Immobilienkrise
Spaniens Makler werden erfindungsreich

Spaniens Bauträger und Immobilienfirmen sitzen auf rund einer Million leeren Wohnungen und Häusern, die sie in Boomzeiten kreditfinanziert gebaut haben. Besichtigen allein reicht in Zeiten der Immobilienkrise nicht mehr aus. Um Kunden zu locken, bieten immer mehr Firmen nun einen ganz besonderen Service an: Das Wohnen auf Probe.

MADRID. Es war ein Familienausflug der besonderen Art: An einem Samstag packten Andrés, seine Frau und die beiden kleinen Mädchen Waschzeug, Klamotten und Spielsachen und zogen los zum Probewohnen. In der Vierzimmer-Mansardenwohnung im ruhigen Viertel Guinardo am Nordrand von Barcelona fanden sie Handtücher zum Wechseln, frisch bezogene Betten und einen gefüllten Kühlschrank vor – wie im Hotel, aber gratis. Andrés musste nur eine Kaution hinterlassen, die er nach der Probe zurückerhielt. „Anfangs war ich misstrauisch, ich dachte irgendwo ist ein Haken, aber das war sehr gut gemacht“, erzählt der 37-Jährige.

Genau 36 Stunden durften Andrés und seine Familie Küchengeräte und Badewanne ausprobieren, den Blick von den beiden Terrassen vergleichen, die Nachbarn kennenlernen, den nächsten Supermarkt und den nächsten Spielplatz suchen. Alles gefiel ihnen.

„Warum soll man ein Auto für 8 000 Euro vor dem Kauf ausprobieren können, aber eine Wohnung für 300 000 Euro nicht?“, fragt Tomás Marlí, Chef der kleinen Immobilienfirma Torrent de Juia und Erfinder des Probewohnens. Spaniens Immobilienunternehmen müssen sich heute etwas einfallen lassen, um ihre Behausungen loszuwerden. Der Markt liegt darnieder. Im April wurden in Spanien nur 29 000 Wohnungen verkauft, halb so viel wie im Vorjahreszeitraum, 16 Prozent weniger als im März.

Bauträger und Immobilienfirmen sitzen auf rund einer Million leeren Wohnungen und Häusern, die sie in Boomzeiten kreditfinanziert gebaut haben. Bis sich Angebot und Nachfrage wieder angepasst haben, werden laut einer jüngsten Studie von Standard & Poor’s noch zwei oder drei Jahre vergehen. Doch schon jetzt drohen viele Firmen an den hohen Schulden zu ersticken. Viele bieten ihre Objekte mit Preisabschlägen von 20 bis 30 Prozent an. Doch das reicht nicht, um die wenigen Käufer an eines der vielen Objekte heranzulocken.

Kreative Methoden wie das von „Torrent de Juia“ als Marke registrierte System des Probewohnens mit anschließender Versteigerung sind gefragt. Chef Tomás Marlí gründete die Firma vor sechs Jahren als Bauträger. Doch mit der Krise stoppte er alle Bauprojekte und konzentriert sich seither nur noch auf die Maklertätigkeit.

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