Immobilienbetrug
Drei Zimmer, Küche, Abzocke

In den Metropolen der Republik explodieren die Mieten. Davon profitieren neben Immobilienbesitzern auch Betrüger. Sie fälschen Anzeigen und machen mit dem Wohnungsmangel Kasse. Das kostet nicht nur die Opfer Geld. 
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DüsseldorfDass es so einfach werden würde, hatte Stefan Kurth nicht erwartet. Aus beruflichen Gründen verschlägt es den 43-jährigen Marketingmanager nach Düsseldorf. Auf der Suche nach einer Wohnung stößt er bei Immobilienscout24.de rasch auf eine Anzeige, die sein Interesse weckt: Eine Wohnung mit 85 Quadratmetern im Trendviertel Bilk, vollmöbliert, gehobene Ausstattung, mit Balkon, Einbauküche, Gäste-WC, Klimaanlage und Garage. Das alles für 445 Euro warm, Internet und Telefon inklusive. Ein absolutes Schnäppchen in einer Stadt, in der die Kaltmiete laut des aktuellen LEG-Wohnungsmarktreports für Nordrhein-Westfalen bei durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter liegt.

Kurth nimmt Kontakt auf und bekommt prompt eine Antwort. In fehlerhaftem Englisch schreibt ein Klaus Wennemas, dass er beruflich nach Großbritannien versetzt wurde und nun einen Mieter für seine Wohnung suche. Weil ihn sein neuer Job in Großbritannien stark einspanne, müsse alles über das Internet geregelt werden.

Kurth antwortet, dass er die Wohnung gerne besichtigen würde. Kein Problem, schreibt Wennemas zurück. Allerdings müsse er als Sicherheit für die Schlüssel eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete verlangen. Kurth solle das Geld per Western Union überweisen, anschließend bekäme er den Schlüssel. Der Deal platzt. Denn was Kurth und die Wohnung von Herrn Wennemas gemeinsam haben ist: Beide gibt es nicht. Stefan Kurth ist ein Pseudonym der Autoren dieses Textes, um zu Recherchezwecken Interesse an mutmaßlich unseriösen Angeboten zu bekunden. Die Wohnung in der Ringelsweide 28 im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ist eine Erfindung von Betrügern, um an Geld zu kommen.   

„Vorkassebetrug ist der Klassiker“

Die Masche ist nicht neu. Seit einigen Jahren werden in einschlägigen Immobilienportalen regelmäßig luxuriös möblierte Wohnungen in bester Lage zu unschlagbar günstigen Quadratmeterpreisen angeboten. Der Haken dabei: Es gibt die Objekte überhaupt nicht. Die Adressen sind zwar korrekt, doch die auf den Fotos abgebildete Immobilie steht dort nicht. „Vorkassebetrug ist der Klassiker“, sagt Sonja May, Sprecherin beim Internetportal Immobilienscout24.de. „Wir haben oft in angespannten Mietmärkten die Situation, dass dort sehr günstige Wohnungen inseriert werden, die in Wahrheit gar nicht existieren.“ Wer im Vorfeld Geld an die vermeintlichen Vermieter überweist, um den Schlüssel zu bekommen, steht am Ende mit leeren Händen da.

Während auf dem Land immer mehr Immobilien leer stehen und die Preise fallen, sind in Metropolen wie München, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf die Mieten und Kaufpreise für Häuser und Wohnungen seit 2010 stark gestiegen. Bezahlbarer Wohnraum wird hier immer rarer. Das trifft besonders einkommensschwache Familien mit Kindern. Sie haben in Großstädten nach Überweisung der Miete häufig weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz-IV-Familie. „Die Leute gehen dorthin, wo die Jobs sind.

Die gibt es in den Ballungsgebieten“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Das erhöht den Druck auf die dortigen Immobilienmärkte. Die Suche nach günstigem Wohnraum wird somit nicht nur für Immobilienbesitzer zum einträglichen Geschäft. Auch unseriösen Geschäftemachern spielt die zunehmende Anspannung auf beliebten Mietmärkten in die Hände.

Kommentare zu " Immobilienbetrug: Drei Zimmer, Küche, Abzocke"

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  • Die steigenden Mieten in den Ballungsräumen finde ich gar
    nicht so schlecht.So sterben dann wenigstens nicht die
    Orte im Umland aus.Es ist doch schon bedenklich,wenn die
    Asylanten für sich das Recht in Anspruch nehmen wollen,
    dorthin zu gehen,wohin sie wollen.Bedeutet,wieder irgendwo
    eine Parallelgesellschaft ohne Deutschkenntnisse zu bilden.
    Berlin ist doch das beste und zugleich schlechteste
    Vorbild.Abseits der Touristenmeile muss man lange suchen,
    um eine gute Wohnung zu finden.Arm aber sexy ist nicht
    nach jedermanns Geschmack.Ich bin oft familiär in Berlin.
    Für mich jedesmal ein Horrotrip.Für mich persönlich ist
    eine Grossstadt nicht geeignet,um zur Ruhe zu kommen.
    Aber jeder muss für sich selbst entscheiden und dann in den sauren Apfel beissen und blechen.Mein Mitleid hält
    sich in Grenzen.

  • Sie haben bei der Auflistung der Städte München vergessen. Meine Tochter hat nach dem Studium ein Praktikumsplatz in München bekommen und hat 3 Monate nach einem bezahlbaren Zimmer/Wohnung gesucht. Bis dahin konnte sie bei Freunden, in sehr beengten Verhältnissen unterkommen und aus dem Koffer leben.
    In der Zeit hat sie sich sich um die 20 Zimmer in WGs angeschaut. Entweder Ablehnungen bekommen, oder es waren unzumutbare Umstände. Die Krönung war eine alleinerziehende Mutter, die ihre 7jährige Tochter mit in ihr Schlafzimmer nahm und das Kinderzimmer 15qm, für 750€ vermieten wollte. Die Küche durfte aber ab 20:00h nicht mehr benutzt werden, da die Kleine sonst gestört wurde.
    Die Erfahrung mit den Betrügern im Immobilien Scort hat sie genauso gemacht, wie in Ihrem Artikel geschildert. ImmoScout hat aber sofort, nachdem sie ihn informierte die Anzeige entfernt.
    Jetzt hat sie nur über Beziehung von alten Schulfreunden in Berlin jemanden gefunden, der eine Mitbewohnerin suchte. Neubau 20 qm Zimmer 550€ in zweier WG
    In Berlin vermietet sie ihre Altbauwohnung in Charlottenburg, 3 Zimmer, 75qm, 600€ warm unter.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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