Immobilienmarkt
Jena kämpft um Investoren

Die thüringische Universitätsstadt Jena will künftig intensiver um Immobilieninvestoren werben. "Die Vermarktungspolitik der letzten Jahre war zu wenig aktiv", meint Thomas Dirkes, Werkleiter des Eigenbetriebs Kommunale Immobilien Jena. Besonders die hohe Wirtschaftskraft und niedrige Leerstände in Miethäusern wecken Interesse von Immobilien-Anlegern.

JENA. Thomas Dirkes reagiert damit auf die Kritik, die Stadt tue zu wenig für ihr Image. "Jena tut Gutes und redet nicht darüber", sagt Holger Grümmer vom Jenaer Immobilienunternehmen MGM Management. In der Tat kann die Stadt hervorragende wirtschaftliche Zahlen vorweisen. In dem vom Forschungsinstitut Prognos vorgelegten "Zukunftsatlas 2007" belegt Jena als drittbeste ostdeutsche Stadt Rang 20 unter den 439 kreisfreien Städten und Landkreisen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 9,6 Prozent deutlich unter dem ostdeutschen Durchschnitt, und die Kaufkraftkennziffer ist mit 90,1 höher als in Erfurt und Leipzig. Zudem ernannte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft Jena zur "Stadt der Wissenschaft 2008".

Von der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch die Immobilienwirtschaft. Der Wohnungsleerstand ist mit rund zwei Prozent der niedrigste aller ostdeutschen Städte. Die Mieten für Neubauwohnungen betragen laut dem Regionalverband Mitte des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) bis zu 7,70 Euro pro Quadratmeter, während Eigentumswohnungen in guter Lage um die 2 200 Euro pro Quadratmeter kosten. "In Thüringen ist Jena der Standort mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen, den höchsten Wohnungsmieten und den höchsten Grundstückspreisen", fasst Dirkes, Werkleiter des Eigenbetriebs Kommunale Immobilien Jena (KIJ), die Situation zusammen.

Dennoch haben nach Einschätzung von Marktbeobachtern erst wenige überregional tätige Investoren das Potenzial der Stadt entdeckt. Zu diesen Ausnahmen gehört die bundeseigene TLG Immobilien, welche die entlang der A 4 verlaufende Achse Jena-Weimar-Erfurt-Eisenach zu ihren Investitionsschwerpunkten zählt. Karl-Heinz Gerlach, Thüringer IVD-Landesvertreter, berichtet von weiteren Investoren aus dem In- und Ausland, die in Jena sowohl Wohn- als auch Gewerbeimmobilien erwerben. Allerdings wechselten im Jahr 2006, als der Handel mit Immobilien in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte, in Jena laut dem Gutachterausschuss für Grundstückswerte lediglich 39 Mehrfamilienhäuser und 19 Gewerbeobjekte den Eigentümer.

Mit der wirtschaftlichen Blüte Jenas kontrastiert auch der Umstand, dass es den Verantwortlichen im Rathaus trotz mehrjähriger Bemühungen nicht gelungen ist, Investoren für zwei große innerstädtische Brachflächen zu finden. Nach den Sommerferien will die Stadt nun eine europaweite Ausschreibung für den Inselplatz starten. Geplant sind laut Stadtarchitekt Matthias Lerm mehrere Baukörper, die ein Parkhaus, Ladenflächen, Wohnungen und möglicherweise ein Hotel enthalten sollen. Im Anschluss will die Stadt auch den direkt neben dem markanten Hochhaus gelegenen Eichplatz vermarkten, für den sie ebenfalls eine gemischte Nutzung vorsieht.

Umstritten ist jedoch, ob die positiven Rahmendaten Bestand haben. Vor allem die Einwohnerentwicklung wird von Fachleuten höchst unterschiedlich eingeschätzt. Das Thüringer Landesamt für Statistik prognostiziert bis zum Jahr 2020 eine Zunahme der Einwohnerzahl um zwei Prozent auf 104 500, und das Beratungsinstitut Empirica rechnet damit, dass in den nächsten zwölf Jahren die Zahl der Haushalte sogar um fünf Prozent steigen wird. Dagegen erwartet die Beratungsgesellschaft Analyse & Konzepte bis 2015 einen Rückgang der Haushaltszahl um 4,7 Prozent. Tobias Jacobs, Büroleiter Südost von Analyse & Konzepte, begründet dies damit, dass die Zahl der derzeit rund 25 000 Studierenden als Folge des Geburtenknicks Anfang der 1990-Jahre deutlich abnehmen werde.

Fakten über Jena

Einwohner
Jena zählte Ende vergangenen Jahres knapp 103 000 Einwohner. Seit 1998 ist die Einwohnerzahl entgegen dem Trend in den neuen Bundesländern um fast vier Prozent gestiegen.

Unternehmen
Mehrere namhafte Technologieunternehmen wie Jenoptik, Schott Jenaer Glas, Jenapharm und Zeiss haben ihre Wurzeln in Jena.

Mieten
Die Mieten für gut ausgestattete Büros in zentraler Lage betragen laut dem Bericht "Immobilienmarkt Ostdeutschland 2008" zwischen sieben und 9,50 Euro pro Quadratmeter, die Mieten für kleinere Ladenflächen (bis 100 Quadratmeter) in der Innenstadt zehn bis 45 Euro je Quadratmeter.

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