Immobilienpleite in Spanien
Endstation Baugrube

Die Immobilienpleite in Spanien nimmt immer größere Ausmaße an: Mit dem Niedergang von Martinsa Fadesa, Spaniens größter Immobilienfirma, platzt auch für tausende Familien der Traum vom Eigenheim. Schon jetzt stehen unzählige Baustellen still, die Bauherren müssen sich auf eine ungewisse Zulunft einstellen.

MADRID. Im Umkreis der Metrostation "Manuela Malasana" im Madrider Vorort Mostoles ragen nicht weniger als 13 Baukräne in den knallblauen Himmel. Hinter einer Absperrung direkt vor dem gläsernen Metrogebäude stehen einige mehrstöckige Häusergerippe, die irgendwann einmal ein Einkaufszentrum beherbergen sollen. Auf der anderen Seite sind ein paar Neubauwohnblöcke schon fertiggestellt, aber noch unbewohnt, graue Rollläden bedecken die Fenster. Daneben wieder zwei halbfertige, mehrstöckige Gebäudestrukturen, umhüllt von einem Baugerüst.

Hinter diesen beiden Gebäuden liegt das Chalet von Santiago Ocano. Oder vielmehr die Stelle, wo das Traumhäuschen des 27-Jährigen eigentlich gebaut werden sollte, ebenso wie 23 andere Häuser mit Swimmingpools und Gärten. Bisher ist dort aber nur ein großes Loch, darum herum Felder mit aufgewühltem Boden, von trockenen Gräsern bewachsen.

Der junge Beamte der Madrider Regionalregierung ist eines der Opfer von Martinsa Fadesa, der größten Immobilienfirma Spaniens, die vor kurzem Konkurs anmeldete. Im Juli 2007 kauften Santiago und seine Freundin das Chalet, nur anhand des Bauplans, das war in Zeiten des knappen Wohnungsangebots sehr üblich in Spanien. Stolze 400 000 Euro kostet das Häuschen in Mostoles, "aber es gibt noch teurere", weiß Santiago, ein kräftiger junger Mann mit einem schmalen Gesicht und Bürstenhaarschnitt, gekleidet im orangenen T-Shirt und in ockerfarbenen Shorts, die Augen von einer großen verspiegelten Sonnenbrille verdeckt. "Außerdem fanden wir die Tatsache, dass die größte Immobilienfirma Spaniens hinter dem Projekt stand, sehr vertrauenswürdig."

Doch weit gefehlt. Am 16. Juli krachte Martinsa Fadesa, ein international agierendes Bau- und Immobilienunternehmen mit Aktiva im Wert von rund elf Mrd. Euro wie ein Kartenhaus unter seinem Schuldenberg von 5,2 Mrd. Euro zusammen. Es ist die bisher größte Insolvenz der spanischen Geschichte. Das Unternehmen, das in den Jahren des spanischen Immobilienbooms glänzend daran verdiente, billigen Boden aufzukaufen, zu entwickeln und zu bebauen und anschließend wieder zu verkaufen, hatte wegen der zuletzt brüsk einbrechenden Wohnungsverkäufe keine liquiden Mittel mehr. Die Schulden, die es im Zuge einer aggressiven Expansion über die letzten Jahre angehäuft hatte, konnte es nicht mehr finanzieren.

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