Immobilienmarkt Hamburg
Verkäufer sitzen am längeren Hebel

Immobilien-Investments an der Alster sind gefragt wie lange nicht. Doch die steigenden Kaufpreise lassen für die Käufer die Renditen sinken.

HB HAMBURG. So euphorisch klangen die Nachrichten selten: "Historisch" nennt das internationale Immobilienberatungsunternehmen CB Richard Ellis (CBRE) die Summe von 4,4 Mrd. Euro, die Investoren im vergangenen Jahr für Gewerbeimmobilien in Hamburg ausgaben, mehr als zweieinhalb Mal soviel wie im Jahr zuvor. Wettbewerber Atisreal kommt zwar auf "nur" 3,94 Mrd. Euro Transaktionsvolumen und ein Plus von 135 Prozent, doch auch dies wäre allemal ein neuer Rekord für die Hansestadt.

Die zweitgrößte deutsche Stadt folgt damit dem Trend, der an allen wichtigen Bürostandorten des Landes derzeit zu beobachten ist: Immobilien sind wieder eine gefragte Anlageklasse. Treibende Kraft dieser Entwicklung sind ausländische Investoren - auch in Hamburg, wo ihr Anteil am Geschäft im vergangenen Jahr gut 64 Prozent erreichte. So erwarb allein die französische Immobiliengesellschaft Ixis Capital Partners für knapp 820 Mill. Euro die zwei Portfolios der Freien und Hansestadt Hamburg, bekannt unter dem Namen "Primo"-Pakete. Ein Konsortium irischer Privatinvestoren namens Davy House erwarb für rund 141 Mill. Euro das Geschäftshaus "Spitaler Hof" und das britische, nicht börsennotierte Immobilienunternehmen Belgravia sicherte sich das Shopping-Center "Bahnhof Altona" für einen Betrag zwischen 60 und 70 Mill. Euro. Ähnlich viel zahlte nach Brancheninformationen die Investate A/S aus Dänemark für das Hotel Intercontinental.

Dabei wechseln an der Alster ähnlich wie anderswo in Deutschland die meisten Immobilien gleich en Gros ihren Besitzer: Mehr als die Hälfte des Investitionsvolumens entfiel 2006 auf Portfolioverkäufe, rechnet CBRE vor. "Dieser Trend setzt sich auch im laufenden Jahr fort", sagt Marcus Zorn, Leiter der Hamburger Niederlassung von Atisreal. "Das Primo-Paket der Stadt hat die Türen geöffnet, wir werden noch weitere Verkäufe dieser Art sehen."

Verkaufswillige Eigentümer haben sich bereits auf die Vorlieben der Investorenschaft eingestellt. So veräußerte der Hamburger Immobilieninvestor Dieter Becken Anfang des Jahres gleich 22 Gebäude an Morgan Stanley Real Estate. Rund 670 Mill. Euro ließ sich der Fonds das kurz "XXL-Portfolio" genannte Paket kosten, zu dem so prominente Hamburger Objekte wie das Berliner Tor Center, das Doppel-X-Haus, das Deichtor Center und der Berliner Bogen gehören. "Das Marktumfeld war sehr günstig für diesen Verkauf", urteilt Michael Mikulicz, Chef des Hamburger Investmentteams von CBRE. Immerhin nämlich erwarb Morgan Stanley damit auf einen Schlag rund 265 000 Quadratmeter (qm) Bürofläche. Und das ist mehr als die Hälfte dessen, was in einem Jahr in der Hansestadt neu vermietet wird. "Man muss also erst einmal einen Käufer finden, der bereit ist, so viel Volumen an einem Standort zu erwerben", erklärt Mikulicz.

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