Immobilienkrise
Spanier hoffen auf russische Käufer

Die Immobilienkrise belastet auch den spanischen Markt für Ferienwohnungen. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Preise bis zu 25 Prozent eingebrochen - viele Makler mussten ihr Geschäft dicht machen. Besonders stark vom Preisverfall betroffen sind Immobilien an der Mittelmeerküste.

MADRID. Am Fuße der exklusiven Wohnsiedlung „Altea Hills“ blinken fünf goldene Kirchenspitzen im Sonnenlicht. Auf jeder thront kunstvoll verziert das russisch-orthodoxe Kreuz mit den drei Querbalken. Die imposante Holzkonstruktion in Altea an der Costa Blanca ist die erste orthodoxe Kirche Spaniens. Erbaut wurde sie von einem russischen Bauträger, der das Holz und das Gold, die Mosaiken, Fresken und Fenster eigens aus Russland herbeischaffen ließ. Nur die fünf Glocken in den Türmen sind spanischer Herkunft.

Ende vergangenen Jahres wurde die Kirche eröffnet – gerade rechtzeitig, um in den derzeit schwierigen Zeiten auf dem spanischen Immobilienmarkt ein wichtiger Standortvorteil in Altea zu werden. „Dank der orthodoxen Kirche strömen die Russen in Scharen her“, sagt Abel Micheletti, Inhaber der Immobilienfirma AM Properties in Altea.

So optimistisch wie er sind derzeit wenige Immobilienmakler an der spanischen Küste. Wegen „mangelnder Expertise angesichts eines nun anspruchsvolleren Marktes“ mussten in den vergangenen zwölf Monaten viele Immobilienmakler in den Küstengebieten ihre Türen schließen, berichtet die Maklerfirma Engel & Völkers.

Gerade an der Mittelmeerküste ist der Preisverfall auf dem spanischen Wohnungsmarkt besonders ausgeprägt. Im Juli fielen hier die Preise um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – stärker als in allen anderen Landesteilen. Dabei ist wiederum die Costa Blanca zwischen Alicante und Valencia am stärksten betroffen. Hier gaben die Preise schon im vergangenen Jahr durchschnittlich um etwa 15 Prozent nach, meldet Engel & Völkers. Am deutlichsten ist der Preisrutsch in Orten wie Torrevieja nahe Alicante, der für Massentourismus bekannt sind und wo in den vergangenen Jahren besonders exzessiv gebaut wurde. Hier brachen die Preise 2007 um 25 Prozent ein.

Unverändert gut läuft nach Meinung der verbliebenen Makler dagegen das Geschäft mit First-Class-Ware ab einer halben Mill. Euro. Käufer sind neben wohlhabenden Spaniern und ausländischen Rentnern zunehmend jüngere Menschen unter 40 Jahren, die ihr virtuelles Büro nach Spanien verlegen. „Früher habe ich 90 Prozent der Häuser als Ferienhaus verkauft, heute überwiegend an Leute, die hier ihren Dauerwohnsitz haben wollen“, sagt Paul Peiniger, Inhaber der gleichnamigen Immobilienfirma in Javea an der Costa Blanca. „Daher brauchen die Leute heute eine Zentralheizung, Klimaanlage, größere Räume, bessere Isolierung, wir sind permanent dabei, ältere Häuser entsprechend zu modernisieren oder auch neu zu bauen, aber die Auswahl an exzellenten Grundstücken ist klein.“

Ein Grundstück in erstklassiger Lage, sonnig und mit Meerblick, kostet derzeit in Javea happige 200 Euro pro Quadratmeter. Ein modernisiertes älteres Haus in bester Lage sei dagegen für eine gute halbe Mill. erhältlich, so Peiniger. Spanier machen hier unverändert etwa die Hälfte des Marktes aus, daneben seien seit diesem Jahr auch Käufer aus Deutschland und den Benelux-Ländern aktiv. Briten hingegen, deren Kauflust in den vergangenen Jahren hauptverantwortlich für die explodierenden Preise in den Küstenregionen war, halten sich aufgrund der heimischen Wirtschaftsflaute zurück.

In Altea wurden die britischen Kunden vor allem durch Russen ersetzt. Laut Engels & Völkers bestimmen sie schon 50 Prozent der Nachfrage im Küstenort und investieren durchschnittlich mehr als zwei Mill. Euro für ihr mediterranes Traumhaus. Zwar habe es in der Region schon immer sehr reiche russische Käufer gegeben, doch die brachten den eigenen Maklern mit, erzählt Micheletti. „Jetzt aber kommt die gehobene russische Mittelklasse und schaut sich auf eigene Faust um, mittlerweile haben wir alle russischsprachiges Personal und Webseiten auf russisch.“

Diese neue Klientel ist dafür verantwortlich, dass die Preise für Top-Objekte in Altea fast unverändert geblieben sind, während die Preise im mittleren und unteren Segment schon 2007 um zehn Prozent fielen. Käufer mit schmalerem Budget nämlich haben ein Problem: „Es gibt keine Darlehen“, sagt Micheletti, jedenfalls nicht für Häuser unter 700 000 Euro. „Kredit gibt es nur für Hochpreisiges – doch in diesem Segment brauchen die wenigsten Kunden Geld von der Bank.“

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%