Immobilienmarkt
Der spanische Büromarkt bleibt weiterhin angespannt

Kräftig sinkende Mieten haben die Nachfrage nach Büros in Madrid und Barcelona im zweiten Quartal belebt. Vor allem vermögende Privatanleger nutzen das gesunkene Preisniveau zum Kauf. Nichts desto trotz steigt die Leerstandsquote in Spaniens beiden Großstädten auf zehn Prozent – und das, obwohl Unternehmer die Hälfte ihrer Projekte gestoppt haben.

MADRID. Allerdings „deuten die Indikatoren für Beschäftigung, Unternehmensgründungen und Einzelhandelsverkäufen darauf hin, dass der Konjunkturaufschwung frühestens in der zweiten Hälfte 2010 kommt“, meinen die Analysten vom Immobilienberater Aguirre Newman. Auf dem Büromarkt werden daher bis Jahresende steigende Leerstandsquoten und fallende Mieten erwartet, zumal einiges an neuer Fläche auf den Markt kommt.

Im Vergleich zum katastrophalen ersten Quartal, als so wenig Bürofläche vermietet wurde wie seit zehn Jahren nicht mehr, wurden im zweiten Quartal laut Aguirre Newman in Madrid immerhin 62 Prozent mehr und in Barcelona sogar 74 Prozent mehr vermietet als im Vorquartal. Die Bilanz des ersten Halbjahres allerdings fällt düster aus: In Madrid fanden 137 733 Quadratmeter (qm), in Barcelona 96 214 qm Bürofläche neue Mieter, ein Rückgang von jeweils 33 Prozent gegenüber dem Vorhalbjahr.

Entsprechend deutlich sanken die Durchschnittsmieten: in den ersten sechs Monaten um elf Prozent auf 16,49 Euro pro qm und Monat in Madrid, in Barcelona um sieben Prozent auf 15,30 Euro. Gar um 19 Prozent auf 31,68 Euro sank die Spitzenmiete in Madrid.

Obwohl Bauunternehmer die Hälfte aller Projekte gestoppt hätten, wie Àngel Estebaranz von Aguirre Newman erklärt, nähert sich die Leerstandsquote in beiden spanischen Großstädten der zehn Prozent-Marke an. Und in der zweiten Jahreshälfte kämen in Madrid noch zusätzlich knapp 280 000 qm und in Barcelona fast 200 000 qm Fläche auf den Markt. In diesem Jahr, schätzt Aguirre Newman, werden in Madrid aber höchstens 260 000 qm Fläche neu vermietet werden – 47 Prozent weniger als im Vorjahr. Berater Knight Frank geht sogar nur von rund 200 000 qm Neuvermietung aus, wobei die Dynamik zum Jahresende zunehmen dürfte. Dann werde sich auch der Anstieg des Leerstands aus zwei Gründen abschwächen, glaubt Berater Jones Lang Lasalle (JLL). Erstens werde weniger gebaut, zweitens habe der Großteil der Firmen ihre Flächen bereits dem verringerten Flächenbedarf angepasst. Daher dürfte sich auch das Mietniveau stabilisieren. „Da der Preisverfall intensiv ist, wird er sich nicht so lange hinziehen wie in früheren Negativzyklen“, meint José Miguel Setién von JLL.

Der Investmentmarkt ist analog zum übrigen Europa auch in den spanischen Städten von steigenden Mietrenditen geprägt. In bester Innenstadtlage erreichen sie sechs Prozent, in den Vororten mit ihren zahlreichen neuen Industrievierteln sieben Prozent. Derzeit seien nach Aussage von Knight Frank vor allem erstklassige Objekte mit bonitätsstarken Mietern in bester Citylage gefragt. Verkäufer solcher Objekte waren zuletzt vor allem Banken und Sparkassen, die ihr Filialnetz bereinigen. Zumindest im Zentrum von Madrid werden die Renditen vorerst stabil bleiben, meinen die Experten von Knight Frank. Vor allem private Investoren nutzten das gesunkene Preisniveau zum Kauf, beobachtet JLL-Experte Jorge Sena. Zwar mischen auch institutionelle Investoren mit, doch die von ihnen gebotenen Preise „können bisher nicht mit denen mithalten, die private Investoren zu zahlen bereit sind“.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%