Immobilienmarkt
„Das Bauchgefühl ist oft trügerisch“

Der Mitgründer der Taurus Investment Holdings weiß, wie sich mit Immobilien Geld verdienen lässt. Im Interview erklärt er, wo die lukrativen Objekte liegen, und warum Anleger zu gern mit der Masse gehen.
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Herr Reibling, in Deutschland ist der Immobilienmarkt so angespannt wie nie. Wird die Preisblase bald platzen?
Ich halte das für wahrscheinlich. Die Notenbanken werden ihre Niedrigzinspolitik fürs Erste weiterbetreiben; das missachtet die Spielregeln des Marktes. Und wo Spielregeln verletzt sind, wird es Verluste geben.

Denn bei niedrigen Zinsen …
… sehen die Menschen sofort die Inflationswelle anrollen. Die ist am Ende zwar gar nicht angetreten. Doch die Angst davor hat dazu geführt, dass Anleger ihr Geld am liebsten in vermeintlich inflationssichere Anlagen wie Immobilien gesteckt haben. Die panische Nachfrage hat Preise nach oben getrieben, die effektive Rendite schrumpfen lassen: Immobilien rentieren heute oft noch ein bis zwei Prozent über der risikofreien Anlage. Wer so investiert, schafft kein Vermögen, sondern vernichtet es.

Welche Renditen sind denn für Taurus interessant?
Eine vernünftige Rendite für Immobilien sollte schon 600 Basispunkte über dem risikofreien Investment liegen, sich je nach Typus also bei sieben bis 8,5 Prozent einpendeln. Wenn Sie in der Lage sind, statt 15 oder 20 Dollar, die an Miete bezahlt werden, plötzlich das Vierfache herauszuholen – dann schaffen Sie echten Mehrwert.

Die von Ihnen mit gegründete Investmentgesellschaft Taurus will solche Renditen über Value-Add-Immobilien erwirtschaften. In welche Objekte mit Potenzial genau haben Sie zuletzt investiert?
In den Bau einer 42.000 Quadratmeter-Shoppingmall mit Büroturm in Ankara im Wert von rund 170 Millionen Dollar. Zu 72 Prozent wurde das Projekt durch türkische, zu 28 Prozent durch deutsche Investoren finanziert. Bis zum Weiterverkauf wird es wohl noch zwei Jahre dauern. Zuerst müssen wir den Mietermix perfektionieren, regelmäßige Mieten dokumentieren und dann nach geeigneten Käufern suchen.

Bei einem anderen Objekt stammte die Idee von der Bostoner Eliteuniversität, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Zwei Studenten am Immobilienlehrstuhl des MIT hatten in ihrer Doktorarbeit zum Thema Immobilienaggregation geschrieben. Die Idee: Das strategische Management mehrerer Gebäude in unmittelbarer Nähe in ganz bestimmten Lagen reduziert das Investitionsrisiko.

Eine kritische Masse bei Immobilien also?
Ja, denn ein einzelnes Gebäude zu betreiben und zur Vermietung zu vermarkten würde disproportional mehr kosten. Wir haben die Idee dann in der Bostoner Innenstadt umgesetzt und insgesamt 28 Gebäuden verteilt auf acht Häuserblocks an der Bostoner Newbury Street gekauft; die Newbury Street ist vergleichbar mit der Madison oder der Park Avenue in New York, bester Einzelhandelsraum.

Kommentare zu " Immobilienmarkt: „Das Bauchgefühl ist oft trügerisch“"

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  • Ich finde es immer wieder bemerkenswert dass Leute die mit dem gehebeltem Geld anderer Leute in Grossprojekten daddeln, sich bemuessigt fuehlen langfristigen Kapitalanlegern Ratschlaege zu erteilen und hierfuer auch noch eine Plattform bekommen.

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