Immobilienkrise
Die verwahrlosten Häuser der Banken

Vor sich hin rottende Immobilien, wuchernde Grünanlagen - Amerikas Banken horten überschuldete Immobilien und lassen sie verkommen. Nicht so in der kalifornischen Kleinstadt Indio, in der ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz die Kreditinstitute dazu verpflichtet, sich um die in ihren Besitz gefallenen Immobilien zu kümmern.

INDIO. Das Haus Nummer 79760 am Eagle Bend Court in der kalifornischen Kleinstadt Indio macht einen verwahrlosten Eindruck: Der Garten ist ungepflegt, der Rasen vertrocknet und der Swimmingpool von grünen Algen bedeckt. Ein solcher Anblick ärgert in der Regel nur die Nachbarn, ohne dass sie viel dagegen unternehmen können. Nicht so in Indio. Die Stadt drohte dem Eigentümer des Hauses, der Citigroup, mit einer Geldstrafe und den Verantwortlichen sogar mit Haft, falls das Anwesen nicht umgehend in Ordnung gebracht würde. Möglich machte das ein im März vergangenen Jahres von den Stadträten verabschiedetes Gesetz. Danach sind Kreditinstitute verpflichtet, die Häuser zahlungsunfähiger Darlehensnehmer instand zu halten, die in ihren Besitz gefallen sind.

Bei einem Verstoß kann die örtliche Justiz nicht nur Geldstrafen bis zu 25 000 Dollar verhängen. In letzter Konsequenz drohen sogar Haftstrafen. Indios Behörden achten strikt auf die Einhaltung des Gesetzes, um die landesweit tätigen Kreditinstitute dazu zu zwingen, ihre Verpflichtungen in dem kleinen Wüstenstädtchen ernst zu nehmen. Zeigen sich an einem unter Zwangsversteigerung stehenden Haus Anzeichen von Verwahrlosung, macht Indios Polizeichef Brad Ramos kurzen Prozess. Wenn nötig wendet er sich an den Bankdirektor persönlich und droht ihm: "Wenn Sie nicht kommen und sich um Ihren Besitz kümmern, kommen wir, nehmen Sie fest und stellen Sie in Kalifornien vor Gericht."

Noch vor zehn Jahren war Indio ein kleines, verschlafenes Städtchen, das in erster Linie für den Anbau von Datteln bekannt war. Doch dann erreichte der Immobilienboom das rund 100 Meilen östlich von Los Angeles liegende Coachella Valley. Nach und nach wichen die Dattel-Farmen in Indio Neubausiedlungen. Allein seit dem Jahr 2000 wuchs die Bevölkerung des Städtchens von 49 000 auf 81 000 Einwohner. Er habe seit langem mit Sorge beobachtet, wie ein Feld nach dem anderen zu Bauland wurde, sagt Ramos. Viele langjährige Einwohner hätten befürchtet, dass der Bauboom nicht anhalten würde. Als die Immobilienblase dann tatsächlich platzte, traf das Indio besonders hart. Jedes zehnte Haus gehört inzwischen den Banken.

Doch die Zentralen der großen Kreditinstitute sind weit weg. Das Interesse, die Häuser in Schuss zu halten war deshalb in der Vergangenheit gering - zum großen Ärger der Einwohner. Sie werfen den Banken vor, das Tal vergammeln zu lassen. Der Bürgermeister von Indio, Gene Gilbert, befürchtet, dass der Immobilienmarkt in der Stadt wegen der großen Zahl heruntergekommener Häuser noch lange über die allgemeine Rezession hinaus leiden wird.

Doch seit Vergehen wie ein algenverschmutzter Pool als Verbrechen verfolgt werden können, hat das kleine Indio ein Druckmittel, die Kreditinstitute zum Handeln zu zwingen. "Die Banken, Milliarden schwere Unternehmen, sind weit weg. Die würden uns ja sonst einfach ignorieren", sagt Polizeichef Ramos. Deshalb hat sich Indios Polizei nun gerüstet, um die Übeltäter gnadenlos zu verfolgen. Mit wöchentlichen Patrouillen in Neubaugebieten machen die Beamten Jagd auf ungepflegte Gärten und schiefe Zäune.

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