Immobilienpreise
Einzelhandelsflächen sind Krisen-Gewinner

Ausgerechnet der Markt für Einzelhandelsflächen könnte als Gewinner aus der Wirtschaftskrise hervorgehen. Die Anlage in Handelsimmobilien gilt unter institutionellen Anlegern als attraktives Investment. Gut vermietete Objekte in Bestlage werden langsam knapp.
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DÜSSELDORF. Die Nachfrage von Investoren nach deutschen Einzelhandelsimmobilien wird im kommenden Jahr sprunghaft ansteigen. Davon ist Bernhard Schoofs, Vorstandschef der Hahn AG aus Bergisch Gladbach, überzeugt. "Einzelhandelsimmobilien bringen nachhaltige Erträge - und genau diese sind bei Anlegern zurzeit gefragt", erklärt der Spezialist für die Entwicklung und den Betrieb von Shopping-, Fachmarktzentren und SB-Warenhäusern. Gestützt wird diese Prognose durch eine aktuelle, gemeinsam mit der Unternehmensberatung Dr. Lademann & Partner durchgeführte Investorenbefragung. Fast 80 Prozent der in- und ausländischen Anleger, die sich an der Studie beteiligten, betrachten Handelsimmobilien als attraktive Nutzungsart - nur 54 Prozent sagen das über Büroimmobilien.

Erste Anzeichen für einen sich belebenden Markt zeigt die Statistik: Das Transaktionsvolumen für Direktinvestitionen in kontinentaleuropäische Einzelhandelsimmobilien stieg im zweiten Quartal 2009 um 85 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf etwa 1,9 Mrd. Euro. Immerhin wird damit wieder das Niveau des Jahres 2004 erreicht, melden die Marktbeobachter des internationalen Immobilienberaters Jones Lang Lasalle (JLL) - auch wenn das Volumen noch immer um 63 Prozent niedriger liegt als im Vorjahreshalbjahr. Bei insgesamt neun Transaktionen von jeweils mehr als 100 Mio. Euro lasse sich aber im zweiten Quartal ein deutlicher Aufwärtstrend erkennen. Und mit Blick auf das zweite Halbjahr sagt Jeremy Eddy, Leiter für europäische Einzelhandelsinvestments bei JLL: "Die Aussichten auf dem europäischen Investmentmarkt für Einzelhandelsimmobilien bleiben zwar verhalten. Besonders in Deutschland werden wir aber in Kürze einige nennenswerte Transaktionen sehen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir hier ein weiterhin starkes Interesse an qualitativ hochwertigen Objekten."

Das bestätigt Lutz Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Maklerhauses Aengevelt Immobilien: "Gefragt sind zurzeit Einzelhandelsobjekte mit langen Mietlaufzeiten - sowohl in Großstädten wie auch in Mittelzentren." Dabei konzentriere sich die Nachfrage auf zwei Schwerpunkte: Größere Fachmarktzentren und Einkaufszentren mittlerer Größe und aufgegebene Kaufhäuser aus den jüngsten Insolvenzen mit guter Perspektive für eine Umnutzung. "Solche Objekte erzielen dabei Kaufpreise um das 13,5-fache der Jahreskaltmiete, selten mehr", sagt Aengevelt.

Anders als auf dem Markt für Büroflächen, wo im kommenden Jahr die Mieten eher noch zurück gehen werden, können Investoren bei Handelsflächen mit stabilen, womöglich sogar steigenden Mieten rechnen. Das Vermietungsgeschäft nämlich ist trotz Krise "ausgesprochen rege", sagt Karsten Burbach, als Geschäftsführer des Immobilienberaters CB Richard Ellis (CBRE) zuständig für den Bereich Einzelhandel. Das gelte sowohl für Läden in klassischen Innenstadtlagen als auch in Shoppingcentern, ergänzt der Fachmann.

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