Immobilienblase Banken sehen keinen Anlass für Gegenmaßnahmen

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz dafür sorgen, dass die Finanzaufsicht bei einer drohenden Immobilienblase schnell eingreifen kann. Das stößt bei Vertretern der Kredit- und Wohnungswirtschaft auf Kritik.
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Deutschlands Immobilienmärkte seien stabil, argumentieren die Verbände der Kredit- und Wohnungswirtschaft. Quelle: dpa
Immobilienblase

Deutschlands Immobilienmärkte seien stabil, argumentieren die Verbände der Kredit- und Wohnungswirtschaft.

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BerlinDie Kredit- und Wohnungswirtschaft haben die geplanten Eingriffsrechte gegen eine drohende Immobilienblase in Deutschland als unverhältnismäßig und zu weitreichend kritisiert. Die Vorschläge im Gesetzentwurf der Bundesregierung seien überzogen und den tatsächlichen Risiken nicht angemessen, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Banken und Sparkassen für eine Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages an diesem Montag.

Der Gesetzentwurf für rein vorsorgliche Instrumente stütze sich offensichtlich auf Erfahrungen im Ausland. Dies lasse sich jedoch nur bedingt auf Deutschland übertragen. Zugleich betont die Kreditwirtschaft: „Trotz zum Teil deutlicher Preissteigerungen in einigen Ballungsgebieten liegt gegenwärtig in Deutschland keine Überhitzung des Immobilienmarktes vor.“

Ähnlich äußert sich der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Ein flächendeckendes Problem, von dem wesentliche Systemrisiken ausgehen können, sei derzeit nicht ersichtlich: „Nach unserer Auffassung besteht daher keine Notwendigkeit, im privaten Immobilienfinanzierungsgeschäft derart weitreichende Eingriffsrechte einzuführen.“

Wie Millenials leben wollen
Wie ticken die Millenials?
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Seit Jahren versuchen Unternehmen die Ansprüche von den sogenannten Millennials zu verstehen. Nicht immer geht es dabei rein um das Konsumverhalten. Der Immobiliendienstleister CBRE hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie die Millennials in punkto Immobilien tickt. Dafür haben sie weltweit 13.000 22- bis 29-Jährige befragt. Millennials sind laut Pew Research Center die Generation all jener, die nach 1980 geboren wurden und im neuen Jahrtausend erwachsen wurden. Ganz eindeutig ist die Definition allerdings nicht. CBRE beschränkt sich in seiner Untersuchung auf die heute 22- bis 29-Jährigen.

Mieten als sinnvollere Option
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Das Wohnverhalten der Millennials wird stark vom traditionellen Mietmarkt in Deutschland geprägt. „Rund ein Drittel der Millennials sagt, dass das Mieten besser zu ihrem Lebensstil passt, da mit dem Mieten keine Verpflichtungen einzugehen sind“, sagt Jan Linsin, Leiter der Analyseabteilung bei CBRE in Deutschland. Den jungen Leuten ginge es um Flexibilität.

In elterlicher Obhut bleiben?
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In Deutschland leben 73 Prozent der Millenials nicht bei ihren Eltern – internationale sind es weniger, nämlich nur 51 Prozent.

Das Eigenheim bleibt ungreifbar
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Nur wenige junge Deutsche rechnen künftig damit, einmal eine Immobilie zu besitzen. „34 Prozent der jungen Menschen in Deutschland gehen nicht davon aus, in Zukunft einmal Wohneigentum zu besitzen“, sagt Linsin. Ein Grund dafür seien die derzeit hohen Preise in den Großstädten. Das sind deutlich mehr als in Spanien, Großbritannien (jeweils 26 Prozent) oder in Frankreich (18 Prozent).

