Immobilienmarkt
Schweiz begrenzt den Bau von Zweitwohnsitzen

Der Immobilienmarkt wird sich in der Schweiz nachhaltig verändern: Nur noch 20 Prozent der Schweizer Wohnungen dürfen künftig Zweitwohnsitze sein. Die Preise dürften kräftig steigen.
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ZürichEin Volksentscheid in der Schweiz wird den helvetischen Immobilienmarkt nachhaltig verändern: Vergangenes Wochenende entschieden die Schweizer mit einer hauchdünnen Mehrheit, dass künftig keine neuen Zweitwohnungen gebaut werden dürfen, wenn in einer Gemeinde ihr Anteil bereits 20 Prozent der Wohnungen übersteigt. Die Initiatoren wollen damit der Zersiedelung Einhalt gebieten und erreichen, dass Ferienorte nicht zu Geisterstädten werden, wenn Eigentümer ihre Ferienwohnungen nur selten nutzen.

Mit der Annahme der Initiative könnten die Schweizer aber primär Besitzer bestehender Wohnungen in den Tourismusgebieten reich machen, erwarten Marktkenner.

Die Details der sogenannten Zweitwohnungsinitiative sind noch offen – etwa, wie eine Zweitwohnung definiert wird. Die Initiatoren haben vor allem kalte Betten im Visier – also jene Feriendomizile, die die meiste Zeit des Jahres leerstehen. Was zwischen 120 und 180 Nächten im Jahr vermietet ist, soll nicht erfasst werden. Eine genaue Abgrenzung aber steht noch aus.

„Die Bautätigkeit wird sicher stark eingeschränkt“, sagt Matthias Holzhey, Immobilienexperte der Großbank UBS, „der Preisanstieg in Tourismusregionen dürfte daher weitergehen.“ Schon heute seien von den zehn teuersten Schweizer Gemeinden sieben Touristenorte. Wer dort eine Zweitwohnung besitzt, kann sich nun glücklich schätzen. Denn ihr Weiterverkauf soll nicht eingeschränkt werden. Der Neubau dagegen wird de facto verboten, da in den meisten Tourismuszentren wie Davos der Anteil der Zweitwohnungen bereits deutlich die 20-Prozent-Marke übersteigt.

Das Angebot an Zweitwohnungen wird sich also deutlich verknappen, was bei konstanter Nachfrage mechanisch zu höheren Preisen führt – wie stark, kann derzeit noch niemand seriös abschätzen.

Negative Folgen könnte die Initiative aber für alle diejenigen haben, die in einer Tourismusregion eine Wohnung erben, die bis dahin als Erstwohnsitz genutzt wurde. Denn ihre Umwandlung in eine Zweitwohnung soll verboten werden. „Hier ist eher mit Preisrückgängen zu rechnen“, heißt es in einer ersten Analyse der Credit Suisse.

Den Gemeinden drohen im Zuge der zurückgehenden Verkäufe von Baugrundstücken sinkende Steuereinnahmen. Immobilienexperten rechnen daher damit, dass sie nun den Verkauf von bestehenden Zweitwohnungen mit Sondersteuern belegen werden, um am politisch kreierten Preisanstieg mitzuverdienen.

Generell sind Experten bei einer Anlage in eine Schweizer Ferienwohnung skeptisch. Die Wohnungen seien nur an wenigen Wochen im Jahr zu vermieten, die Konkurrenz am Markt groß. Laut Credit Suisse könnte sich nun aber der Markt für Hotelprojekte beleben: Denn sie würden dank sinkender Bodenpreise tendenziell wieder attraktiver werden.


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