Immobilienfonds
Nach der Krise ist vor der Krise

Vor drei Jahren mussten erstmals Immobilienfonds schließen. Jetzt kämpft die Branche wieder - wenn auch aus anderen Gründen.

FRANKFURT. Geschichte wiederholt sich - anders lassen sich die Turbulenzen um die jüngste Schließung der beiden KanAm-Immobilienfonds nicht interpretieren. Denn schon einmal, im Januar 2006, musste der Münchener Vermögensverwalter die Rücknahme von Anteilsscheinen aussetzen. Doch die Auslöser der Liquiditätskrise unterscheiden sich heute komplett von damals. "Die Situation ist eine ganz andere", heißt es in der Branche.

Da ist zum einen der Ursprung. Denn angesichts eines Korruptionsskandals in der Branche sowie hohen Leerständen und eher sinkenden Mieten kamen 2005 immer mehr Investoren zu dem Schluss, dass viele der als "Waisen-und-Witwen-Papiere" angepriesenen Fonds vor Wertberichtigungen stehen. Ergo zogen viele die Reißleine und stiegen aus, bevor der Wert ihrer Anteile sank. Die Folge waren panikartige Verkäufe. Heute sind es hingegen die Erschütterungen der Finanzkrise, die dazu führen, dass vor allem institutionelle Anleger Gelder abziehen.

Damals wie heute offenbart sich eine Besonderheit der offenen Immobilienfonds: Während die Anleger ihre Anteile Tag für Tag in Bargeld tauschen können, ist der Großteil ihrer Mittel in Immobilien investiert. Und diese lassen sich eben nicht über Nacht verkaufen. In der Folge mangelt es an Cash.

Als erste bekommt dies 2005 die Deutsche Bank beziehungsweise deren Immobiliengesellschaft DB Real Estate zu spüren. Ihr sechs Mrd. Euro schwerer Fonds Gundbesitz-Invest verzeichnet an einem Tag alleine Abflüsse von 300 Mio. Euro. Am Ende muss der Fonds schließen - ein in der deutschen Nachkriegsgeschichte bis dato einmaliger Vorgang. Anders als in vorangegangenen Fällen, etwa bei der HVB oder der Dekabank, weigert sich der Branchenprimus über Tage, der Fondstochter mit Liquidität auszuhelfen. Erst nach massiver Schelte von Konkurrenten, Politik und Finanzaufsicht lenkt Bankchef Josef Ackermann schließlich ein.

Zu spät. Von Dezember 2005 bis Mai 2006 ziehen Anleger fast zwölf Mrd. Euro aus dem rund 90 Mrd. Euro schweren Fondssegment ab. Im Januar trifft es dann die KanAm-Produkte Grundinvest und US-Grundinvest. Binnen 24 Stunden werden hier Anteile von mehr als 700 Mio. Euro zurückgegeben. Deshalb bleibt auch KanAm letztlich nichts anderes als die Schließung.

Dabei zeigt sich im Nachhinein, dass Anleger, die in der Krise vor drei Jahren an Bord blieben, die eigentlichen Gewinner waren. Denn die Wertberichtigungen beim Grundbesitz-Invest fielen beispielsweise mit gut zwei Prozent am Ende sehr gering aus. Der Fonds verkaufte zahlreiche Objekte mit einem Buchgewinn von 200 Mio. Euro. Den Anlegern winkte deshalb zeitweise eine Performance von 15 Prozent. Auch der KanAm-Grundinvest-Fonds wies nach der Wiedereröffnung eine überdurchschnittliche Rendite aus. Offen ist, ob sich dieser Erfolg wiederholen lässt.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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