Immobilienkonzern
Verkauf soll Schulden der Gagfah drücken

Der Immobilienkonzern Gagfah steht in Gesprächen über einen milliardenschweren Wohnungsverkauf. Die Tochter Woba in Dresden mit rund 35.000 Wohnungen steht zum Verkauf. Denn die Gagfah braucht dringend Geld, um schulden abzubauen.
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FrankfurtDer um seine Refinanzierung ringende Immobilienkonzern Gagfah prüft Finanzkreisen zufolge einen Verkauf seines Wohnungsbestandes in Dresden. Die rund 35.000 Wohnungen der ehemals kommunalen Gesellschaft Woba machten etwa ein Viertel des gesamten Portfolios aus und stünden mit rund 1,8 Milliarden Euro in den Büchern der Gagfah, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten. Die Investmentbank Leonardo sei beauftragt worden, Käufer dafür zu suchen. Infrage kämen eher strategische Interessenten als Finanzinvestoren. Es gebe aber noch keine konkreten Gespräche. „Der Prozess steht noch ganz am Anfang“, sagte ein anderer Insider. Eine Gagfah-Sprecherin sagte: „Wir bewirtschaften, kaufen und verkaufen Wohnungen, das ist ein ganz normales Business. Verkauf ist immer und überall eine Option“.

Anleger nahmen die Nachrichten als Anlass zum Verkauf. Die Gagfah-Aktie büßte im frühen Handel fast vier Prozent auf 6,81 Euro ein und war damit einer der größten Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

Über die Verkaufspläne hatte zuvor die „Financial Times Deutschland“ berichtet. Gagfah hatte die Woba Dresden 2006 gekauft, unter der Auflage, dass diese ihren Bestand von 35.000 Wohneinheiten bis 2016 nicht unterschreitet. Dabei handelt es sich überwiegend um einfache, aber gut vermietete Plattenbauten in der sächsischen Landeshauptstadt. Mit der Privatisierung des Wohnungsbestandes konnte sich die Stadt damals auf einen Schlag entschulden. Zuletzt machten aber nur negative Schlagzeilen über den Bestand die Runde: Die Stadt hatte die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehörende Gagfah auf eine milliardenschwere Vertragsstrafe verklagt, weil das Unternehmen gegen Mieterschutzklauseln verstoßen haben soll. Der Rechtsstreit ist inzwischen beigelegt. Gagfah kam mit einem Vergleich und der Zahlung von 40 Millionen Euro davon.

Doch der monatelange Rechtsstreit belastete die Gespräche mit den Banken über die Refinanzierung. Insgesamt muss Gagfah in den nächsten Monaten rund 3,2 Milliarden Euro an Schulden verlängern. Eines der beiden 2013 fälligen Darlehen entfällt auf die Woba. In der Branche wird der angelaufene Woba-Prozess zwar nicht als Notverkauf eingeordnet. Doch das ungelöste Refinanzierungsthema dürfte den Preis drücken. „Realistisch sind eher 1,5 statt 1,8 Milliarden Euro“, sagte ein Branchenkenner, der das Portfolio sehr gut kennt. Damit bliebe für die Gagfah am Ende kaum etwas übrig.

Branchenkreisen zufolge dürfte sich die expansionshungrige Gagfah-Rivalin Deutsche Wohnen das Portfolio ebenso anschauen wie Pensionskassen und Versicherer, die sich zunehmend als Co-Investoren im Immobilienbereich engagieren. Dass in Dresden ein neuer Private-Equity-Investor zum Zuge kommt, gilt eher als unwahrscheinlich: Der Verkäufer muss eine nach dem Rechtsstreit verschärfte Sozialcharta mittragen, das Renditepotential ist begrenzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Julian Mertens
Julian Mertens
Handelsblatt Live / Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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