie das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizieren ein leichtes Wirtschaftswachstum sowie die Zunahme von Bürobeschäftigten und Kaufkraft. Erwartet wird auch eine zunehmende Zahl von Single-Haushalten sowie ein leichter Bevölkerungsanstieg durch Zuzug aus anderen Regionen und die Rückkehr von Ex-Berlinern aus dem Umland. Investoren rechnen deshalb mittelfristig mit einem Rückgang der Leerstände durch gebremste Bautätigkeit und einen steigenden Wohnflächenbedarf pro Person.

Ausländische Investoren übersähen jedoch die Probleme - etwa hohe Instandhaltungskosten infolge überalterter Bausubstanz oder hohe Mieterfluktuation - gibt Sven Keussen, Geschäftsführender Gesellschafter von Rohrer Immobilien, zu bedenken. Solcherlei Details indes sind für die Profi-Anleger nur Nebensache: "Entscheidende Investitionskriterien sind das im europäischen Vergleich sehr niedrige Preisniveau sowie die Attraktivität der zunehmend internationalen Metropole", berichtet Carsten Klug, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young Investoren unter anderem aus Großbritannien, den USA, Skandinavien und arabischen Ländern betreut. "Die Immobilien kosten so wenig - so billig könnten sie an diesen Standorten gar nicht gebaut werden", bestätigt Keussen. Der Quadratmeterpreis für sanierte Gebäude in Top-Lagen beträgt etwa 1 500 Euro, während in London dafür 15 000 Euro hinzublättern sind.

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