Immobilienmärkte
Institutionelle sehen Aufwärtsspirale

Assekuranzen und Pensionskassen wollen den Preiseinbruch auf den weltweiten Immobilienmärkten in den kommenden Jahren für Zukäufe nutzen. Denn als langfristige Anleger rechnen sich mit einer Erholung der Märkte - und mit guten Renditen ihrer Immobilienportfolios.
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DÜSSELDORF. Institutionelle Investoren sehen ihr Immobilienportfolio gern als Treibanker, der in rauer Börsensee verhindern soll, dass das Schiff zu stark vom Kurs abdriftet. Schließlich, so das Argument, behalte das Betongold aufgrund der kontinuierlichen Mieterträge auch dann seinen Wert, wenn die Kurse von Aktien und Anleihen rapide gen Süden fallen. Doch in der jüngsten Finanzkrise erwies sich diese Theorie als Fehlannahme.

Deutlich zeigen dies die jüngst veröffentlichten Berichte angelsächsischer Pensionskassen. Die Altersvorsorgeeinrichtung der öffentlich Bediensteten Kaliforniens (Calpers), mit 194,7 Mrd. Dollar (139 Mrd. Euro) der größte Rentenversicherer der USA, musste ihr Immobilienportfolio von Anfang Juli 2008 bis Ende Juni dieses Jahres um stattliche 35,8 Prozent abwerten. Bei Calstrs, der 123,8 Mrd. Dollar (88,4 Mrd. Euro) verwaltenden Pensionskasse der Lehrer Kaliforniens, wurden die Betongoldbestände im selben Zeitraum sogar um 43 Prozent auf 13 Mrd. Dollar herabgeschrieben.

Der Appetit auf Immobilieninvestments ist der zweitgrößten US-Pensionskasse dennoch nicht vergangen. Im Gegenteil: "Wir haben jetzt die Chance, sehr günstig hochwertige Immobilien zu erstehen, die hoch verschuldete Investoren abstoßen müssen, weil Banken ihnen keine Refinanzierung stellen", sagt Christopher Ailman, Chef-Investmentstratege von Calstrs.

Auch deutsche institutionelle Investoren wollen sich jetzt verstärkt Betongold ins Portfolio legen. Das zeigt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young Real Estate unter 20 mittelgroßen und großen hiesigen Assekuranzen, die immerhin ein Immobilienvermögen von zusammen knapp 50 Mrd. Euro verwalten. Danach wollen die befragten Gesellschaften die Immobilienquote bei ihrem Gesamtvermögen von derzeit durchschnittlich sechs Prozent zu Jahresbeginn auf 6,3 Prozent Ende Dezember erhöhen.

Eine Aufstockung des Immobilienvermögens erwägt unter anderem die Hannover Rück. Der Rückversicherer hatte Ende 2008 nur ein Prozent seines gesamten Vermögens von 20,1 Mrd. Euro in Immobilien angelegt. "Bis zum Jahresende", sagt Finanzvorstand Roland Vogel, "könnte die Quote auf bis zu fünf Prozent steigen." Die Allianz will ihr Immobilienportfolio von derzeit 17,7 Mrd. Euro in den nächsten vier Jahren auf 30 Mrd. Euro fast verdoppeln. "In der gegenwärtigen Marktsituation tun sich interessante Kaufgelegenheiten auf", sagt Olivier Piani, Vorstand von Allianz Real Estate. Dabei will der Versicherungskonzern den Großteil seiner Immobilienengagements selbst tätigen und verwalten. 24 Mrd. Euro, das entspricht 80 Prozent des künftigen Immobilienportfolios, sollen auf Direktinvestments, lediglich sechs Mrd. Euro auf indirekte Anlagevehikel wie Spezialfonds entfallen.

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