Immobilienmarkt boomt
Italien: Etruskischer Gürtel beliebt

Die mittelitalienische Region Abruzzen und ihre versteckten Schätze sind bisher vor allem Naturliebhabern wohl bekannt. Die zieht es in die drei Nationalparks und zwölf Naturschutzgebiete in den Apenninen. Antonio Bini von der regionalen Fördergesellschaft Invest-Abruzzo will mehr: Er will den Immobilienmarkt ankurbeln und Landhäuser, verlassene Höfe und alte Dorfhäuser aus Naturstein vor dem Verfall bewahren.

Die Verkaufsoffensive verfängt. Als "neues Chiantishire" machen die Abruzzen derzeit in Großbritannien Karriere. Die Deutschen sind schon da. "Die machen weniger Lärm und haben noch sehr günstig gekauft", lobt Maklerin Emilia Carota aus Penne, im Hinterland des Adriahafens Pescara. Die deutschen Abruzzenpioniere sitzen in Appignano bei Teramo, in Montefino. Sie schauen dem jüngsten Ansturm zu. "Die gewaltige Nachfrage hat die Preise seit 2001 vervierfacht", berichtet Carota. Trotzdem sind Immobilien hier noch 30 bis 70 Prozent günstiger als in der Toskana und in Umbrien, den klassischen Traumregionen der Nordlichter. "Für 100.000 bis 150.000 Euro bekommt man in den Abruzzen noch etwas", wirbt Carota.

Der Boom auf Italiens Immobilienmarkt kennt keine Pause. Die Zahl der Eigentümerwechsel schnellte 2004 auf 870.000 - ein Plus von 30 Prozent binnen fünf Jahren. Die Preise kletterten landesweit um 40 Prozent. Dabei hatten die Quadratmeterpreise schon im Jahr 2000 das Niveau in Deutschland überschritten. 2003 kauften private Ausländer in Italien Immobilien für 500 Millionen Euro. Der Anteil der Deutschen stieg von 16 auf 20 Prozent. Und sie sind bereit zu zahlen: 6000 Euro pro Quadratmeter in Meran, für eine Wohnung mit Seeblick in einer Residence am Gardasee bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter.

Hohe Preise

Ein Viertel der Immobilienkäufer aus Deutschland zieht es aufs Land, meist in die Toskana oder nach Umbrien. Doch dort ist es in weiten Teilen rappelvoll. Der Chianti zum Beispiel, zwischen Florenz und Siena, ist nach 40 Jahren intensivstem internationalen Zuzug unerschwinglich. Unter einer Million Euro für einen Landsitz läuft nichts. Da bleibt nur die Suche in weniger überfüllten Gegenden. Zum Wachstumsmarkt entwickelte sich in den vergangenen Jahren der etruskische Gürtel von der südlichen Toskana über Umbrien bis zum nördlichen Latium mit Quadratmeterpreisen zwischen 3000 und 4000 Euro.

Spät entdeckt wurde auch das toskanische Val d´Orcia, der Landzipfel südlich der Brunello-Stadt Montalcino, von der Unesco zum Weltkulturerbe geadelt. "Das Val d´Orcia bleibt eine Gegend, in der man investieren kann, im Gegensatz zum Chianti", meint Federico Burroni von der Immobilienagentur I Tigli in Monteroni d´Arbia. 700.000 bis 900.000 Euro für freistehende Objekte mit etwas Land muss man aber lockermachen. Der Markt ist eng. Wie auch in Ligurien an der Riviera. "Bei Quadratmeterpreisen von 10.000 Euro ist Ligurien unnahbar", sagt Mario Breglia vom Forschungsinstitut Scenari Immobiliari.

Fiskalische Fallstricke

Auf der adriatischen Seite des Stiefels werden die Marken als Pendant zur Toskana entdeckt. Noch spielt das grüne Hügelland keine große Rolle als Ruhesitz. Trotzdem kletterten die Preise auch in den Marken in fünf Jahren um 54 Prozent.

Zu den Schattenseiten des Immobilienkaufs im sonnigen Italien gehört der Fiskus. Er verlangt Register- und Mehr- wertsteuer, Überschreibungs-, Kataster- und Kaufvertragsgebühren. Danach fordert er alle sechs Monate die Immobiliensteuer ICI: Aber in jedem Ort unterschiedlich hoch.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 13 vom 24.03.2005 Seite 112

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