Immobilienmarkt

Viel zu viele Häuser auf dem Land

In den Städten fehlen Zehntausende Wohnungen – doch auf dem Land werden weit mehr Häuser gebaut als nötig, meint das Institut der Deutschen Wirtschaft. Die negativen Folgen: Zersiedelung, Leerstände und Preisverfall.
Update: 19.06.2017 - 12:17 Uhr 9 Kommentare

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Frankfurt, KölnDeutschlands Bauherren bauen in ländlichen Regionen nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel zu viel. In einer neuen Studie konstatieren die Kölner Wissenschaftler, dass in vielen Landkreisen deutlich mehr gebaut wird als eigentlich sinnvoll wäre - gemessen an der schrumpfenden Bevölkerung und der Tatsache, dass vielerorts bereits Häuser leer stehen. Das IW empfiehlt den Kommunalverwaltungen eine Reihe von Gegenmaßnahmen.

„Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden“, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung.“ Falls die Bauherren von heute ihre Häuser in der Zukunft wieder verkaufen wollen, werden sie sich nach Einschätzung Voigtländers sehr schwer tun: „Da die Bevölkerung schwindet, fällt die Nachfrage langfristig weg. Das wirkt sich natürlich auf die Preisentwicklung aus.“ Neben sinkenden Preisen und Zersiedelung erwarten die Forscher noch ganz andere negative Folgen wie verödende Dorfzentren und neue Leerstände.

In der Studie werden exemplarisch einige Landkreise genannt: Im niedersächsischen Kreis Emsland etwa sind demnach zwischen 2011 und 2015 mehr als 1060 Wohnungen mehr gebaut worden, als auf Basis der Bevölkerungsentwicklung und der bereits bestehenden Leerstände zu erwarten gewesen wäre. Zum Großteil handelt es sich dabei um große Wohnungen oder Einfamilienhäuser.

Die Entwicklung ist aber keineswegs auf Norddeutschland begrenzt: In weiten Teilen des wirtschaftsstarken Bayern wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen. Ein Extrembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg wären nach IW-Einschätzung lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch fast 200, was laut Studie 2764 Prozent des Bedarfs entspricht.

In den Ballungsräumen hingegen fehlen weiter Wohnungen. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahr nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent.

Dennoch hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Anfang Juni ermunternde Zahlen veröffentlicht. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Baufertigstellungen in den kreisfreien Großstädten um 14 Prozent auf über 83.000 Wohnungen gestiegen. Knapp die Hälfte davon entfiel allein auf die Top-Sieben-Städte: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Stuttgart.

Dennoch konstatierte auch das BBSR, dass auf dem Land mehr gebaut werde, nicht zuletzt Eigenheime. Dies würde „unweigerlich“ zu wachsenden Leerständen in anderen Marktsegmenten führen, urteilt der BBSR-Fachmann Matthias Walthersbacher. Die Kölner Immobilienforscher vom IW stehen mit ihrer Einschätzung also nicht allein da. Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München ergänzt: „Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit.“ In der Summe hätten wir eigentlich genug Wohnraum in Deutschland – „wenn er an der richtigen Stelle wäre“. Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer, davon etwa 950.000 in ländlichen Regionen.

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9 Kommentare zu "Immobilienmarkt: Viel zu viele Häuser auf dem Land"

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  • Außerdem ist der Preisverfall in ländlichen Gebieten weniger dramtischer als hier angedeutet.
    Immer mehr junge Familien sind bereit Abstriche im Prestige zu machen, dafür ihren Kindern ein ruhiges und gesundes Umfeld zu bieten, das Homeoffice und der wachsende IT-Bereich möglich machen Karriere und Leben "auf dem Land" zu ermöglichen. Dafür braucht es keine Upper-Class Viertel und Penthouse-Wohnungen mehr. Jahrelang gab es die Landflucht, die sich jetzt fast nur noch auf die völlig heruntergewirtschafteten Kreise der neuen Bundesländer bezieht.

  • Es liegt doch ganz klar auf der Hand. Einzelimmobilien wie sie auf dem ländlichen und dörlichen Landstrichen günstig gebaut werden, missfallen der Immobilienwirtschaft. Diese Immobilien lassen sich nicht als Wertobjekte oder Geldwäsche vermarkten. Ob Handelsblatt oder DWN, es kommt immer durch das diese Blättchen sehr stark für Banken und ihre Spielereien solventer Kunden agieren. Wer auf dem Land ein Haus baut hat gar kein Interesse dieses zu verkaufen, lol. Insofern kann mich das Gerede von Preisverfall nur peripher tangieren. Allemal wohnenswerter und ruhiger als kernsanierter Upper-Class Eigentum in Städten. Auf lang oder kurz werden die Banken im Immobilienbereich ebenfalls ein Minusgeschäft machen, wenn die Ballungsgebiete mit der Stadtflucht solventer Mandanten zu kämpfen haben, wenn um ihre Upper-Class-Cash-Cow eine No-Go Area ensteht. Das sind die ersten Ideen dem entgegenzuwirken. Als nächstes wird deren Lobby ein Gesetz fordern...das den Erwerb von Einzelimmobilien erschweren wird. Auf dem Land gibt es nur selten Leerstände, wie hier suggestiert wird. Same procedure as every year...who cares?

  • Der "Immobilienexperte" Michael Voigtländer ist schon lustig. Dass es viel preiswerter ist, eine neue Immobilie nach dem Stand der Technik zu bauen als eine vorhandene Immobilie energetisch zu sanieren und eine Kernsanierung durchzuführen, findet in seiner Gedankenwelt wohl nicht statt.

