Immobilienkrise
Mein Haus gegen dein Haus

Die Immobilienkrise in den USA zieht immer weitere Kreise, Hausbesitzer entdecken den Häusertausch. Im Internet informieren sich verkaufswillige Parteien über potentielle Tauschpartner und drängen Immobilienfirmen in die Defensive. Experten sind überrascht: Ein derartiges Phämomen in Zeiten eines Marktabschwunges haben sie noch nicht erlebt.

WSJ. Sie wollten näher bei ihren Enkelkindern in Tennessee wohnen. So beschloss das Rentner-Ehepaar Allen und Wilma Sawtelle aus Pahrump im Süden Nevadas, ihr Haus zu verkaufen. Das war im August. Aber es tat sich nichts. „Der Markt ist regelrecht tot“, sagt Wilma Sawtelle. Ihr Haus habe sich lediglich ein Mann angeschaut – „und der hatte getrunken“.

Allen Sawtelle schaute im Internet nach Tipps für Hausverkäufer. Da entdeckte der 71-Jährige, der früher als Ermittler für eine Rechtsanwaltskanzlei gearbeitet hatte, dass Leidensgenossen dort eine neue Taktik probierten: Sie suchten nach anderen Hausbesitzern, die bereit waren, ihre Immobilien zu tauschen, also sich die Häuser gegenseitig abzukaufen. Die Sawtelles fanden schließlich auch ein Paar, das nach Nevada ziehen wollte, dessen Haus zum Verkauf stand und nicht zu weit von den Enkelkindern entfernt war.

Das Konzept des Häusertauschs gibt es schon lange, allerdings beschränkten sich die Deals bislang auf die Ferien. Nun kommt es auf dem Immobilienmarkt zum Tragen, vor allem im sogenannten Sonnengürtel im Süden der USA. Experten können sich nicht daran erinnern, dieses Phänomen in einem Marktabschwung beobachtet zu haben. Allerdings gab es vor einigen Jahrzehnten auch noch nicht die erforderliche Informationstechnik und das Internet, das die vielzähligen Kriterien beider Parteien zusammenbringt.

Nicht jeder ist für dieses Geschäft geeignet. Die Tauschpartner müssen kompromissbereit sein, von ihrem Traumhaus oder der gewünschten Lage Abstriche machen. Die Suche nach einem Tauschpartner gleicht in vieler Hinsicht der Suche nach einem Lebenspartner über Kontaktanzeigen. Bevor Allen Sawtelle Erfolg hatte, musste er sich mit sechs ungeeigneten Tauschangeboten beschäftigen, darunter eines mit 450 Hektar Land – in Costa Rica.

Fachleute halten eine Reihe von Ratschlägen parat: So sollten die Hypothekenschulden den Wert des Hauses nicht übersteigen. Sonst gibt es Probleme bei der Finanzierung. Zudem lauern in der Transaktion selbst Tücken. Der Internetvermittler OnlineHouseTrading.com empfiehlt, einen gemeinsamen Notar einzuschalten, der das gesamte Geschäft erst dann abschließt, wenn alle unterzeichnet haben. Daniel Westbrook, der Mitgründer der Firma sagt: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du jemand das Haus abkaufst und dieser kauft dein Haus nicht.“ Deshalb gehen die Geschäfte üblicherweise gleichzeitig über die Bühne, um zu verhindern, dass eine Partei über den Tisch gezogen wird. Bahnen beide Tauschpartner das Geschäft online an, so können sie auch die Maklerprovision sparen, in der Regel vier bis sieben Prozent des Kaufpreises. Sind beide Häuser unterschiedlich viel wert, zahlt eine Partei zum Ausgleich Bargeld oder übernimmt Schulden.

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