Immobiliengesellschaft
Börsengang in der Schweiz geplatzt

Die Immobiliengesellschaft Ledermann hat ihren Börsengang im letzten Moment abgeblasen. Firmenchef Michael Müller gibt zu, die Nachfrage läge unter den Erwartungen. Es wollten nicht genügend Anleger zugreifen.
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ZürichErstmals seit über zehn Jahren hat eine Firma einen Börsengang in der Schweiz im letzten Moment abgeblasen. Die Immobiliengesellschaft Ledermann teilte am Dienstagmorgen mit, dass das für denselben Tag geplante Listing abgesagt werde. „Die Nachfrage lag unter den Erwartungen“, sagte Firmenchef Michael Müller zu Reuters. Die Immobilienfirma hatte auf einen Erlös von bis zu 130 Millionen Franken erhofft. Zu einem Preis von 89 bis 103 Franken je Aktie wollten aber nicht genügend Anleger zugreifen. Müller erklärte, eine Senkung der Preisspanne sei nicht infrage gekommen. Ledermann sei nicht auf die Mittel angewiesen, der Wachstumskurs werde fortgesetzt, wenn auch in gemächlicherem Tempo als geplant. Müller wollte sich nicht festlegen, ob Ledermann zu einem späteren Zeitpunkt einen zweiten Anlauf wagt.

Ein Investmentbanker erklärte, die Ledermann-Aktien seien angesichts der beschränkten Wachstumsaussichten und der im Vergleich zu den Wettbewerbern niedrigen Dividendenrendite teuer gewesen. Ein anderer wies darauf hin, dass die meisten Häuser der Gesellschaft in einem einzigen Zürcher Quartier stehen, in dem die Mieten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. "Der Immobilienboom ist auf dem Höhepunkt oder hat ihn schon überschritten", begründete ein Anlageberater das geringe Interesse seiner Kunden an einer Zeichnung der Titel. Der starke Immobilien-Preisanstieg in den wirtschaftsstarken Gegenden wie Zürich oder der Region am Genfer See hat auch die Schweizerische Notenbank auf den Plan gerufen, die vor einer möglichen Blase warnt.

Der gescheiterte Börsengang von Ledermann ist auch eine Schlappe für die mit der Transaktion betraute UBS. Aufgabe der Bank ist es, ein Preisband zu ermitteln, bei dem die Titel bei Anlegern platziert werden können.

Der Schweizer IPO-Markt kommt nicht auf Touren. Die letzte Firma, die den Sprung an die Börse schaffte, war das Derivatehaus EFG Financial Products im Oktober 2012. Das Umfeld für Börsengänge ist im Moment nicht einfach. Der Budget-Streit in den USA dämpft den Risiko-Appetit der Anleger. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass andere Unternehmen an ihren Börsenplänen festhalten. Vergangene Woche hatte General Electric angekündigt, seine Schweizer Bankentochter GE Money Bank (GEMB) bis zum Jahresende an die Börse zu bringen. Insider schätzen den Emissionserlös für die im Konsumkreditgeschäft tätige Bank, die in Cembra Money Bank umbenannt werden soll, auf bis zu 900 Millionen Franken. "Ledermann wird keinen Einfluss auf andere geplante IPOs in der Schweiz haben", erklärte Hanspeter Gehrer, Corporate Finance-Chef der Bank Vontobel. Im kommenden Jahr rechnete er mit einer Belebung im Schweizer IPO-Markt. "2014 dürften rund fünf Firmen an die Schweizer Börse gehen", sagte Gehrer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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