Immobilienmarkt
Die Baugenossen sind zurück

Das Quartier zwischen Adalbert- und Waldemarstraße in Berlin bezeichnen Stadtforscher als sozialen Brennpunkt: Hohe Arbeitslosigkeit, niedriges Durchschnittseinkommen und hoher Migrantenanteil kennzeichnen diesen Teil des Bezirks Kreuzberg. Trotzdem realisiert die Wohnungsbaugenossenschaft Am Ostseeplatz genau hier ein ehrgeiziges Projekt.

BERLIN. Nachdem sie 2007 zwölf landeseigene Grundstücke mit gut 180 Wohnungen erworben hat, arbeitet sie daran, die größtenteils türkischstämmigen Bewohner zu Genossenschaftsmitgliedern und damit zu Miteigentümern der Wohnanlage zu machen. Gleichzeitig hat sie die Wohnungen saniert, wobei die Kosten dank öffentlicher Förderung auf 4,50 Euro pro Quadratmeter (qm) kalt begrenzt bleiben.

Für dieses Projekt wurde die Genossenschaft unlängst mit dem vom Bundesbauministerium ausgelobten „Genossenschaftspreis Wohnen 2008“ ausgezeichnet. Es ist nicht das einzige Beispiel dafür, wie sich die Genossenschaftsidee, deren Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurück reichen, weiter entwickelt hat. „Genossenschaften sind auf dem Weg, moderne Unternehmen zu werden, die sich in die Stadtentwicklung einbringen“, sagt Bettina Harms, Geschäftsführerin der auf die Wohnungswirtschaft spezialisierten Hamburger Beratungsgesellschaft Analyse & Konzepte.

„Wir können uns von unseren Standorten nicht verabschieden und entwickeln schon deshalb ein größeres gesellschaftliches Engagement als andere Marktteilnehmer“, beschreibt Helmut Knüpp, Vorstand der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein und Chef einer bundesweiten Marketinginitiative für Wohnungsgenossenschaften den Unterschied zu anderen Geschäftsmodellen.

„Wir müssen keine kurzfristige Rendite erzielen“, sagt etwa Hubert Scharlau, Vorstand des Bauverein zu Lünen. Das erklärt, warum die Genossenschaft im Stadtteil Osterfeld ein Pflegeheim mit 60 Plätzen und 136 seniorengerechten Wohnungen errichten konnte. Ein renditeorientiertes Unternehmen, vermutet Scharlau, hätte das im Herbst 2008 abgeschlossene Projekt so nicht realisieren können. Denn 36 Wohneinheiten der Bauverein-Siedlung entstanden mit öffentlichen Fördergeldern, weshalb die Miete auf 4,30 Euro pro Quadratmeter festgesetzt ist. Das aber reicht laut Scharlau angesichts der hochwertigen Ausstattung nicht aus, um die Kosten zu decken. Kompensieren müssen dies die frei finanzierten Wohnungen, die neun Euro pro Quadratmeter kosten.

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