Immobilienmarkt
Experten sehen keine Preisblase

Keine Anzeichen für einen plötzlichen Einbruch: Der deutsche Immobilienmarkt entwickelt sich trotz steigender Preise stabil. Entwicklungen, die erneut eine Finanzkrise auslösen könnten, sind scheinbar auszuschließen.
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BerlinTrotz stark steigender Preise droht dem deutschen Wohnungs- und Häusermarkt nach Ansicht von Forschern keine Überhitzung. „Wir erkennen keine Immobilienblase, keine flächendeckende Blase“, sagte Co-Autor Tobias Just bei der Vorlage eines Gutachtens zur Immobilienwirtschaft am Dienstag in Berlin.

Besonders in Großstädten wie Berlin, Frankfurt und Hamburg seien die Preise zum Teil allerdings deutlich angezogen. „Das ist eine Reaktion auf Marktknappheiten, das ist keine spekulative Übertreibung“, sagte Immobilienexperte Just von der Universität Regensburg. Denn die gestiegenen Preise spiegelten die Fundamentaldaten wie niedrige Zinsen und steigende Einkommen wider.

Die Forscher, darunter auch das arbeitgebernahe Institut IW Köln, kommen zu dem Schluss, dass der hiesige Immobilienmarkt deutlich stabiler ist als in anderen Ländern. Es habe über die vergangenen 20 Jahre viel weniger Preisschwankungen gegeben. Grund sei ein funktionierender Mietmarkt und eine solidere Immobilienfinanzierung.

Konkret: Viele deutsche Wohnungs- und Hauskäufer haben mehr Eigenkapital als ihre Pendants in Spanien, Irland und den USA. Dort hatten sich viele Bürger - auch aus einem mangelnden Angebot auf dem Mietmarkt - mit Käufen übernommen. Die Folge: Als die Immobilienmärkte zusammenbrachen, waren viele Menschen überschuldet, die Banken gerieten in Schieflage und die Länder rutschen in tiefe Rezessionen.

Auch die Bundesbank hatte am Montag zum Immobilienmarkt Stellung genommen und Käufer vor möglichen Preiskorrekturen gewarnt. In Städten seien Wohnungen im Durchschnitt zwischen fünf und zehn Prozent überbewertet. Die Preissteigerung passe nicht zu den längerfristigen demografischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren. In attraktiven Großstädten wie Hamburg, München und Frankfurt seien die Preise sogar bis zu 20 Prozent übertrieben. Diese Entwicklung breite sich von den Städten ins Umland aus.

Die Preise für Einfamilienhäuser sind laut Bundesbank bisher noch nicht von der Übertreibung erfasst. Sie haben sich sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum „nicht wahrnehmbar vom fundamental gerechtfertigten Niveau entfernt“, so die Bundesbank. Kurzfristig werde der Preisdruck auf den Wohnimmobilienmärkten aller Voraussicht nach jedoch nicht nachlassen.

Zwar sieht auch die Bundesbank durch die Preise am Wohnungsmarkt „keine erheblichen makroökonomischen Risiken“. Sie warnt jedoch, dass mögliche Preiskorrekturen „empfindliche Vermögenverluste bei den Haushalten verursachen“ könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Immobilienmarkt: Experten sehen keine Preisblase"

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  • In meiner unmittelbaren Nachbarschaft hier in München sind die Immobilienpreise nach Aussage eines hier tätigen Maklers in den vergangenen 2 Jahren um 45% gestiegen. Nach einer gesunden Entwicklung sieht das für mich nicht mehr aus.

  • Experten erweisen sich des Öfteren als Nieten!

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