Immobilienkrise
Die Krise erreicht Canary Wharf

Die Lage auf dem britischen Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien ist düster. Mit der Nachfrage fallen auch die Immobilienpreise - und längst bleibt auch Londons Finanzdistrikt Canary Wharf nicht. Projektentwickler Songbird gerät dadurch in ernste Schwierigkeiten.

LONDON. Die britische Immobilienkrise hat jetzt auch das Herz des Londoner Finanzzentrums erfasst. Der Immobilienentwickler Songbird, dem mehr als die Hälfte der Gebäude im neuen Londoner Banken-Viertel Canary Wharf gehört, ist in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Gestern meldete das börsennotierte Konsortium für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust vor Steuern von 1,8 Mrd. Pfund, der die Investoren schockierte. In der Folge brach die Aktie von Songbird um rund 25 Prozent ein. Im Vorjahr hatte das Konsortium noch einen stattlichen Gewinn von 182 Mio. Pfund erzielt. Songbird hat den Großteil seiner Bankentürme in Canary Wharf im Jahr 2004 für einen Preis von insgesamt 1,7 Mrd. Pfund in bar erworben.

Canary Wharf, der riesige Bürokomplex in den ehemaligen Docklands weit im Londoner Osten, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich wurde das Großprojekt von der kanadischen Firma Olympia & York entwickelt, die Ende der 80er Jahre mit dem Bau begann. Doch kaum war die erste Bauphase 1992 abgeschlossen, geriet London in den Sog einer weltweiten Immobilienkrise. Die Nachfrage nach Büroraum brach ein und Olympia & York ging bankrott. Canary Wharf wurde damals zum Symbol der großen Immobilienkrise.

Doch inzwischen hat sich das Gebiet im einstigen Londoner Hafengebiet zum zweiten Bankenzentrum an der Themse – neben der Quadratmeile der City im Herzen von London – gemausert. Zu den Unternehmen, die sich in den ehemaligen Docklands niedergelassen haben, gehören führende Finanzkonzerne wie Credit Suisse, HSBC, Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America und Barclays Bank. Auch bedeutende Medienunternehmen haben hier ihren Hauptsitz, darunter die Zeitungen Daily Telegraph, The Independent, Daily Mirror und die Nachrichtenagentur Thompson-Reuters

Wie quasi die gesamte Konkurrenz so leidet auch Songbird unter der düsteren Lage auf dem britischen Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien. Mit Beginn der Finanzkrise setzte seit Mitte 2007 ein rapider Preisverfall von mehr als 35 Prozent ein, der die Wertsteigerungen eines ganzen Jahrzehnts ausgelöscht hat. 27 Prozent betrug das Minus allein im vergangenen Jahr. Damit ist der IPD-Wertindex für Bürogebäude etwa auf den Stand von 1998 zurückgefallen, und das laufende Jahr werde weitere Verluste bringen, sagen Analysten übereinstimmend voraus.

Auch der Wert der Songbird-Immobilien ist 2008 um insgesamt 27 Prozent auf fünf Mrd. Pfund eingebrochen. In der Folge sackte der Nettowert pro Aktie um 77 Prozent ab. Außerdem räumte das Unternehmen ein, die Bedingungen, die an die Bankkredite geknüpft sind, in den kommenden zwölf Monaten womöglich nicht wie in der Vergangenheit voll erfüllen zu können.

Seite 1:

Die Krise erreicht Canary Wharf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%