Immobilienkrise
Londons feine Lagen in Not

Der feine Londoner Stadtteil Mayfair steht für Zurückhaltung und dezenten Reichtum. Mittlerweile wütet aber auch dort die Immobilienkrise. Experten sind sich einig, dass die exorbitanten Mietpreise im edlen Westend der britischen Hauptstadt durch die Finanzkrise wieder auf ein realistisches Maß zurückgestutzt werden.

LONDON. Die Londoner Postleitzahl W1 zählt zu den prestigeträchtigsten der ganzen Welt und bereits die Anschrift ist ein Statement: Mayfair steht für Zurückhaltung und dezenten Reichtum. Nur die blankgeputzten Messingschilder an den Eingangstüren der schmucken Stadthäuschen aus leuchtend rotem Ziegelstein in der Curzon Street, der Jermyn Street oder am St. James?s Square weisen darauf hin, dass hier aggressive Investoren mit Milliarden jonglieren. Mayfair ist das Londoner Mekka der Hedge-Fonds.

Rund 900 der spekulativen Fonds tummeln sich in der britischen Hauptstadt, und wer etwas auf sich hält, der lässt sich in Mayfair oder dem benachbarten St. James nieder. Seit 2002 hat sich der Marktanteil Londons am Geschäft mit Hedge-Fonds auf mehr als 20 Prozent verdoppelt. Doch der Boom ist zu Ende, die einst so erfolgreichen Fonds machen im Schnitt seit Jahresbeginn Verluste im zweistelligen Prozentbereich, und weil die Anleger immer mehr Kapital abziehen, sind Notverkäufe und Fondsschließungen inzwischen an der Tagesordnung. Und damit hat die inzwischen fast schon chronische britische Immobilienkrise auch das vornehme Mayfair erreicht.

Erstmals seit 2005 verzeichneten die Edeladressen im Herzen des Londoner Westends fallende Büromieten. In den neun Monaten bis Ende September wurden für neue oder renovierte Büroflächen auf diesem teuersten Pflaster der Welt 1 157 Pfund (1 376 Euro) pro Quadratmeter Jahresmiete gezahlt - ein Rückgang von 6,5 Prozent, wie eine Studie des Immobilienberaters Jones Lang Lasalle (JLL) belegt. Damit dürfte das Bild noch beschönigt sein, denn das Unternehmen schätzt, dass die tatsächlichen Netto-Mieten bei 1 033 Pfund pro Quadratmeter lagen, wenn man Konzessionen wie die Gewährung mietfreier Zeiten berücksichtigt.

"Die Finanzkrise wird die Mietpreise auf ein realistischeres Maß zurückbringen", sagt Lauren Buck, Investment-Chefin des Immobilienunternehmens Grosvenor Group in London. Schließlich seien es auch die Finanzdienstleister gewesen, die die Mieten auf die jetzigen Höhen getrieben hatten. 2007 war die Permal Group, eine Tochter des US-Fonds Legg Mason noch bereit, für das Obergeschoss in einem Gebäude am St. James's Square den Rekordmietpreis von 1 507 Pfund pro Quadratmeter zu zahlen.

Derartige Mietpreise lassen sich in naher Zukunft wohl nicht mehr erzielen, zumal sich der Preisrückgang im dritten Quartal beschleunigt hat. Nach Angaben des Marktforschers Investment Property Databank (IPD) sanken die Mieten im dritten Quartal auf Jahresbasis um 5,3 Prozent, nach einem Minus von 0,2 Prozent ein Quartal zuvor. Aber nicht nur in Mayfair und St. James fallen die Mieten, auch andere Vorzeigeadressen leiden unter der Immobilienkrise auf der Insel.

Seit im vergangenen Jahr die Blase platzte, sind die Hauspreise in Großbritannien um 15 Prozent gefallen, und die Experten von Capital Economics prognostizieren bis Ende 2009 einen weiteren Wertverlust 35 Prozent. Von der Misere ist auch der Stadtteil Belgravia betroffen, Heimat vieler Botschaften und Konsulate. Hier verlor eine der mit weißen Säulen geschmückten Villen im Oktober pro Tag 5 000 Pfund an Wert, das größte Minus seit 1976. Selbst Zwangsversteigerungen sind keine Seltenheit mehr. Im September übernahmen die Banken die Villa des Finanziers Robert Bonnier. Mit elf Mio. Pfund Kaufpreis war es das teuerste Haus, das je in Großbritannien gepfändet wurde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%