Immobilienbesitzer in Russland: Schuldenberg statt Eigenheim

Immobilienbesitzer in Russland
Schuldenberg statt Eigenheim

Der Rubelverfall kostet viele russische Immobilienbesitzer ein Vermögen, weil sie den Hauskredit in Dollar oder Franken aufnahmen. Die Kreditlast wird damit untragbar – und das Eigenheim zum negativen Vermögenswert.
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St. PetersburgAls Oxana Li und ihr Mann vor sieben Jahren die Hypothek für eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in St. Petersburg aufnahmen, wollten sie sich damit den Traum von den eigenen vier Wänden für sich und ihren kleinen Sohn erfüllen. Jetzt können sie wie Tausende andere Russen die monatlichen Raten nicht mehr bezahlen, selbst wenn sie auf alles andere verzichten, Überstunden machen oder sogar einen zweiten Job annehmen. Der Traum zerfällt.

Li und ihr Mann haben ihr Immobiliendarlehen in Schweizer Franken aufgenommen. Mit solchen Fremdwährungsdarlehen kann man von den niedrigen Zinsen in einem fremden Land profitieren. Derzeit bewegt sich der Leitzins in der Schweiz etwa gegen null, während der in Russland bei 17 Prozent liegt. Doch die Rechnung geht nicht auf, weil der Rubel in den vergangenen Monaten gegenüber anderen Währungen dramatisch abgewertet wurde. Die Kosten für solche Darlehen gingen damit durch die Decke.

„Im November haben wir mein gesamtes Monatsgehalt genommen, dazu das meines Mannes und haben das Geld zur Bank gebracht. Aber der Betrag reichte noch immer nicht, um die neue monatliche Rate zu bezahlen“, sagt die 35 Jahre alte Büroangestellte Li. Als sie die Hypothek 2008 aufnahmen, zahlten sie pro Monat umgerechnet 38 000 Rubel. Ende 2014 entsprach die Monatsrate 129 000 Rubeln.

Der Anteil von Fremdwährungsdarlehen in Dollar, Euro oder anderen Währungen am Gesamtvolumen russischer Hypotheken liegt nach Schätzung von Bankexperten bei 3,5 Prozent. Das klingt nach relativ wenig, betroffen sind aber dennoch Zehntausende Darlehen. Die Internet-Community Gesamtrussische Immobilienkreditnehmer, die Ende November in einem sozialen Netzwerk gegründet wurde, geht davon aus, dass mindestens 250 000 Menschen in Wohnungen oder Häuser leben, die über ausländische Währungen finanziert sind.

Selbst der Verkauf einer Immobilie stellt oft keine Lösung dar. Denn weil die Gebäude in Russland liegen, werden sie in Rubel bezahlt. Die Schulden bestehen jedoch weiter in der ausländischen Währung. Die Immobilie wird zu einem „negativen Vermögenswert“, wie es im Fachjargon heißt. „Viele Menschen finden sich in mit der Situation konfrontiert, in der der Preis für ihr Appartement nicht alle ihre Schulden abdeckt“, sagt Juri Jufjakow, Immobilienmakler in Moskau.

Li sagt, die Bank könne ihnen die Wohnung wegnehmen, wenn sie mit drei Monatsraten im Rückstand liege. Die Situation ist für sie besonders belastend, weil sie und ihr Mann bereits große Opfer gebracht haben. „Wir haben uns Dinge verkniffen und gespart, sind nicht mehr ausgegangen, haben auf Urlaube verzichtet und gearbeitet, wenn wir krank waren„, sagt sie. Ihr Arbeitstag dauere zwölf Stunden, ihr Mann habe zwei Jobs und für ihren Sohn, der mittlerweile zwölf Jahre alt ist, hätten sie kaum noch Zeit.

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Kommentare zu " Immobilienbesitzer in Russland: Schuldenberg statt Eigenheim"

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  • Meine Meinung ist in einem Satz gesagt.
    Danke, Herr Putin, dass Sie jetzt damit beginnen, die eigene Bevölkerung zu enteignen, nein, sprichwörtlich auszurauben denn die grodrn Banlen dort sind staatlich....

  • Warum haben Russen, Polen, Bulgaren Hauskredite in Schweizer Franken aufgenommen? Wer hat die vermittelt? Warum konnten Schweizer Franken in die Osteuropastaaten fließen, die wirtschaftlich sehr schwach waren und sind?
    Wer trägt die Verluste, wenn die Häuser nicht kredittilgend verkauft werden können? War das die Immobilienblase, die jetzt die Finanzmärkte zum Bersten bringt? Schaun mer mal.

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