Immobilienrente
Das Haus als sichere Bank

In den USA ist es schon seit Jahrzehnten üblich, sein Haus zu verrenten. Da die Zahl der Ruheständler und deren Geldbedarf - im Gegensatz zur Rente - steigt, versprechen sich Banken und Investoren nun auch hierzulande ein lukratives Geschäft. Die ersten Modelle sind bereits auf dem Markt.

DÜSSELDORF. Das Haus liegt im Grünen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Die Fassade weiß verputzt, das Ziegeldach braun, wie fast alle Häuser hier in Dettingen im Stuttgarter Speckgürtel. Das Haus bietet 180 Quadratmeter Wohnfläche und 800 Quadratmeter Garten. Siegmar Kocea zählt weiter auf: "Offene Bauweise, offener Kamin, Wintergarten, Sauna, Dachgarten." Der 71-jährige frühere Cheflektor des Sparkassenverlags und seine zwei Jahre jüngere Frau Antje fühlen sich dort rundum wohl, keine Frage. Deshalb bleiben sie auch dort wohnen, lebenslang. Aber ihr Haus, das haben sie im Dezember verkauft.

Die Koceas können sich als Vorreiter fühlen. Das kinderlose Paar macht sein Haus im Alter zu Geld, bekommt eine Rente - in diesem Fall zehn Jahre lang 840 Euro. Zudem genießen beide ein lebenslanges Wohnrecht im vertrauten Heim. In den USA ist es schon seit Jahrzehnten gang und gäbe, sein Haus zu verrenten. Dadurch wird Geld frei, um Haushaltshilfen oder Pflegekräfte zu bezahlen. Viele gönnen sich auch einfach eine große Reise. So wie die reiselustigen Koceas. Sie packen künftig ihre Koffer noch häufiger.

Während die Koceas sich für ein Leibrentenmodell entschieden haben, gibt es noch ein anderes Modell, um seine Immobile zu verzehren, wie es im Branchenjargon heißt: die Umkehrhypothek.

In Ländern wie Spanien und Frankreich sind solche Modelle bereits in Mode. Nur in Deutschland gibt es noch keinen Markt dafür. "Dabei gibt es kein Problem, weshalb dieses Produkt nicht auch in Deutschland machbar wäre", fasst Gunnar Lang, Finanzmarktexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, seine Forschung zu dem Thema zusammen. Das Marktpotenzial ist zweifellos vorhanden. Es gibt hierzulande mehr als vier Millionen Eigenheimbesitzer, die über 60 Jahre alt sind. Und bei den über 65-Jährigen steckt laut ZEW gut 80 Prozent des Vermögens in der Immobilie.

Da die Zahl der Ruheständler und deren Geldbedarf - im Gegensatz zur Rente - steigt, versprechen sich Banken und Investoren nun auch hierzulande ein lukratives Geschäft mit Wachstumsaussichten. Deshalb trauen sich nun einige private Anbieter und Förderbanken auf den Markt. Vorreiter bei den öffentlich-rechtlichen Instituten ist die Investitionsbank Schleswig-Holstein. Sie will mit der "Förder-Immorente" nach eigenen Angaben in der ersten Jahreshälfte starten. "Wir betreten Neuland", erzählt Axel Vogt, Leiter des Bereichs Immobilien. Schon bei den Formularen für die Immobilienrente steckt der Teufel im Detail. So ließ das Kieler Institut nach einigen Tests die Schrift vergrößern. Mit Kleingedrucktem braucht man der Zielgruppe nicht zu kommen.

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