Deutlicher Anstieg der Kaufpreise
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In den vergangenen Jahren sind die Kaufpreise in Deutschland deutlich gestiegen. Laut Bundesbank stiegen die Preise im deutschen Durchschnitt allein 2016 um acht Prozent. Die Mieten nahmen allerdings nicht im gleichen Tempo zu. Sie stiegen nur um 4,75 Prozent. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Seit 2009 erkennt der Immobiliendienstleister, dass die Preise in den Großstädten teils doppelt so stark steigen wie die Mieten. Die Bundesbank vor Überhitzungstendenzen: „Die Preisübertreibungen in den Städten betrugen gemäß aktuellen Schätzergebnissen im vergangenen Jahr zwischen 15 Prozent und 30 Prozent.“

Lohn nicht ausreichend?
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70 Prozent der deutschen Millennials fürchten laut CBRE-Umfrage, dass die Gehaltsentwicklung nicht mit den Immobilienpreisen mithalten kann.

Preisabnahme in Düsseldorf
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In Frankfurt und Hamburg könnten die Preise laut Empirica um bis zu 40 Prozent nach unten korrigiert werden.Die Preise werden in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch ein hohes Volumen an Investitionen in den deutschen Wohnungsmarkt getrieben. Diese werden wiederum von den Niedrigzinsen beeinflusst, da beispielsweise Anleihen kaum noch Rendite abwerfen. Investoren suchen ihr Heil am Häusermarkt. Das könnte Folgen haben, wenn die Zinsen wieder steigen, warnt das Forschungsinstitut Empirica. In einigen Städten gebe es erhebliches Rückschlagpotenzial. In Düsseldorf könnten die Preise beispielsweise um bis zu 36 Prozent fallen. In Frankfurt und Hamburg könnten die Preise laut Empirica um bis zu 40 Prozent nach unten korrigiert werden.

Geplant sind Instrumente, damit die Finanzaufsicht Bafin vorbeugend bei einer drohenden Immobilienblase schnell eingreifen kann. So sollen zur Gefahrenabwehr höhere Hürden für neue Kredite für Wohnimmobilien möglich sein.

„Deutschland weist vergleichsweise stabile Immobilienmärkte auf“, betont die Kreditwirtschaft. „Die Finanzierungsmodalitäten sind konservativ und durch langfristige Zins- und Tilgungsvereinbarungen geprägt.“ Es stelle sich daher die Frage, warum Deutschland ein im internationalen Vergleich ausgesprochen komplexes Instrumentarium benötigen sollte. Die Kreditwirtschaft kritisiert, dass „andere Möglichkeiten zur Bekämpfung einer Überhitzung, wie z.B. steuerliche Änderungen, Bereitstellung von Bauland in Ballungsgebieten, Vereinfachung der Bauordnung etc.“, nicht geprüft würden.

Aus Sicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) lässt es „die große Stabilität des deutschen Wohnimmobilienfinanzierungsmarktes“ fraglich erscheinen, ob solche Instrumente benötigt werden. Die Kölner Ökonomen verweisen darauf, dass in Deutschland überwiegend Kredite mit langer Laufzeit vergeben werden. Zinsänderungen wirkten sich daher nur auf einen Teil der Haushalte aus. Typisch sei auch, dass Eigenkapital eingebracht werde. Zudem sei die Wohneigentumsquote relativ gering: „In der Konsequenz sind Verwerfungen in der Wohnimmobilienfinanzierung deutlich geringer als in anderen Ländern.“

Mit dem Gesetz werden zugleich die strengeren Vorgaben für die Vergabe von Krediten an Häuslebauer überarbeitet. Die Präzisierungen zur ein Jahr alten „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“ der EU betreffen Kriterien Kreditwürdigkeit von Bauherren. Klargestellt werden soll, dass eine Wertsteigerung durch Baumaßnahmen oder Renovierung bei der Kreditwürdigkeitsprüfung berücksichtigt werden darf. Kritiker hatten moniert, dass die Richtlinie die Kreditvergaben eingeschränkt habe. Klare Belege dafür gibt es bisher allerdings nicht.

  • dpa
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