Immobilienrecht
Riesiges Kuckucksei geerbt

Rund 5 800 Quadratmeter Grundstück mit einem Wohnhaus erbte eine Frau aus Niedersachsen. Doch die Freude währte nicht lange, denn das Finanzamt setzte im Erbschaftsteuerbescheid den Wert von Grund und Boden auf gut 400 000 Euro fest. Die Erbschaftsteuerforderung des Finanzamtes fiel entsprechend stattlich aus. Das weitläufige Erbstück erwies sich als riesiges Kuckucksei. Also klagte die Erbin vor dem Niedersächsischen Finanzgericht.

HB MECKENBEUERN. Das Gericht hatte ein einsehen. Es berücksichtigte einen Abschlag wegen der Übergröße und errechnete einen Bodenwert, der unter dem Ertragswert lag. Die Erbin sollte nun gut 245 000 Euro versteuern. Doch der Bundesfinanzhof gab dem Finanzamt Recht. „Die von den Gutachterausschüssen festgelegten Bodenrichtwerte sind für alle Beteiligten verbindlich und einen zusätzlichen Abschlag für die Grundstücksgröße hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen.“

Die Gemeinden müssen für jedes Grundstück einen Bodenrichtwert festlegen. Die Gutachterausschüsse, die dafür eingesetzt werden, orientieren sich z.B. an den Verkaufswerten der umliegenden, oft kleineren Grundstücke. Da für den Kauf von Baugrundes meist nur ein begrenzter Betrag zur Verfügung steht, sind bei großen Grundstücke die hohen Quadratmeterpreise kleiner Parzellen nicht zu erzielen.

Das gleiche Problem haben Erben von Grundstücken in teuren Ballungsgebieten: Der Bodenwert sei höher als der Ertragswert, erläutert der Mannheimer Anwalt Manuel Tanck, der sich auf Erbprozesse spezialisiert hat.

Der Lüneburger Steuerberater Hans-Peter Schneider rät deshalb, dem Finanzamt zuvor zu kommen: „Der BFH hat klar gestellt, dass ein niedriger Grundstückswert für den Steuerpflichtigen nur durchzusetzen ist, wenn er den tatsächlichen Marktwert des Grundstücks nachweist.“ Das geht, wie Schneider erläutert, nicht nur durch ein Sachverständigengutachten, sondern auch durch einen frühestens ein Jahr vor dem Erbschaftsteuerbescheid abgeschlossenen Kaufvertrag.

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