Immobilienmarkt Frankfurt
Kanam verliert die Lust am Opernturm

Neue Hiobsbotschaft für den Frankfurter Büromarkt: Der Immobilienfonds Kanam hat den Kauf des Opernturms abgesagt, weil er bei Banken zu hohe Risiken sieht. Auch Experten sind sehr skeptisch und erwarten, dass der Leerstand in Frankfurt weiter ansteigen wird.

FRANKFURT. Der offene Immobilienfonds Kanam Gruninvest Fonds wird den Opernturm in Frankfurt nicht kaufen. Das geht aus einem Schreiben des Fondsanbieters an den Vertrieb hervor, das der Internet-Vermittler Fondsdiscount auf seiner Web-Seite veröffentlicht hat. Kanam begründet die Entscheidung mit der Situation auf dem von der Finanzkrise stark betroffenen Frankfurter Büromarkt. Nach der Devise "Sicherheit vor Chancen" werde Kanam "mittelfristig den Anteil an Banken und Finanzdienstleistern im Mieterportfolio nicht weiter erhöhen".

Ursprünglich wollte der Kanam-Fonds das Gebäude für geschätzte 500 Mill. Euro erwerben, ohne dafür Fremdkapital aufzunehmen. Der Opernturm, den US-Entwickler Tishman Speyer im Jahr 2010 fertigstellen will, verfügt über rund 60 000 Quadratmeter (qm) Bürofläche, wovon bisher nur die Hälfte an die Schweizer Großbank UBS vermietet sind.

Das nachlassende Vertrauen in den deutschen Immobilienmarkt sei beunruhigend, kommentierte Marcus Lemli, Leiter Capital Markets beim Immobiliendienstleister Jones Lang Lasalle, die Absage von Kanam. Die Transaktion sei nicht an der Finanzierung gescheitert, sondern anscheinend auch an der nicht vorhandenen Hoffung, dass die Krise bald überwunden werde. "Leerstand in einem projektierten Gebäude zwei Jahre vor Fertigstellung ist eigentlich nichts Unnormales. In guten Zeiten nicht, in schlechteren Zeiten nicht", sagte Lemli.

Der Frankfurter Vermietmarkt wird traditionell vom Finanzgewerbe dominiert. An den Neuvermietungen einschließlich Umzügen im Großraum Frankfurt (inklsuive Eschborn und Offenbach Kaiserlei) von 160 000 qm in den ersten neun Monaten dieses Jahres waren Banken und Versicherungen mit 42 Prozent beteiligt, errechnete der Immobiliendienstleister Dr. Lübke.

Die Aussichten für den Markt sind allerdings trüb: Frankfurter Büromarktexperten erwarten, dass alleine infolge der Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank aufgrund von Arbeitsplatzabbau etwa 130 000 qm Bürofläche freiwerden. Hinzu kommt die Finanzkrise, in deren Folge der Leerstand unweigerlich weiter steigen wird. Schon jetzt beträgt er auf dem Vermietungsmarkt trotz der zwei zurückliegenden guten Jahre 13,2 Prozent, wie Dr.-Lübke-Zahlen zeigen. Der im Vergleich zu anderen deutschen Städten außergewöhnlich hohe Leerstand resultiert daraus, dass in Frankfurt viele Bürohäuser mit nicht mehr zeitgemäßer Ausstattung am Makrt sind. Der so entstandene Sockelleerstand wird sich nach dem nun zu erwartenden Überangbot an modernen Flächen kaum abbauen.

Kanam ist zwischenzeitlich auf dem Moskauer Markt fündig geworden. Der Grundinvest Fonds des Hauses erwarb zu einem nicht genannten Preis das Bürogebäude Citydel Business Center drei Kilometer vom Kreml entfernt. Das Haus mit einer Nutzfläche von 35 000 qm sei vollständig vermietet, teilte Kanam mit. Mieter seien unter anderem die Regus-Gruppe und Japan Tobacco International. Regus vermietet Büros und Konfererenzräume auf kurze Zeit.

Anders als zurzeit in Deutschland finanzieren offene Immobilienfonds Käufe im Ausland auch durch Fremdmittel. In Deutschland ist die Kreditaufnahme wegen der hohen Liquidität der Fonds nicht sinnvoll. Trotz des Verzichts auf den Opernturm will Kanam für den Fonds weiter Anteilsscheine ausgeben. Bis zur Nachricht über den Kauf des Opernturms hatte die Investmentgesellschaft die Anteilsscheinausgabe vorübergehend gestoppt gehabt.

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