Immobilienhochburgen haben die Krise nach Experteneinschätzung noch nicht überwunden
Leerstand auf dem Büromarkt steigt trotz Geschäftsbelebung

Deutschlands Immobilienmakler haben im ersten Halbjahr 2005 deutlich mehr Büroraum vermittelt als in der gleichen Vorperiode. Wie schon ein, zwei Quartale zuvor macht in der Branche die Einschätzung die Runde, dass das Schlimmste nun vorüber ist, weil sich der Markt belebt hat. Konjunkturprognosen sprechen allerdings dafür, dass der Büromarkt die Talsohle nicht so schnell verlassen wird.

HB DÜSSELDORF. „Der Markt wird keineswegs durchstarten“, stellt Hartmut Bulwien, Vorstand der auf Immobilienmarktanalysen spezialisierten Bulwien-Gesa AG in München, fest.

Als Barometer für den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt dient das Geschehen in den Büroimmobilienhochburgen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/M. Hamburg und München. Allein in diesen fünf Städten stehen Mietern rund gut 60 Mill. Quadratmeter (qm) Büroraum zur Verfügung. Die gesamte deutsche Bürofläche schätzt Bulwien-Gesa auf etwa 335 Mill. qm.

Wenn der Leerstand in Deutschland sinken soll, müssen die Wirtschaft und Beschäftigung zulegen. Mehr Beschäftigte brauchen mehr Arbeitsraum, lautet die einfache Formel – die allerdings nicht berücksichtigt, dass Firmen versuchen, den Flächenverbrauch je Mitarbeiter zu senken, indem sie flexiblere Objekte anmieten. Etwa zwei Prozent Wachstum seien nötig, um überhaupt zusätzliche Beschäftigung zu erzielen, sagt Marktexperte Bulwien. Davon ist Deutschland weit entfernt. Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator signalisiert nur 0,5 Prozent Wachstum für 2005. Zudem sieht die Europäische Zentralbank Wachstumsrisiken aufgrund des hohen Ölpreises. Und schließlich attestieren viele Fachleute Deutschland eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit, die auch bei besserem Wirtschaftswachstum nicht verschwindet.

Karin Behring, auf den Immobilienmarkt spezialisierte Analystin des Ifo-Instituts bringt es auf den Punkt: „Zurzeit sehe ich kein Anspringen der Konjunktur.“ Aus ihrer Sicht wird auch ein Regierungswechsel dem Immobilienmarkt so schnell nicht auf die Sprünge helfen. Die von Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) angekündigte Mehrwertsteuererhöhung belaste den Binnenkonsum, weil die Menschen weniger kaufen könnten. Die von Merkel angestrebte Senkung der Arbeitskosten hätte zwar einen für den Konsum positiven gegenläufigen Effekt. Doch Behring zweifelt, dass die Arbeitskosten sofort sinken werden. Wenn der Aufschwung kommt, dann mit einer Zeitverzögerung. „Erst wenn die Unternehmen der neuen Lage trauen, werden sie mehr Arbeitsplätze schaffen, was sich positiv auf die Nachfrage nach Büroraum auswirken würde.“

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