Immobilienmarkt
Neue Hoffnung im Osten

Der Traum derer, die in den neuen Bundesländern mit Immobilien das große Geld verdienen wollten, ist in vielen Fällen bereits Mitte der Neunziger geplatzt. Wer damals wegen Steuerabschreibungen im Osten investierte, hat sich kräftig verkalkuliert. Doch mittlerweile nimmt das Interesse für den ostdeutschen Immobilienmarkt wieder zu - Experten sehen gute Renditechancen.

BERLIN. So prognostiziert beispielsweise das Immobilienmarkt-Rating von Feri Rating & Research ein überdurchschnittlich hohes Potenzial für den Wohnungsmarkt in Leipzig und Dresden, sagt aber auch für Berlin steigende Mieten voraus. Die anziehende Konjunktur und das das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost", das 2002 begonnen hat, unterstützen die positive Entwicklung. Bis 2009 sollen mit 2,5 Mrd. Euro insgesamt ein Drittel aller leer stehenden Wohnungen Ostdeutschlands abgerissen und der verbleibende Bestand saniert werden.

Aber bisher sind nur wenige Investoren neu in den Markt eingestiegen. "Noch immer befinden sich gut eine Million Wohnungen in kommunalem Besitz", sagt Michael Voigtländer von der Forschungsstelle Immobilienökonomik des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. Das sei prozentual mehr als im Westen des Landes. Vor allem die Wohnungen in weniger attraktiven Lagen, sagt auch Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied des Verbandes Berlin Wohnungsunternehmen e.V. -Brandenburgischer (BBU), blieben weiterhin im Besitz von Kommunen oder genossenschaftlichen Unternehmen. Die wenigen großen privaten Wohnungsunternehmen, die in den ostdeutschen Bundesländern heute aktiv sind, hatten entweder einen staatlichen Auftrag zu erfüllen oder haben erst nach dem Zusammenbruch, in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts, investiert.

Eine Sonderrolle nimmt die ostdeutsche Immobiliengesellschaft TLG Immobilien ein. Das bundeseigene Unternehmen hat sich in den letzten Jahren zu einem aktiven Portfoliomanager gewandelt. "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht", sagt Sabine Pentrop aus der Presseabteilung der TLG, "und uns auf Schwerpunktregionen konzentriert."

Auch die DKB Immobilien ist schon lange im Osten des Landes aktiv. Als Nachfolgerin der DDR-Staatsbank hatte die heutige Tochter der Bayerischen Landesbank Mitte der Neunziger den Auftrag, Wohnungsbestände in Ostdeutschland zu privatisieren. "Manche Wohnungsunternehmen konnten ihre Kredite trotz der Entlastung von Altschulden nicht an die DKB oder andere Banken zurückzahlen", sagt Ludwig Burkardt, diese habe teilweise die DKB Immobilien dann gekauft. In Zukunft will das Unternehmen seinen Bestand von derzeit 33 000 Wohnungen verdoppeln, vor allem in den "Wachstumsregionen Ostdeutschlands", sagt Bernd Heinevetter aus dem Vorstand der DKB Immobilien.

Einer der wenigen Investoren, die neu auf dem Markt sind, ist ein internationales Private-Equity-Konsortium, bestehend aus Whitehall und Cerberus. Für 405 Mill. Euro hat es 2004 die GSW Immobilien, die in Berlin insgesamt 75 000 Wohnungen verwaltet, gekauft. Im gleichen Jahr hat die Fortress Investment Group mehrheitlich das ehemals bundeseigene Unternehmen Gagfah erworben. Gagfah konzentriert sich im Osten auf Immobilien in Berlin und Dresden. "Fortress und Whitehall haben zu einem günstigen Preis gekauft", sagt der Immobilienökonom Voigtländer, "das Investment wird sich sicher rentieren." Mit bundesweit rund 180 000 Mietwohnungen ist die Gagfah das führende börsennotierte Wohnungsunternehmen in Deutschland, gefolgt von der börsennotierten Deutsche Wohnen mit Sitz in Berlin.

Einen anziehenden Markt beobachtet auch der Sprecher der Aengevelt Immobilien Thomas Glodek. "Deutschland ist durch das Investment ausländischer Investoren wieder in den Fokus gerückt", sagt er. Das sei auch in den ostdeutschen Bundesländern zu spüren.

Die Großen im Osten

TLG Immobilien
Die aus der Treuhandgesellschaft hervorgegangene TLG verwaltet knapp 26 000 Mieteinheiten. Seit dem Jahr 2000 hat die inzwischen zum Verkauf stehende bundeseigene Gesellschaft rund 1,5 Mrd. Euro in Wohn- und Gewerbeimmobilien angelegt.

DKB
Die 33 000 Wohnungen der DKB befinden sich vornehmlich in Thüringen und Berlin-Brandenburg. Im Mai kaufte die DKB in Sachsen für 43,5 Mill. Euro 2 100 kommunale Wohnungen.

GSW Immobilien
1924 als städtische Gesellschaft in Berlin gegründet und 2004 an die Finanzinvestoren Whitehall und Cerberus verkauft, ist die GSW mit 75 000 Wohnungen eines der größten Wohnungsunternehmen Berlins.

Gagfah
Die Tochter des Finanzinvestors machte vor zwei Jahren im Osten mit dem Kauf der 50 000 Wohnungen der Stadt Dresden Furore.

Deutsche Wohnen
Seit dem Zusammenschluss mit der Berliner Gehag im vergangenen Jahr hat die Deutsche Wohnen (Deuwo) ihren Bestand von 24 000 auf über 51 000 Wohnungen aufgestockt. Die Deuwo war zuvor auf das Rhein-Main-Gebiet fokussiert.

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