Immobilienmarkt
Die Krise holt Kanada ein

Lange hat sich Kanadas Wirtschaft gegen den Abschwung gestemmt. Nun schwappt die Krise aus den USA herüber – und trifft wie dort den Immobilienmarkt. Erste Anzeichen: Die Leerstände auf dem Büromarkt steigen. Doch weil solide finanziert wurde, sind die Probleme auf dem Immobilienmarkt weit weniger dramatisch als in den USA.

OTTAWA. „Bis zu Beginn des vierten Quartals 2008 war der Markt eng. Aber jetzt stellen wir fest, dass Unternehmen häufiger ihren Raumbedarf reduzieren und Mietflächen aufgeben“, sagt Kristian Halkias, Analyst bei Jones Lang Lasalle (JLL) in Toronto. Der kanadische Gewerbeimmobilienmarkt sei noch nicht in der Krise, aber er bewege sich nun vom Vermieter- zum Mietermarkt. „Die Leerstandsquoten werden nach oben gehen, und der Anstieg der Preise wird enden“, sagt Halkias, der jedoch in Kanada – anders als in den USA – nicht mit einem drastischen Verfall der Immobilienpreise rechnet.

Dass sich Kanadas Immobilienmarkt so gut hielt, hat zwei Gründe: Die Banken waren bei der Kreditvergabe vorsichtiger, und sie sind stärker reguliert als die in den USA. Der Anteil der Hypotheken, die an Personen mit sehr geringer Bonität vergeben wurden, liegt lediglich bei etwa fünf Prozent. Deshalb erlebte das Land keine Subprime-Krise und auch keine Bankenzusammenbrüche.

Kanadas Volkswirtschaft hat andere Probleme: Sie ist von nachgebenden Rohstoffpreisen und nachlassender Nachfrage aus den USA betroffen. Die Unternehmen reagieren. Ihr Interesse an Büroraum nimmt ab, ablesbar an dem im vierten Quartal 2008 landesweit im Schnitt um 0,4 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent gestiegenen Leerstand. Die Mieter verlassen zuerst die weniger attraktiven Vorstadtlagen, dort steht bereits mehr Bürofläche leer als in den Innenstädten. John O’Bryan, Vize-Chairman von CB Richard Ellis (CBRE) in Toronto, beobachtet gleichzeitig, wie die zur Untervermietung bereitstehende Fläche steigt. In Calgary betrug diese Quote Ende 2008 rund ein Drittel der vakanten Flächen. Drei Monate zuvor lag der Anteil nur bei gut einem Viertel.

In Calgary wie in Edmonton hat der sinkende Ölpreis dazu geführt, dass die Ölkonzerne Investitionen zurückstellen und dadurch die Nachfrage nach Büroraum drosseln. Kanadas Finanzzentrum Toronto geht es wegen der Banken ähnlich: Im vierten Quartal 2008 sei erstmals seit dem dritten Quartal 2003 die neu vermietete Bürofläche gegenüber dem Vorquartal rückläufig gewesen, stellt JLL fest. Damit hat sich die Stadt allerdings weit besser gehalten als das Finanz-Mekka New York. Anders als dort habe in Toronto das Angebot an Untermietfläche vom Beginn der Kreditkrise im Juni 2007 bis in den Herbst 2008 abgenommen.

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