Immobilienmarkt
Viel zu viele Häuser auf dem Land

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„In 20 Jahren wird es Geisterdörfer geben“

Und das hat Folgen: Laut einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden die Marktwerte von Eigentumswohnungen um mehr als 25 Prozent sinken, bei Ein- und Zweifamilienhäusern dürfte dies bei einem Viertel der Kreise der Fall sein. Denn der Umzugstrend in die Städte werde anhalten. Die Gefahr verödender Dorfzentren, die das IW sieht, erkennt Markus Grabka vom DIW ebenfalls. Schlimmer noch: „In 20 Jahren wird es Geisterdörfer geben“, konstatiert er.

Wertverlust droht vor allem in ostdeutschen Landkreisen. Als das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) vor kurzem für die Postbank analysiert hat, wo bis 2030 die größten Verluste drohen, lagen auf den letzten 38 Plätzen ausschließlich Landkreise aus dem Gebiet der ehemaligen DDR. Erst dann kam mit Primasens die erste Stadt im Westen Deutschlands. Angeführt wird die Liste des Immobilienpreisschreckens übrigens von Suhl mit einem erwarteten jährlichen Wertverlust von 5,6 Prozent im Schnitt.

Befördert wird die ungünstige Entwicklung laut IW-Studie von den Niedrigzinsen der vergangenen Jahre, die den Kauf einer Immobilie vergleichsweise günstig machen. Das Gebrauchthaus ist offensichtlich nicht übermäßig beliebt. „Viele Familien bauen lieber etwas Neues“, sagte Voigtländer. „Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen. Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand.“

Das IW empfiehlt Kommunen mit ausuferndem Neubau ein robustes Vorgehen: keine neuen Baugebiete ausweisen, Neubauten an den Abriss von alten Häusern koppeln und die Ortskerne attraktiver machen.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Außerdem ist der Preisverfall in ländlichen Gebieten weniger dramtischer als hier angedeutet.
    Immer mehr junge Familien sind bereit Abstriche im Prestige zu machen, dafür ihren Kindern ein ruhiges und gesundes Umfeld zu bieten, das Homeoffice und der wachsende IT-Bereich möglich machen Karriere und Leben "auf dem Land" zu ermöglichen. Dafür braucht es keine Upper-Class Viertel und Penthouse-Wohnungen mehr. Jahrelang gab es die Landflucht, die sich jetzt fast nur noch auf die völlig heruntergewirtschafteten Kreise der neuen Bundesländer bezieht.

  • Es liegt doch ganz klar auf der Hand. Einzelimmobilien wie sie auf dem ländlichen und dörlichen Landstrichen günstig gebaut werden, missfallen der Immobilienwirtschaft. Diese Immobilien lassen sich nicht als Wertobjekte oder Geldwäsche vermarkten. Ob Handelsblatt oder DWN, es kommt immer durch das diese Blättchen sehr stark für Banken und ihre Spielereien solventer Kunden agieren. Wer auf dem Land ein Haus baut hat gar kein Interesse dieses zu verkaufen, lol. Insofern kann mich das Gerede von Preisverfall nur peripher tangieren. Allemal wohnenswerter und ruhiger als kernsanierter Upper-Class Eigentum in Städten. Auf lang oder kurz werden die Banken im Immobilienbereich ebenfalls ein Minusgeschäft machen, wenn die Ballungsgebiete mit der Stadtflucht solventer Mandanten zu kämpfen haben, wenn um ihre Upper-Class-Cash-Cow eine No-Go Area ensteht. Das sind die ersten Ideen dem entgegenzuwirken. Als nächstes wird deren Lobby ein Gesetz fordern...das den Erwerb von Einzelimmobilien erschweren wird. Auf dem Land gibt es nur selten Leerstände, wie hier suggestiert wird. Same procedure as every year...who cares?

  • Der "Immobilienexperte" Michael Voigtländer ist schon lustig. Dass es viel preiswerter ist, eine neue Immobilie nach dem Stand der Technik zu bauen als eine vorhandene Immobilie energetisch zu sanieren und eine Kernsanierung durchzuführen, findet in seiner Gedankenwelt wohl nicht statt.

    In Berlin werden viele alte Häuser kernsaniert und wunderschön restauriert. Anschließend werden die Wohnungen dieser Häuser für 4.000 € bis 8.000 € pro Quadratmeter zum Verkauf angeboten. Dort, wo viel Geld für Wohnraum bezahlt wird, lohnt sich eine Kernsanierung. Auf dem Land, wo Neubauten incl. Grundstück für vielleicht 2.000 € gekauft werden können, zahlt kaum jemand freiwillig dafür, eine Bruchbude wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln.

    Das gleiche Problem gibt es in den alten Arbeiterstadtteilen vieler (ehemaliger) Industriestädte. Dort lohnt es sich nicht, Altbebauung zu sanieren. Alte Häuser werden folglich immer weiter vermietet, pinselsaniert und dann erneut weiter vermietet. Das soziale Gefüge gerät in Unordnung ganze Stadtteile kämpfen gegen den Abstieg.

    Wie wäre es mit einer Abwrackprämie für rotte Altbebauung, damit es sich rechnet, Altbebauung durch bezahlbare, attraktive Neubebauung zu ersetzen?

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