In der Rezession
Einzelhandelsimmobilien: Der Markt entspannt sich

Der Wettbewerb um gute Einzelhandelsflächen in Deutschlands Metropolen und mittelgroßen Städten ist hart. Das schlägt auf die Mieten durch. Bis zu 40 Euro pro Quadratmeter mehr als im vergangenen Jahr zahlen Ladenbesitzer derzeit in den Top-Einkaufsmeilen. Die Rezession dürfte allerdings für Entspannung sorgen.

HAMBURG. "Der Vermietungsmarkt ist nach wie vor von Verdrängung und Standortverlagerungen geprägt", sagt Gerhard Kemper, Geschäftsführer von Kemper?s Jones Lang Lasalle. Die Nachfrage nach Ladenflächen konzentriere sich hauptsächlich auf 1a-Lagen und werde von Filialunternehmen dominiert. Von insgesamt 185 Städten in West- und Ostdeutschland verzeichneten nach einer Analyse des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Beratungsunternehmens 56 Prozent steigende, 43 Prozent stabile und nur ein Prozent fallende Mieten. Teuerster Einzelhandelsstandort ist nach wie vor München mit Quadratmetermieten von bis zu 300 Euro im Monat. Eine Beobachtung, die Kemper?s-Wettbewerber Comfort bestätigt. Übereinstimmend liegen mit Monatsmieten zwischen 220 und 260 Euro die Städte Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und Stuttgart auf den Plätzen. Münchens Einzelhändler profitieren dabei sowohl von der enormen Kaufkraft der eigenen Bevölkerung, die Comfort zufolge um 21 Prozent höher ist als im Bundesdurchschnitt, aber auch vom konsumfreudigen Umland und auf Shopping-Tour gehenden Touristen. Als dynamisch gilt auch der Berliner Markt. Laut Berater CB Richard Ellis (CBRE) wurden in keiner anderen deutschen Stadt 2007 mehr Retail-Deals gemacht als in der Hauptstadt. Neue Shopping-center wie das "Alexa" und die "Wilmersdorfer Arcaden" beflügeln das Geschäft.

Wer als Einzelhändler auf der Suche nach einer neuen Fläche zum Zuge kommen will, muss deshalb nicht nur bereit sein, eine hohe Miete zu zahlen. Das Angebot etwa in der Innenstadt von Hamburg sei geringer als die Nachfrage: "Abstandszahlungen im hohen sechsstelligen Bereich für einen Laden in der Spitalerstraße oder am Jungfernstieg sind deshalb keine Seltenheit", beschreibt Phillipp Hass von CBRE die Praxis.

Auf Expansionskurs sind Kemper?s zufolge vor allem Anbieter von junger Mode, Accessoires, Schuhen, Büchern und Telekommunikation. Aber auch Apotheken bieten um attraktive Standorte auf Shoppingmeilen und in Einkaufszentren mit, wie Björn Oellrich, Geschäftsführer der auf Analyse und Entwicklung von Apothekenstandorten spezialisierten Firma Inten, bestätigt: "Wir suchen verstärkt geeignete Flächen für Apotheken in wettbewerbsintensiven 1a-Lagen und Fachmarktzentren." Für Vermieter seien dabei Konzept, Betreiberqualität und Bonität die zentralen Kriterien bei der Vergabe der Fläche. Inhabergeführte Geschäfte bleiben beim Wettbewerb der Filialisten um die Top-Flächen allerdings häufig auf der Strecke. Sie können bei den Mieten nicht mithalten und geben auf. Ein Beispiel: In Hamburg haben im vergangenen Jahr rund 400 Einzelhändler ihre Läden geschlossen.

Auch für sie dürfte sich 2009 der Mietmarkt allerdings beruhigen. Angesichts der Unsicherheit auf den Finanzmärkten und der ungewissen Konjunkturentwicklung dürften Anmietungsentscheidungen in vielen Fällen vorerst auf Eis gelegt werden. Die Marktbeobachter von Kemper?s Jones Lang Lasalle erwarten deshalb im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren nur einen moderaten Mietpreisanstieg in den Metropolen und in den kleineren, exponierten Städten Deutschlands.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%