Immobilienpreise in Paris: 75.000 Euro für einen Keller

Immobilienpreise in Paris
75.000 Euro für einen Keller

Wer in Paris eine erschwingliche Wohnung sucht, muss unter Umständen sehr lange suchen. Die Immobilienpreise explodieren, allein im letzten Jahr stiegen sie um 15 Prozent. Die Auswüchse einer verrückten Immobilienhausse.
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ParisDieser Preis im Schaufenster des Pariser Immobilienmaklers fällt sofort ins Auge: Eine 60-Quadratmeter-Wohnung mitten in der französischen Hauptstadt für nur 75000 Euro. Das hat es seit über zehn Jahren nicht mehr gegeben. Doch dann die Ernüchterung: Die Wohnung ist ein Keller. Den Makler kümmert das wenig – er verkauft sie binnen weniger Tage. Denn in Paris nehmen Durchschnittsverdiener alles, was zu haben ist – Hauptsache, es ist erschwinglich.

Die Kaufpreise für Wohnungen sind in Paris 2010 um mehr als 15 Prozent gestiegen, sie liegen bei einem Durchschnittspreis von 7645 Euro pro Quadratmeter und sollen laut Schätzungen in diesem Jahr noch mal um zehn Prozent klettern. Voraussichtlich werden sie die Marke von 8000 Euro überspringen. In besseren Vierteln wird das Doppelte, manchmal das Dreifache gezahlt. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Kaufpreise mehr als verdoppelt.

Und auch für Mieter sieht es nicht besser aus: Zwischen 31 und 51 Prozent ihres Haushaltseinkommens geben Familien fürs Wohnen aus, in den 1960er-Jahren waren es gerade zehn Prozent. Für eine Dreizimmerwohnung legt man 1800 Euro auf den Tisch, für 20 Quadratmeter mindestens 650 Euro. Viele Pariser ziehen deshalb schon gar nicht mehr um und bleiben in winzigen Wohnungen, auch wenn sich die Familie vergrößert.

„Damit sie ihre Wohnkosten tragen können, sparen die Familien an Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Freizeit“, sagt Régis Bigot, einer der Verantwortlichen bei dem Forschungsinstitut für Lebensbedingungen Crédoc.

Doch nicht nur Paris, sondern ganz Frankreich ist von dem Anstieg der Kauf- und Mietpreise betroffen, auch wenn in der Hauptstadt die Situation besonders angespannt ist. So stiegen die Mieten laut aktuellen Zahlen des Ministeriums für Wohnung und Umwelt 2010 im ganzen Land um 2,7 Prozent. Im Krisenjahr 2009 hatte das Plus sogar 3,1 Prozent betragen. Bezogen auf das Jahrzehnt seit 2000 verteuerten sich die Mieten landesweit um 28,2 Prozent, in Paris waren es sogar fast 50 Prozent. Zum Vergleich: In der gesamten Euro-Zone stiegen die Mieten im selben Zeitraum um gut 20 Prozent, in Deutschland nur um gut elf Prozent. „In Frankreich liegen die Mieten um 50 Prozent über denen in Deutschland“, sagt Sylvain Jutteau, einer der Verantwortlichen beim Immobilienspezialisten Century 21.

Viele leben in Paris deshalb schon in Kellern, Garagen oder ehemaligen Boutiquen, die sie umgebaut haben. Für einen günstigen Preis nehmen immer mehr Pariser Nachteile wie Lichtmangel, Feuchtigkeit oder ein Leben im Schaufenster auf sich. „Der Markt ist völlig verrückt, alle üblen Praktiken sind erlaubt“, sagt Bernard Cadeau, Präsident der Maklerkette Orpi. Nachdem bisher nur Künstler oder junge Leute diese Immobilien kauften, wird der Markt immer größer und Makler spezialisieren sich darauf. Allein bei der Agentur Rez-de-chaussee.com wurden 2010 insgesamt 30 solcher Immobilien verkauft, 2011 sollen es viermal so viele sein.

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