Immobilienmarkt London

Die große Bürokrise droht

In London ist vor dem Brexit-Votum mit dem Bau von vielen Bürogebäuden begonnen worden. Weil jetzt Unternehmen überlegen, das Land zu verlassen, könnte es zu einem Überangebot kommen, mit dem niemand gerechnet hat.
Nach der Brexit-Entscheidung steht der Londoner Immobilienmarkt unter Druck. Quelle: dpa
London

Nach der Brexit-Entscheidung steht der Londoner Immobilienmarkt unter Druck.

(Foto: dpa)

LondonDie Welle an im Bau befindlichen Büro-Gebäuden in London ist laut der schweizerischen Großbank UBS eine große Bedrohung für Büromieten und Immobilienbewertungen in der britischen Hauptstadt. „Wir haben den Aufbau eines Überangebots an Büroflächen lange vor dem Brexit gesehen, was nicht mehr aufgehalten werden kann“, sagt Thomas Wels, weltweiter Chef für Immobilien in der Asset-Management-Sparte der Schweizer Bank, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die zusätzlichen Flächen „werden den Markt 2017 und 2018 erreichen – was in den Mieten noch nicht eingepreist ist“.

Immobilienentwickler hatten versucht, von den steigenden Mieten zu profitieren, indem sie die Arbeit an einer Rekordanzahl von Büroprojekten in der Londoner Innenstadt in den sechs Monaten bis März begannen. Die Bewertungen könnten dort um bis zu 20 Prozent einbrechen – während Unternehmen nach dem Brexit-Votum erwägen, einen Teil ihrer Geschäfte auf das europäische Festland zu verlagern oder Expansionspläne zu verschieben, geht aus Prognosen von Green Street Advisors hervor.

Hier steigen die Mieten am stärksten
Platz 8: Frankfurt
1 von 8

Ausgerechnet in Deutschlands Finanzmetropole fiel der Preisanstieg im ersten Halbjahr 2016 am geringsten aus: Hier stiegen die Mieten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent auf 13,30 Euro pro Quadratmeter im Monat. Im Vergleich zum Jahr 2004 allerdings liegt das Niveau heute um 33 Prozent höher – damit rangiert Frankfurt im Städtevergleich auf Platz 5.

Platz 7: Stuttgart
2 von 8

In der baden-württembergischen Landeshauptstadt lagen die Angebotsmieten im ersten Halbjahr 2016 bei durchschnittlich 12,55 Euro pro Quadratmeter im Monat – ein Anstieg von 5,2 Prozent zum Vorjahr. Der Zwölfjahresvergleich zeigt: Gegenüber 2004 müssen Mieter heute 44 Prozent mehr zahlen – des bringt Stuttgart die Bronzemedaille unter den acht untersuchten Städten ein.

Platz 6: Berlin
3 von 8

Vergleichsweise günstig bleibt Berlin: Der Aufwärtstrend der Mieten in der Hauptstadt ließ 2015 etwas nach, auf Jahressicht steigen die Mieten hier im Schnitt um 5,4 Prozent auf 9,55 Euro pro Monat und Quadratmeter. Ganz anders die Bilanz nach zwölf Jahren: 2004 wurden in Deutschlands Hauptstadt noch Wohnungen für sechs Euro Miete pro Quadratmeter angeboten. Heute sind es fast 60 Prozent mehr – der höchste in den acht Städten gemessene Anstieg.

Platz 5: München
4 von 8

Was die Steigerungsrate bei den Mieten betrifft, rangiert die Bayernmetropole mit einem Plus von 6,2 Prozent nur auf dem fünften Rang. Absolut betrachtet bleibt München aber die mit Abstand teuerste Stadt Deutschlands: Die Angebotsmieten kletterten binnen zwölf Monaten auf durchschnittlich 16,90 Euro pro Quadratmeter monatlich. Und auch auf Zwölfjahressicht liegt die Landeshauptstadt mit einem Plus von 52 Prozent nur knapp hinter Berlin.

Platz 4: Leipzig
5 von 8

Dass Leipzig eine ostdeutsche Vorzeigestadt ist, zeigt sich auch auf dem Wohnungsmarkt. Seit mehreren Halbjahren steigen die Mieten: Mit einem deutlichen Plus von 6,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres liegen sie mittlerweile bei 6,20 Euro pro Quadratmeter im Monat. Gegenüber 2004 fällt das Plus aber immer noch vergleichsweise moderat aus: Mit 27 Prozent erreicht Leipzig den vorletzten Platz im Langfristvergleich der acht Städte.

Platz 3: Hamburg
6 von 8

Auch die Hansestadt gilt als besonders teures Pflaster zum Wohnen – bei durchschnittlichen Angebotsmieten von 11,50 Euro pro Quadratmeter ein richtiger Eindruck. Anders als in vielen anderen Städten sind die Mieten an der Alster aber erst jetzt – nach sieben Halbjahren der Stagnation – wieder kräftig gestiegen. Sie verteuerten sich auf Jahressicht um 6,3 Prozent. Auf Zwölfjahressicht summiert sich ein Plus von 40 Prozent, der vierhöchste im Städtevergleich.

Platz 2: Köln
7 von 8

Mit einem Plus von 6,3 Prozent auf eine durchschnittliche Angebotsmiete von 10,55 Euro pro Quadratmeter monatlich erfuhr Köln den stärksten Mietanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2004. Der Langfristvergleich fällt weniger drastisch aus: Der Mietanstieg summiert sich auf 21 Prozent – das ist der geringste Wert aller acht Städte.

Laut Analyst Mike Prew von Jefferies könnten internationale Konzerne innerhalb von zwei Jahren nach Beginn des offiziellen EU-Austrittsprozesses bis zu 100.000 Jobs aus London heraus verlagern. Wels, der sich um 77 Milliarden Dollar an Immobilienaktiva in 29 Ländern kümmert, sieht die Anzahl der verlagerten Jobs aber eher bei 25.000.

Wichtiges Argument für die Annahme, dass viele Unternehmen aus London abwandern könnten, ist der mögliche Wegfall der „Passporting“-Rechte. Diese Rechte räumen Firmen mit Sitz in einem EU-Land die Möglichkeit ein, ihre Geschäfte EU-weit zu betreiben. Sie benötigen dafür keine Genehmigung der jeweils lokalen Behörden.

Insbesondere britische Banken, Versicherer und Fonds nutzen das „Passporting“. Zudem aber ist London dadurch auch zum Sprungbrett für internationale Finanzdienstleister geworden – die deshalb als wichtige Nachfrager auf dem Markt für Büroimmobilien gelten. Denn „Passporting“ erlaubt es schließlich auch EU-Firmen, vom wichtigsten europäischen Finanzplatz aus in Länder außerhalb des eigenen Wirtschaftsraums zu expandieren wie es umgekehrt Nicht-EU-Unternehmen den Zugang in die Wirtschafts- und Währungsunion erleichtert.

Viele neue Bürotürme im Bau
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%