Immobilienhochburgen
Anwaltskanzleien zahlen Spitzenmieten

Die Zeiten sind gut für große Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfer in Deutschland: Der Markt für Fusionen und Übernahmen (M & A) - eines ihrer typischen Geschäftsfelder - floriert. Strengere Bilanzierungsvorschriften und weit reichende Sanierungsvorhaben hiesiger Unternehmen erhöhen zusätzlich den Beratungsbedarf bei der Kundschaft.

KÖLN Entsprechend expansiv zeigen sich Wirtschaftsanwälte und Prüfungsgesellschaften: Allein die fünf größten deutschen Wirtschaftsprüfer - KPMG, Pricewaterhouse Coopers, Ernst & Young, Deloitte & Touche und BDO - wollen in diesem Jahr rund 3 500 Mitarbeiter neu einstellen. Im Schlepptau der auf dem deutschen M & A-Markt aktiven internationalen Investoren etablieren sich zudem mehr und mehr ausländische Anwaltssozietäten in den deutschen Wirtschaftszentren.

Für die zuletzt arg gebeutelten einheimischen Büroimmobilieneigner ist der Aufschwung der Beraterbranche ein Segen. "Wirtschaftsanwälte sind bereits in den vergangenen Jahren zu einer sehr wichtigen Nachfragergruppe geworden", sagt Oliver Obert, Leiter der Abteilung Bürovermietung beim internationalen Immobilienberater Jones Lang Lasalle (JLL) in Frankfurt. "Sie prägen derzeit den hiesigen Markt." Renate Kölbel, Geschäftsführerin von Colliers Property Partners in Düsseldorf, bestätigt den Befund des Frankfurter Kollegen: "In den beiden vergangenen Jahren haben Anwaltssozietäten in erheblichem Maße Flächen nachgefragt." So war die britische Kanzlei Bird & Bird - ein echter Neuzugang in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt - erster Mieter im "Galileo", der restrukturierten ehemaligen Hauptverwaltung der IKB Bank. Gleich gegenüber, im Hochhaus "GAP 15", benannt nach dem Graf-Adolf-Platz, residiert nicht nur Hauptmieter Ernst & Young, auch White & Case sicherten sich hier 3 000 (qm) Quadratmeter Fläche, und in Kürze wird Kebekus & Zimmermann seinen Düsseldorfer Sitz hierher verlegen. Clifford Chance schließlich, nach Freshfields Bruckhaus Deringer die Wirtschaftskanzlei mit dem zweithöchsten Umsatz in Deutschland, zog von der Cäcilien- auf die Königsallee.

Dabei erweisen sich Anwälte, zumal international aufgestellte Wirtschaftskanzleien, auch heute nicht als Pfennigfuchser, wenn es um die Anmietung repräsentativer Büroflächen geht: "Kanzleien mieten in Top-Lagen zu Top-Konditionen", beobachtet Renate Kölbel. Carsten Ape, für Bürovermietungen zuständiger Geschäftsführer der Frankfurter Niederlassung des Immobilienberaters CB Richard Ellis (CBRE), ergänzt: "Es sind häufig Anwalts-kanzleien, die Spitzenmietpreise zahlen."

Doch seien auch Beratungsunternehmen durchaus "wirtschaftlich orientiert", betont Robert Menke Leiter Bürovermietung in der Frankfurter Dependance von Cushman & Wakefield Healey & Baker (CWHB): "Man zahlt auf keinen Fall mehr als am Markt üblich ist", stelle aber hohe Ansprüche an Lage, Objekt und Ausstattung - und das habe seinen Preis.

Beliebt, so die Berater unisono, seien Neubauten, am besten Hochhäuser. Ob GAP 15 in Düsseldorf oder "Skyper" in Frankfurt, der Blick von oben passt offenbar zum Selbstverständnis der Beraterbranche. Vor allem für den Frankfurter Büroturm, ein Objekt im Besitz der Dekabank, erwies sich die Vorliebe der internationalen Wirtschaftsadvokaten für hohe Häuser als Glücksfall. Fünf Anwaltskanzleien unterzeichneten dort im vergangenen Jahr Mietverträge: Weil Gotshal & Mangers, Sidley Austin, Dewey Ballantine, Bird & Bird sowie Heimann & Partner. Insgesamt belegen sie etwa 9 000 von insgesamt 40 000 qm Fläche, Optionsflächen für den Fall weiterer Expansion nicht mitgerechnet. Dafür zahlen sie Spitzenmieten von 32 Euro/qm und mehr - angesichts eines stadtweiten Leerstands von 500 000 qm allein in modern ausgestatteten, neu errichteten Bürogebäuden in guten Lagen ein echter Erfolg. "Junge Kanzleien oder solche, die gerade erst in Deutschland Fuß fassen, wollen in Bestlagen - und davon gibt es nicht sehr viele", erklärt JLL-Berater Oliver Obert die Präferenz für Büros im Skyper.

Große, bereits etablierte Namen indes - etwa Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance, Linkla-ters Oppenhoff & Rädler oder Hen-geler Mueller - teilen sich kein Haus mit der Konkurrenz. "Solche Anwälte gehen nicht dorthin, wo schon ein Wettbewerber gemietet hat", sagt Renate Kölbel von Colliers Property Partners. Entsprechende Konkurrenzschutzklauseln in Mietverträgen sichern die Exklusivität - und das lassen sich Vermieter mit Spitzenpreisen honorieren. "Allerdings muss dann auch vergleichsweise viel Fläche angemietet werden", erläutert CBRE-Berater Carsten Ape. Wer im 50 000 qm großen Objekt gerade einmal 4 000 qm Fläche miete, könne keine oder nur eine eingeschränkte Exklusivität erwarten: "Eine mögliche Variante ist es, einen kleineren Kreis direkter Wettbewerber als Mieter auszuschließen", sagt Ape. Eine Kröte, die die meisten Vermieter gern schlucken dürften. Denn anders etwa als IT-Unternehmen, die heutzutage nur noch Drei-Jahres-Mietverträge unterzeichnen, mieten Anwälte langfristig: mindestens für fünf Jahre plus Option auf Verlängerung um noch einmal so viel Zeit. Hengeler Mueller unterschrieb im Frankfurter Büroturm "Westend-Duo" gar für 15 Jahre - was Renate Kölbels Urteil bestätigen dürfte: "Wirtschaftskanzleien sind ideale Büromieter."

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