Immobilienkrise international
Warten auf die Wende

Die weltweite Immobilienkrise hat die USA, Großbritannien und Spanien besonders hart getroffen. Der Abschwung kam fast gleichzeitig, der Aufschwung indes vollzieht sich in den drei Ländern in deutlich unterschiedlichem Tempo.
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NEW YORK/MADRID/LONDON. Am schnellsten nähert sich die tiefe Krise am britischen Markt für Gewerbeimmobilien ihrem Ende. Nach zwei Jahren des Abschwungs sieht der Londoner Immobilienberater Savills die Talsohle erreicht. Nach einem Wertverfall von bis zu 40 Prozent in den besten Londoner Bürolagen habe sich die Lage stabilisiert. Die Renditen hätten sich gefestigt, der durchschnittliche Kapitalwertrückgang schwäche sich ab, heißt es.

Inzwischen interessierten sich wieder eine Reihe internationaler Investoren für den Einstieg. Zuletzt erwarb der US-Finanzinvestor Blackstone einen Anteil von 50 Prozent am Londoner Bürokomplex Broadgate von British Land. Der größte Gebäudekomplex in der Londoner City wird mit 2,1 Mrd. Pfund bewertet. Dennoch ist es für eine Entwarnung noch zu früh. Anleger planen zwar, ihr Engagement auf dem britischen Gewerbeimmobilienmarkt zu verstärken, ergab ein Bericht der Immobiliengesellschaft Hotbed, gesucht sind aber fast ausschließlich Spitzenobjekte ohne Leerstände und mit langfristigen Mietverträgen. Für alle anderen Objekte sieht Berater Savills noch kein Ende des Preisverfalls.

Auch auf privaten Häusermarkt gibt es erste Hoffnungssignale. Im zweiten Quartal stiegen die Preise um 2,3 Prozent, das größte Plus seit September 2007. Allerdings könnte sich die Erholung als Strohfeuer erweisen, denn die Preise werden das geringe Angebot auf dem Markt verzerrt, warnt der Think Tank Ernst & Young Item Club. Die Fachleute gehen davon aus, dass die britischen Häuserpreise frühestens in fünf Jahren wieder ihre Höchststände von 2007 erreichen werden, Makler Jones Lang Lasalle erwartet, dass die Hauspreise im kommenden Jahr noch um elf Prozent nachgeben werden.

Trotz aller hoffnungsvollen Zeichen ist auch der Immobilienmarkt in den USA noch weit von einer Erholung entfernt. Während Experten bei privaten Wohnhäusern eine Stabilisierung erwarten, rechnen sie bei Gewerbeimmobilien mit weiter fallenden Preisen und Mieten. „Die echten Schmerzen stehen dem Markt für Bürogebäude, Einkaufszentren und Wohnanlagen noch bevor“, sagte Paul Doocy, Leiter des Investmentteams beim Immobilienverwalter Real Estate Capital Partners. Da wegen der herrschenden Kreditklemme praktisch kein Fremdkapital zur Verfügung stehe, gerieten immer mehr Immobilieninvestoren, deren Kredite ausliefen, in Probleme.

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