Immobilienmarkt London
Die große Bürokrise droht

In London ist vor dem Brexit-Votum mit dem Bau von vielen Bürogebäuden begonnen worden. Weil jetzt Unternehmen überlegen, das Land zu verlassen, könnte es zu einem Überangebot kommen, mit dem niemand gerechnet hat.

LondonDie Welle an im Bau befindlichen Büro-Gebäuden in London ist laut der schweizerischen Großbank UBS eine große Bedrohung für Büromieten und Immobilienbewertungen in der britischen Hauptstadt. „Wir haben den Aufbau eines Überangebots an Büroflächen lange vor dem Brexit gesehen, was nicht mehr aufgehalten werden kann“, sagt Thomas Wels, weltweiter Chef für Immobilien in der Asset-Management-Sparte der Schweizer Bank, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die zusätzlichen Flächen „werden den Markt 2017 und 2018 erreichen – was in den Mieten noch nicht eingepreist ist“.

Immobilienentwickler hatten versucht, von den steigenden Mieten zu profitieren, indem sie die Arbeit an einer Rekordanzahl von Büroprojekten in der Londoner Innenstadt in den sechs Monaten bis März begannen. Die Bewertungen könnten dort um bis zu 20 Prozent einbrechen – während Unternehmen nach dem Brexit-Votum erwägen, einen Teil ihrer Geschäfte auf das europäische Festland zu verlagern oder Expansionspläne zu verschieben, geht aus Prognosen von Green Street Advisors hervor.

Laut Analyst Mike Prew von Jefferies könnten internationale Konzerne innerhalb von zwei Jahren nach Beginn des offiziellen EU-Austrittsprozesses bis zu 100.000 Jobs aus London heraus verlagern. Wels, der sich um 77 Milliarden Dollar an Immobilienaktiva in 29 Ländern kümmert, sieht die Anzahl der verlagerten Jobs aber eher bei 25.000.

Wichtiges Argument für die Annahme, dass viele Unternehmen aus London abwandern könnten, ist der mögliche Wegfall der „Passporting“-Rechte. Diese Rechte räumen Firmen mit Sitz in einem EU-Land die Möglichkeit ein, ihre Geschäfte EU-weit zu betreiben. Sie benötigen dafür keine Genehmigung der jeweils lokalen Behörden.

Insbesondere britische Banken, Versicherer und Fonds nutzen das „Passporting“. Zudem aber ist London dadurch auch zum Sprungbrett für internationale Finanzdienstleister geworden – die deshalb als wichtige Nachfrager auf dem Markt für Büroimmobilien gelten. Denn „Passporting“ erlaubt es schließlich auch EU-Firmen, vom wichtigsten europäischen Finanzplatz aus in Länder außerhalb des eigenen Wirtschaftsraums zu expandieren wie es umgekehrt Nicht-EU-Unternehmen den Zugang in die Wirtschafts- und Währungsunion erleichtert.

Seite 1:

Die große Bürokrise droht

Seite 2:

Viele neue Bürotürme im Bau

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%