Immobiliengesellschaften locken mit Preisnachlässen
Spanier verramschen Wohnungen

Es gibt wieder Schlangen vor den Büros von Wohnungsverkäufern – wenn die Rabatte hoch genug sind. Die Erfahrung machte gerade Immobilienberater Roan, nachdem er Wohnungen in Madrid und an der Küste zu Preisabschlägen von bis zu 50 Prozent anbot. Ähnlich erging es der börsennotierten Immobiliengesellschaft Metrovacesa, die bis Ende April mit Preisnachlässen bis zu 55 Prozent warb.



MADRID. „Wenn die Preise zwischen 30 und 50 Prozent runtergehen, tauchen auch die Käufer wieder auf“, sagt Fernando Encinar vom Immobilienportal idealista.com.



Doch der Ausverkauf des einen oder anderen Wohnungsentwicklers kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt am Boden liegt. Die jüngsten Zahlen des Nationalen Statistikinstituts INE weisen für Februar 37 Prozent weniger Hypotheken für Wohnungen als im gleichen Vorjahreszeitraum aus. Die zugesagten Baudarlehen waren sogar nur noch halb so hoch. Parallel sank die Zahl der verkauften Wohnungen um 37,5 Prozent.

Die Wohnungspreise hingegen gingen laut Wohnungsbauministerium im ersten Quartal um knapp sieben Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurück. Ein Quartal zuvor hatte das Ministerium noch 3,2 Prozent höhere Preise festgestellt. Die Zahlen des Ministeriums liegen hinter der Realität zurück. Der größte spanische Immobilienbewerter Tinsa beziffert den Preisverfall im Februar mit neun Prozent, im März mit knapp zehn Prozent. Damit erreicht der Markt ein Preisniveau wie im März 2006. Nach Meinung von Pedro Pérez, Präsident des Verbands der 14 größten spanischen Immobilienfirmen, seien die Preise seit 2007 gar schon um 20 bis 30 Prozent gesunken.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass der Tiefpunkt noch nicht erreicht ist. „Der spanische Immobilienmarkt hat, wie auch der irische noch einen weiten Weg vor sich“, schrieb der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Jahresbericht. Dem IWF zufolge werden die Preise noch bis „mindestens 2010“ um etwa 15 Prozent fallen und haben seit Beginn der Krise bereits um 15 Prozent nachgelassen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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