Immobilienboom
In Istanbul explodieren Baulandpreise

Gewaltige Kuppeln und schlanke Minarette bestimmten Jahrhunderte lang die Silhouette Istanbuls, des alten Konstantinopel. Aber die Wahrzeichen des neuen Istanbul stehen in den Stadtteilen Maslak, Sisli und Levent: die glitzernden Bürotürme der Banken und Industrieholdings.

HB ISTANBUL. Zwischen den Hochhäusern drehen sich die Baukräne, wachsen neue, noch höhere Giganten heran: die „Tat Towers“ der Tatlici Holding, die rund 300 Meter hohen „Twistet Towers“ des arabischen Immobilienkonzerns Sama Dubai oder der von türkischen Investoren finanzierte „Diamond of Istanbul“. Die Wirtschafts- und Finanzmetropole am Bosporus erlebt zurzeit den stürmischsten Immobilienboom ihrer Geschichte. Neben Bauträgern aus der Türkei und den Emiraten sind auch institutionelle Immobilieninvestoren aus Europa mit dabei: die niederländische Corio beispielsweise, die österreichische Meinl European Land, die britische Aerium sowie Fonds der deutschen Commerz Grundbesitz Gruppe (CGG) und der Union Investment Real Estate (UIRE).

Impulse bekommt der türkische Immobilienmarkt vor allem durch das starke Wirtschaftswachstum, das seit 2002 im jährlichen Durchschnitt bei mehr als sieben Prozent lag. Allein in diesem Jahr werden in Istanbul über 100 000 Quadratmeter (qm) neue Bürofläche fertiggestellt. Mindestens 15 weitere Großprojekte sollen bis zum Jahr 2010 bezugsfertig werden. Der Bauboom treibt die Grundstückspreise: Im Istanbuler Büroviertel Levent ersteigerte der Immobilieninvestor Zorlu im März ein knapp 97 000 qm großes Grundstück für 800 Mill. Dollar. Damit haben sich die Grundstückspreise in dieser Gegend im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Nach den Vororten auf der europäischen Seite des Bosporus, wo die Flächen bereits knapp werden, erreicht der Bauboom jetzt auch die asiatischen Stadtviertel Ümraniye, Kavacik und Kozyatagi.

Besonders rasant geht es bei den Einkaufszentren voran: Bis Ende nächsten Jahres werden 60 neue Shopping-Malls in Istanbul und anderen türkischen Großstädten fertiggestellt, bis 2020 sollen weitere 300 hinzukommen. Shoppingcenter-Investments seien derzeit besonders attraktiv, meint UIRE-Vorstand Reinhard Kutscher. „Zum einen sind die Anfangsrenditen deutlich höher als in Westeuropa, zum anderen ist die Versorgung mit hochwertigen Flächen im internationalen Vergleich noch sehr gering“, erläutert er. Die steigende Kaufkraft und das Bevölkerungswachstum stimmen den Experten optimistisch.

Die günstige Bevölkerungsstruktur der Türkei, deren Bewohner im Durchschnitt 28 Jahre jung sind, sorgt auch für große Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt. „Die Türkei hat 2007 einen Bedarf von 600 000 neuen Wohnungen“, sagt Hakan Ates, Präsident der Denizbank Financial Services. 2010 dürfte sich der Neubaubedarf nach seinen Berechnungen auf 730 000 und 2015 sogar auf 809 000 Einheiten belaufen.

Starke Wachstumsimpulse erwartet die Wohnungswirtschaft von dem kürzlich verabschiedeten Gesetz zur Wohnungsbaufinanzierung. Während die türkischen Banken 2004 nur rund eine Mrd. Dollar als Wohnungsbaukredite vergaben, werden es in diesem Jahr bereits 16 Mrd. Dollar sein, kalkuliert Hakan Ates. Davon möchten nicht zuletzt internationale Makler profitieren: Coldwell Banker, der älteste US-Immobilienmakler, eröffnete im Mai eine Niederlassung im Istanbuler Stadtteil Esentepe und plant in einer ersten Phase 20 Franchise-Zweigstellen. „Wir wollen der größte Immobilienmakler in der Türkei werden“, sagt Generaldirektor Mehmet Bayramoglu. Auch den Markt für hochwertige Ferienwohnungen und Luxusvillen hat nach Ansicht von Fachleuten großes Potenzial. Allein die in Dubai beheimatete Emaar Properties will in den kommenden fünf Jahren fünf bis zehn Mrd. Dollar in diesem Sektor investieren.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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