    In Berlin werden viele alte Häuser kernsaniert und wunderschön restauriert. Anschließend werden die Wohnungen dieser Häuser für 4.000 € bis 8.000 € pro Quadratmeter zum Verkauf angeboten. Dort, wo viel Geld für Wohnraum bezahlt wird, lohnt sich eine Kernsanierung. Auf dem Land, wo Neubauten incl. Grundstück für vielleicht 2.000 € gekauft werden können, zahlt kaum jemand freiwillig dafür, eine Bruchbude wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln.

    Das gleiche Problem gibt es in den alten Arbeiterstadtteilen vieler (ehemaliger) Industriestädte. Dort lohnt es sich nicht, Altbebauung zu sanieren. Alte Häuser werden folglich immer weiter vermietet, pinselsaniert und dann erneut weiter vermietet. Das soziale Gefüge gerät in Unordnung ganze Stadtteile kämpfen gegen den Abstieg.

    Wie wäre es mit einer Abwrackprämie für rotte Altbebauung, damit es sich rechnet, Altbebauung durch bezahlbare, attraktive Neubebauung zu ersetzen?

  • Bei Leerständen im Ortskern wohnen meistens schon die Enkel der Erbauer in schönen neuen Häusern . Die Abriss- und Entsorgungskosten der Altbausubstanz,
    ( oft noch in dritter Generation in Erbengemeinschaft ) liegen meist über dem Wert des dann verfügbaren Baulands. Wer soll zu was gezwungen werden ?

  • Bei Leerständen im Ortskern wohnen meistens schon die Enkel der Erbauer in schönen neuen Häusern . Die Abrisskosten der Altbausupstanz liegen sehr oft über dem Wert des dann verfügbaren Baulands. Wer soll zu was gezwungen werden ?

  • So wie ich das verstehe, geht es beim Thema "Zersiedlung" in dieser Studie doch um Gemeinden, die Leerstände in Bestandsgebäuden (meist im Ortskern) haben und trotzdem Neubaugebiete erschließen. In solchen Fällen erfolgt tatsächlich eine Zersiedlung der Landschaft. Die Schlussfolgerung, in solchen Gemeinden einen Neubau an einen Abriss zu knüpfen, finde ich logisch.

  • Die Macher dieser Studie scheinen offensichtlich alle in der Lage zu sein, ihr Haus in der Stadt haben zu können.
    Daher wird von denen auch nicht erkannt, was auf dem Lande los ist.
    1. Es werden hier Haus (Land) und Wohnung (Stadt) miteinander verglichen.
    Wenn ich in einem Haus wohnen will, brauche ich keine Wohnung in der Stadt.
    2. Ein Haus kann man sich eben nur noch auf dem Lande leisten und mittlerweile noch nicht einmal da, denn die Stadtpreise haben mittlerweile voll auf das Land voll durchgeschlagen.
    3. Die Leute, die sich aufs Land begeben haben, lernen mittlerweile dort Lebensqualität kennen. Und fühlen sich dort meist wohl.
    4. Wenn jetzt die Politik es schaffen würde, die ländlichen Räume an das öffentliche Verkehrsnetz anzuschliessen, werden sich weiter gut funktionierende Räume entwickeln. Von Zersiedelung kann keine Rede sein

  • Autonomes Fahren wird den Immobilienmarkt in 5-10 Jahre stark beeinflussen und den beschriebenen Effekt abmildern. Sinkende Preise für Solarmodule oder die Ladesäule auf der eigenen Auffahrt werden dem Eigenheim auf dem Land zuspielen. Ändern sich dazu noch Lifestyle-Präferenzen hin zu mehr Gesundheit, Bewegung und Natur, lässt sich all das viel leichter auf dem Lande realisieren. Und wo gehen eher Jobs durch die Digitalisierung und Robotik verloren und wo entstehen, wenn überhaupt, neue und in welcher Menge. Sinkt etwa die Anzahl jener die genügend Geld für eine innerstädtische Wohung aufbringen können, dann purzeln auch die Preise. Der Blick in die Glaskugel bleibt spannend!

  • Das liegt wohl eher nicht daran, dass die Leute nicht gern in der Stadt ein Haus oder eine Wohnung hätten, es liegt doch viel mehr am Preis.

    Wenn ich in München für ein popliges Reihenhaus mit MInigraten 1 Mio EUR bezahlen muss, dagegen aber etwas weiter draussen nur 1/3 dieser Summe für ein freistehendes Einfamilienhaus mit Garten(den man auch so nennen kann), da fällts wahrschei9nlioch nicht schwer, für was man sich entscheidet.
    Selbst wenn man dann ein zweites Auto braucht.

    Beschweren sollte man sich bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Geldeliten wissen nicht mehr wohin mit dem ganzen Geld und investieren. Gleichzeitig gieren diese sog. Eliten nach immer mehr Geld und immer schneller viel mehr,, obwohl sie jetzt schon nicht mehr wissen, wohin damit.
    Die unteren Schichten verlieren dagegen auf ganzer Linie. 40-Stunden-Jobs, die nicht mehr zum Leben reichen, die vom Staat noch aufgestockt werden müssen, sie können sich die Mieten in den Städten doch meistens gar nicht mehr leisten.

    Eine bessere Balance wäre langsam mal angebracht. Stattdessen wird die totale Überwachung ausgebaut (dazu hat man sich externe Probleme und Terror aus anderen Kulturen importiert), um zu gegebener Zeit alles unter Kontrolle halten zu können.
    Bei dieser Entwicklung ist es sinnlos, den Planeten retten zu wollen. Die Gier und Dummheit des Menschen ist grenzenlos und bedarf keiner Rettung.
    Nach diesem Motto, weshalb sollte ich mich einschränken, nur damit vollgefressene Eliten weiterhin ihre Macht behalten können?

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